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Achim Habel, Inhaber von Kröger?s Backbar in Kriftel, mit einem Korb nicht verkaufter Brötchen, die an die Tafel gespendet werden.

Lebensmittel

Was passiert mit Lebensmitteln, deren Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist?

Wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum von Lebensmitteln abgelaufen ist, dürfen diese nicht verkauft werden. Wie gehen Einzelhandel und Gastronomie mit den unverkäuflichen Waren um? Und welche Rolle spielen die Verbraucher?

„Wir geben, so weit wir das können, alles an die Tafel Hofheim-Hattersheim“, erklärt Markus Buch, vom Edeka Markt Hofheim und Hattersheim, auf die Frage. Käserinde und Schlachtnebenprodukte wie Knochen, Schwarte, sehniges Fleisch werden in einem gesondertem Behälter gesammelt. Diese werden von einer Spezialfirma abgeholt und hygienisch entsorgt. Verdorbenes Obst, Gemüse, Salat oder andere pflanzliche Abfälle kommen in die braune Tonne.

Noch vor zehn Jahren landeten unansehnlich gewordene oder abgelaufene Produkte im Müllcontainer. Diesem Verlust unterworfen sind nach Angaben von Markus Buch heute nur noch rund 0,5 Prozent der Lebensmittel. Denn nach betriebswirtschaftlichen Kriterien wird anders eingekauft. „Das ist im Verhältnis eine Größe, die beherrschbar ist“, so der Hofheimer. Die moderne Elektronik vereinfacht den Einkauf.

Täglich wird über das EDV-unterstützende System überprüft, was verkauft wurde und am nächsten Tag geliefert werden muss. Je nach Jahreszeit ist das unterschiedlich. Äußere Temperaturen oder Ferien beeinflussen das Einkaufverhalten der Verbraucher. Die Erfahrungswerte der Firma Buch zeigen unter anderem, dass im Sommer beispielsweise Buttermilch mehr gefragt ist. Damit nichts schief geht, überprüfen Mitarbeiter zusätzlich den Warenverkauf, damit bei Bedarf schnell reagiert werden kann.

Einen Vorteil, besser mit leicht verderblicher Ware umgehen und wirtschaftlich kalkulieren zu können, sieht Dirk Heislitz, Betriebsleiter der Rhein-Main-Therme und des Vital Hotels in Hofheim, im veränderten Lieferservice. „Wir haben den Vorteil, dass wir täglich beliefert werden. Wir lagern kaum etwas ein.“ Sechsmal wöchentlich, so Heislitz, wird nach Bedarf zugestellt. Gewandelt hat sich das seit drei, vier Jahren. Im Hotelbetrieb werden tagesaktuelle Gerichte angeboten und der Speiseplan kann kurzfristig geändert werden. Alles, was nicht mehr genießbar ist, wird ebenfalls von einer Spezialfirma entsorgt.

Fiel früher in landwirtschaftlichen Betrieben Verderbliches an, wurde es an die Tiere verfüttert. Das ist heute nicht mehr oder nur noch teilweise üblich. Alles was Gänse und Hühner nicht fressen „wird im Komposter vernichtet“, erklärt Jürgen Pauly. „Die Kunst der Kalkulation“, also wie viele seiner regionalen Produkte für den direkten Verkauf im Hofladen oder auf dem Markt benötigt und angeboten werden, so der Hofheimer Landwirt vom Johanneshof, überlässt er seiner Ehefrau.

Den veränderten Bedingungen hat sich Kröger’s Backbar ebenfalls angepasst. Waren einst noch die Semmelbrösel aus alten geriebenen Brötchen gefragt, ist das heute ein Ladenhüter. Der Aufwand lohne sich nicht mehr. Brote, Stückchen und Kuchen, die an sieben Tage in der Woche noch abends in der Theke liegen, werden einem guten Zweck zugeführt. Auch hier freut sich die Hofheimer-Hattersheimer Tafel, dass sie damit Bedürftigen behilflich sein kann.

Die Menge der Backwaren, die täglich übrig bleiben, sei unterschiedlich, so Inhaber Achim Habel. „Das kommt auf den Abverkauf an.“ Außer mit der Tafel arbeitet die Bäckerei Kröger mit der Lebensmittel-Plattform „Too Good To Go“ zusammen. Verbraucher können sich die App kostenlos herunterladen und sehen, welche Firmen in der Umgebung abends Lebensmittel übrig haben. Der Kunde kann ein Warenpaket im Wert von 6 bis 7 Euro abholen und zahlt dafür nur 3 Euro.

Gefordert sind nicht nur Lebensmittelhändler, Bäcker und Gastronomen, sondern auch die Verbraucher. Denn der Großteil der Lebensmittelabfälle entsteht in den privaten Haushalten. Laut einer Mitteilung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BZFE) landet jedes achte Lebensmittel in der Tonne, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, Reste nicht mehr verarbeitet oder falsch gelagert wurden.

Gegen den Wegwerfwahn, Lebensmittelverschwendung und für gesunde Ernährung sowie den Umweltschutz kämpfen beispielsweise die „Food Fighters“. Mit Aktionen und verschiedene Projekten versucht der Verein Verbraucher wie Unternehmen zu sensibilisieren. Bewegungen wie „Taste the Waste“ machen sich ebenfalls mit Tipps, Kochaktionen, Filmbeiträgen als Essensretter stark.

Weitere Informationen zum Thema bieten die Initiativen „Foodsharing“, „gemeinsam tafeln“ oder das „Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft“.

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