Macherin Beate Hüls (Mitte) und Christiane von Cornberg von der Agentur Evendon hatten 60 Stände mit Kunsthandwerk auf den Kellereiplatz geholt. Auch wenn die Organisation aufwendiger gewesen sei als sonst, freut sie, gezeigt zu haben: Es geht was - auch unter Corona-Bedingungen.
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Macherin Beate Hüls (Mitte) und Christiane von Cornberg von der Agentur Evendon hatten 60 Stände mit Kunsthandwerk auf den Kellereiplatz geholt. Auch wenn die Organisation aufwendiger gewesen sei als sonst, freut sie, gezeigt zu haben: Es geht was - auch unter Corona-Bedingungen.

Kunsthandwerker-Markt

Organisatorin Beate Hüls: "Ich musste diesen Markt haben"

  • vonBarbara Schmidt
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Hofheim: Die Veranstaltung Hand Made Art soll Mut machen für mehr.

Hofheim. So viel los war schon lange nicht mehr an einem Sonntagnachmittag in der Innenstadt. Bei typischem Hofheimer Veranstaltungswetter - blauer Himmel und Sonne satt - lockte gestern Nachmittag "Handmade Art" die Besucher in Scharen. Nach etwas verhaltenerem Beginn hieß es gegen vier Uhr vor dem Einlass auf den Kellereiplatz sogar Schlange stehen. Da war die erlaubte Zahl von 250 Maske tragenden Menschen auf dem klar begrenzten Gelände erreicht, so dass die Ankommenden warten mussten, bis andere, die schon drin waren, den Platz wieder verlassen hatten.

Beate Hüls, Chefin der Hofheimer Veranstaltungsagentur "Evendon" hatte den beliebten Kreativ-Markt trotz Corona gewagt. "Ich lieb's einfach. Ich musste den Markt haben", bekannte Hüls, dass eine Portion Trotz und Beharrlichkeit mitspielten, als es darum ging, ob eine solche Veranstaltung in Pandemie-Zeiten möglich sein könnte.

Viele der Kunsthandwerker, die gestern in Hofheim dabei waren, haben es schon ganz anders erfahren. "Wir sind hier nicht zum ersten Mal dabei, aber für uns ist es das erste Mal dieses Jahr überhaupt", berichteten Goldschmiedin Mirjam Hensel und ihr Partner Hanspeter Ludwig. Alle sonstigen Veranstaltungen, die sie fest im Terminkalender hatten, seien abgesagt worden, darunter auch die "New Heritage", eine Messe in München. "Der Veranstalter ist jetzt pleite", weiß Ludwig. Und hätte er selbst nicht als Graphiker von der gestiegenen Nachfrage nach Videoproduktionen profitiert, so dass sein Einkommensplus ihr großes Minus als Schmuckherstellerin aufgefangen hätte, wäre das Corona-Jahr auch für Mirjam Hensel wirtschaftlich nicht zu schaffen gewesen, wie beide ganz klar sagen. Umso dankbarer sind sie, in Hofheim endlich mal wieder ihre Schmuckstücke potenziellen Kunden präsentieren zu können. "Sicher versucht man auch etwas im Internet. Aber schauen sie da mal nach Schmuckangeboten - da gibt's ja Millionen", sagt Hensel.

Dass die Pandemie die Veranstaltungs-Branche und die Künstler jedweder Couleur ganz besonders getroffen hat, davon können auch Beate Hüls und ihre Mitarbeiterin Christiane von Cornberg ein Lied singen. So früh wie nie hätten sie das Altstadtfest für dieses Jahr vorbereitet, erzählen sie. Doch die Freude darüber wich mit dem Lockdown der Ernüchterung, dass alles umsonst war. "Wir stehen auf", war für Beate Hüls klar, dass sie sich nicht so schnell geschlagen geben wollte. "Man muss ein bisschen erfinderisch werden", ergänzt von Cornberg. Mit der Stadt wurde das Konzept abgestimmt, das auch am Wochenende zuvor in Rothenburg ob der Tauber schon problemlos funktioniert hatte. Aufwendiger sei das Ganze natürlich, räumt Hüls ein. Auf die Standgebühr geschlagen habe sie den Mehraufwand aber nicht. Dazu wisse sie zu genau darum, wie schwierig es für die Aussteller sei, derzeit finanziell zu überleben, "Es gibt auch welche, die es nicht geschafft haben."

Für die Besucher steht am Sonntagnachmittag die Freude im Vordergrund, hier bummeln gehen zu können. "Ich bin schon jemand, der ganz gerne mal rausgeht", ist Christine Schäfer froh über dieses Veranstaltungsangebot, zumal sie gerade diesen Markt sehr möge. Besorgt ist sie nicht wegen der Menschen um sie herum. "Wir haben alle gelernt, genügend Abstand zu halten, da ist auch jeder Einzelne gefragt." Ähnlich geht es der Familie Heßler, die schon nach Weihnachtsgeschenken Ausschau hält. "Wir finden es sehr positiv, dass so etwas angeboten wird", begrüßen sie den Mut der Veranstalter. Auch wenn sie selbst nicht so darunter gelitten hätten, dass vieles ausgefallen sei, sei es doch toll, dass die Künstler hier eine Chance bekämen, ihre Arbeit zu zeigen.

Carola Heßler ist am Stand von Melanie Knizia-Pawolka fündig geworden. Das Armband, das sie der Freundin ihres Sohnes schenken will, ist nach einer traditionellen Technik der Samen in Lappland gefertigt. Die Künstlerin ist eigens aus Würzburg nach Hofheim gekommen - und längst nicht die einzige, die für die Teilnahme an "Handmade Art" viele Kilometer zurückgelegt hat. Sie sei "extrem froh" gewesen, dass der Markt tatsächlich stattfinde und sie noch einen Platz bekommen habe. "Ich brauche einfach den Kundenkontakt", sagt Knizia-Pawolka. Auch die Atmosphäre in Hofheim finde sie zur eigenen Überraschung sehr schön. Die Hofheimerin Heidi Werkmann weiß natürlich, was die Kreisstadt da zu bieten hat und nutzte gestern umso lieber die Chance, bei Handmade Art mit ihrem fantasievoll-tierischen Sortiment und mit Ogel-Karten dabei zu sein, zumal sie fürchtet, dass es mit vielen Weihnachtsmärkten in diesem Jahr nichts wird. Beate Hüls und Christiane von Cornberg hoffen, dass ihre Veranstaltung Mut gemacht hat. "Wir wollten mit dem Markt auch die Chance nutzen zu zeigen, dass es geht", sagt Hüls. Von Handmade Art, wünschen sich die Organisatorinnen, könnte ein Signal ausgehen: "Hofheimer, traut euch!" Barbara Schmidt

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