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Orden sucht Käufer für das Exerzitienhaus am Kapellenberg

  • Ulrike Kleinekoenen
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Franziskaner beauftragen Projektentwickler - Im Oktober ist ein Gespräch mit dem Magistrat der Stadt Hofheim geplant

Hofheim -Die Nachricht, dass die Franziskaner 2025 Hofheim verlassen und das Exerzitienhaus am Kapellenberg aufgeben werden, hatte vor einigen Wochen viele Hofheimer betroffen gemacht. Nun wächst - vor allem bei den Nachbarn und im Freundeskreis - die Sorge bei der Frage, was aus dem Areal mit dem fast 100 Jahre alten Gebäude wird. Umso mehr, als nun im Internet das Inserat eines Immobilienentwicklers zu lesen ist, wonach sich die Deutsche Franziskanerprovinz von der Immobilie trennen möchte. Hintergrund dieser Entscheidung sei vorrangig die Personalentwicklung der Ordensprovinz sowie die Kosten des Hauses vor allem durch anstehende Brandschutzmaßnahmen.

Sondierungsprozess ist gestartet

Dass in die Überlegungen für die Zukunft ein Projektentwickler aus dem Immobilienbereich hinzugezogen werden soll, hatte bereits vor einigen Wochen der stellvertretende Provinzleiter, Bruder Markus Fuhrmann, erklärt. Dies wird Dr. Christian Vogdt sein, Geschäftsführer der Immobilius GmbH. Das Unternehmen mit Sitz im nordrhein-westfälischen Senden hat Erfahrung mit der Entwicklung kirchlicher Immobilien, wie auf der Internetseite zu lesen ist. So wurden von Immobilius unter anderem für verschiedene Klosterstandorte Nutzungskonzepte entwickelt. Und auch die Franziskaner haben schon mehrfach das Unternehmen beauftragt.

Der Sondierungsprozess werde nun erst einmal gestartet, erklärt der Leiter des Hofheimer Exerzitienhauses, Bruder Stefan Federbusch OFM. Dabei werde als erster Schritt das Gespräch mit der Stadt gesucht, betont er. Denn so, wie der Verkauf des Hauses Maria Elisabeth vonstatten gegangen sei, bei dem die Stadt erst von der Kreisblatt-Reporterin erfahren hatte, dass ein Kelkheimer Investor den Zuschlag erhalten habe, soll es hier nicht gehen. Investoren, die bereits auf das Areal in bester Lage aufmerksam geworden sind, müssten sich noch gedulden, erklärt Bruder Stefan. Denn auch die Nachbarn und der Freundeskreis des Exerzitienhauses würden über die Überlegungen der künftigen Nutzung zunächst informiert. Bei der Mitgliederversammlung sei auch schon dargelegt worden, welche Kriterien bei der Entwicklung den Ordensbrüdern wichtig sind. Am Ende des nun begonnenen Sondierungsprozesses sollte ein Konzept stehen, "das zu uns Franziskanern passt", hofft Bruder Stefan, wenngleich auch er um den Wert des Areals in begehrter Lage am Kapellenberg weiß. Doch sollte das Geld nicht das maßgebende Kriterium sein, sagt der Hausleiter .

Vogt: "Städtebaulich markante Liegenschaft"

Hofheims Bürgermeister Christian Vogt bestätigte gestern, dass das Exerzitienhaus die Stadt über die beabsichtigte Aufgabe des Standortes in Hofheim informiert hat. Für Oktober sei bereits mit dem Magistrat ein Termin vereinbart worden. "Wir begrüßen die nun begonnene frühzeitige Kommunikation des Ordens sehr. Dies betrachten wir, mit Blick auf das Haus Maria Elisabeth, nicht als selbstverständlich und sind daher dankbar, dass hier von Anfang an die Stadtgesellschaft und -politik im Dialog stehen."

Trotzdem bedauere die Stadt die Entscheidung des Ordens, das Exerzitienhaus in Hofheim aufzugeben - "trägt es doch zur Vielfalt des religiösen Lebens in unserer Stadt und in der Region bei und öffnet sich durch seine Angebote allen Menschen", so Vogt. Zwar obliege der Beschluss über die Zukunft der Liegenschaft der Deutschen Ordensprovinz der Franziskaner. Dennoch sei es Wunsch der Stadt, "dass für diese städtebaulich markante Liegenschaft eine Nutzung gefunden wird, die sich harmonisch in die Umgebung einfügt". Wie lange die Sondierung dauern werde, sei noch völlig offen, sagt Bruder Stefan, der sich verantwortlich fühlt für das, was mit Haus und Grund passiert. Wobei auch er weiß: Letztendlich liegt die Entscheidung darüber bei der Provinzleitung.

Info: Stadt verzichtet auf Vorkaufsrecht für Altenheim

Im Juni war bekannt geworden, dass das Altenheim Haus Maria Elisabeth einen neuen Eigentümer hat: Die Projektverwaltungsgesellschaft Horn aus Kelkheim war mit der vorherigen Besitzerin des Hauses am Roedersteinweg, der Katholischen Wohltätigkeitsanstalt zur heiligen Elisabeth (KWA), handelseinig geworden. Die Pläne des Käufers, 70 Seniorenwohnungen auf dem rund 6300 Quadratmeter großen Grundstück und dem Bestandsgebäude zu errichten, war in Hofheim bei einigen Bürgern auf großes Ungemach gestoßen. Sei doch zu vermuten, dass nur Bürger mit einem großen Geldbeutel dort einziehen werden. Zudem waren manche im Rathaus über die Art und Weise des Verkaufs verschnupft gewesen. Und so hatte sich die Stadt durch Beschluss der Stadtverordnetenversammlung das Vorkaufsrecht für die Immobilie gesichert. Auf Nachfrage, ob die Stadt dieses nun auch geltend machen werde, gab es aus dem Rathaus gestern keine Stellungnahme. Eine Entscheidung ist aber offenbar gefallen. Darüber sollten zunächst die Stadtverordneten vom Magistrat informiert werden, erklärt Rathaussprecherin Iris Bernardelli. Wie das Kreisblatt aus zuverlässiger Quelle erfahren hat, wird die Stadt von ihrem Vorkaufsrecht keinen Gebrauch machen. ulk

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