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Pater Anto fiebert mit der Eintracht

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Von: Barbara Schmidt

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Pfarrer sein, mit all den Verwaltungsaufgaben und der vielen Gremienarbeit, das war Anto Batinic zu viel geworden. Der 59-Jährige nahm sich eine Auszeit und ist jetzt wieder mit Freude dabei. Der Franziskaner wird vor allem Messen zelebrieren.
Pfarrer sein, mit all den Verwaltungsaufgaben und der vielen Gremienarbeit, das war Anto Batinic zu viel geworden. Der 59-Jährige nahm sich eine Auszeit und ist jetzt wieder mit Freude dabei. Der Franziskaner wird vor allem Messen zelebrieren. © babs

Franziskaner verstärkt das katholische Seelsorger-Team in Hofheim, Kriftel und Eppstein

Hofheim. Die Hofheimer Pfarrkirche St. Peter und Paul und das Exerzitienhaus, wo ja franziskanische Brüder wirken, kennt der Franziskaner Anto Batinic schon seit vielen Jahren. Insofern ist für ihn immerhin nicht alles Neuland im Pastoralen Raum Main-Taunus Mitte, in dem der Priester seit dem 1. April als sogenannter "Kooperator" das Seelsorger-Team verstärkt. Im Januar soll aus den Pfarreien in Hofheim/Kriftel und Eppstein die gemeinsame Pfarrei neuen Typs St. Elisabeth werden. Es wäre der Wunschtermin für Pater Gaspard Minja, den Pfarrverwalter in Eppstein, für einen Arbeitsplatzwechsel gewesen. Doch weil das Bistum im Hohen Westerwald ein Personalloch schließen musste, ging's plötzlich schnell. Und so klingelte nicht nur bei Gaspar Minja, sondern auch bei Pater Anto Batinic, der nach seinem Verzicht auf die Frankfurter Pfarrei St. Franziskus eine Auszeit eingelegt hatte, das Telefon, und der Personalchef in Limburg fragte an, wie es mit der Bereitschaft zur Übernahme einer neuen Aufgabe sei. In beiden Fällen war die Antwort positiv, so dass ein nahtloser Wechsel möglich wurde.

Pater Anto hat sich rasch daran gemacht, sein neues Aufgabengebiet kennenzulernen. Ein Büro hat er in Eppstein bezogen, arbeiten wird er aber, wie es längst in allen Großpfarreien des Bistums Usus ist, in allen drei Kommunen, die von 2023 an zur Pfarrei neuen Typs St. Elisabeth gehören werden. "Priesterliche Aufgaben", allen voran das Zelebrieren von Messen, nennt er als sein wichtigstes Arbeitsgebiet - das ist nicht überraschend, denn sie dürfen von Gemeinde- und Pastoralreferenten nun einmal nicht übernommen werden. Weil das Pastoralteam erst im Mai in Klausur überlegen wolle, wie sich die Aufgaben ansonsten in der künftigen Pfarrei verteilen sollen, ist Anto Batinic erst einmal nach dem bestehenden System eingesetzt.

Er war Journalist für die Kirchenzeitung

60 Jahre wird der zur kroatischen Franziskanerprovinz gehörende Ordensmann in diesem Sommer, "aber ich fühle mich nicht so", sagt er lächelnd. Seit 27 Jahren schon lebt er in Deutschland. "Ich bin Frankfurter, da fühle ich mich zu Hause", meint der im heutigen Bosnien-Herzegowina geborene und dort mit fünf Brüdern aufgewachsene Pater. Mit der Eintracht fiebert er, liebt Grüne Soße und mag auch gern mal ein Frankfurter Würstchen - "nur den Apfelwein, den trink ich noch immer nicht gern", bekennt er verschmitzt. Ein guter Wein aus seiner Heimat oder auch aus Deutschland sei ihm lieber, fügt er hinzu.

Deutsch hat der Franziskaner schon in Bosnien im Gymnasium gelernt. "Vier Jahre, das war's." Als sein Orden ihn nach Frankfurt schickte, um hier als Journalist die Kirchenzeitung für die in Deutschland lebenden kroatischen Katholiken mitzugestalten, hat er sich autodidaktisch immer besser hineingefunden. Heute lese er nahezu alles nur noch auf Deutsch, sagt Anto Batinic.

Noch vor dem Ende des Balkankriegs in den 1990er Jahren war er mit dem damaligen Limburger Bischof Franz Kamphaus in Limburgs Partnerbistum Sarajewo unterwegs. "Als Dolmetscher und auch als Fahrer", erinnert sich der Priester, der in Sarajewo und Zagreb studiert hat. Eine nachhaltige Erinnerung - wohl für alle Beteiligten. Als Batinic 2002 zurück in die Heimat wollte, hat Kamphaus ihn gebeten, als Pfarrer im Bistum zu bleiben. "Ich war nie Pfarrer, ich war nur Journalist", habe er zu bedenken gegeben - und um ein Praktikum gebeten. Das erhielt er in Wirges, und er sagt noch heute: "Das war ein hilfreiches, gutes Jahr."

Zur eigenen Überraschung rief ihn das Bistum dann 2004 zurück nach Frankfurt, "nach St. Christophorus Preungesheim, wo ich vorher schon gewohnt hatte". Nun kam er als Pfarrer - und blieb es für 17 Jahre, wobei das Arbeitsfeld immer größer wurde. Die Pfarrei St. Franziskus im Frankfurter Nordosten hatte bei ihrer Neugründung 2015 immerhin rund 21 000 Mitglieder. Im vergangenen Jahr "wurde es mir zu viel", sagt Pater Anto. Zu viele abendliche Sitzungen, zu viele Verwaltungsaufgaben.

"Ich wollte nicht mehr Pfarrer sein, sondern lieber nur noch Seelsorger-Aufgaben wahrnehmen." Dabei sieht er seine Aufgabe gemäß einem Wort Hermann Hesses darin, "die Menschen fröhlich zu machen". Genau das will er nun in der künftigen Pfarrei St. Elisabeth tun und dabei auch ein Stück franziskanische Spiritualität einbringen. Denn die, sagt Anto Batinic, sei mit ihrem Eintreten für die Armen und für den Erhalt der Schöpfung "sehr aktuell und wichtig".

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