Anatomieunterricht, wie hier in der Zeit vor der Corona-Pandemie fotografiert, gehört zu den theoretischen Inhalten, die die Gesundheitsakademie Azubis für Pflegeberufe künftig in Hofheim vermittelt.
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Anatomieunterricht, wie hier in der Zeit vor der Corona-Pandemie fotografiert, gehört zu den theoretischen Inhalten, die die Gesundheitsakademie Azubis für Pflegeberufe künftig in Hofheim vermittelt.

Kliniken

Pflegeschule zieht nach Hofheim

  • vonBarbara Schmidt
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Die "Gesundheitsakademie" der Main-Taunus-Kliniken verlässt Bad Soden. Die Einrichtung wird Mieter im Verwaltungsgebäude der Firma Polar Mohr in Hofheim.

Hofheim -Die Gesundheitsakademie der Kliniken des Main-Taunus-Kreises, die Menschen für den Pflegeberuf ausbildet, zieht tatsächlich nach Hofheim um. Allerdings nicht ins Haus Maria Elisabeth, wie ursprünglich ins Auge gefasst. Die Verhandlungen mit dem Träger des Altenheims im Roedersteinweg, dem Elisabeth-Vincenz-Verbund (EVV) in Berlin, hatten sich Ende vergangenen Jahres zerschlagen. Dem Vernehmen nach waren die finanziellen Forderungen des EVV so hoch, dass die Kliniken-Geschäftsführern Martin Menger und Stefan Schad abwinkten.

Fündig geworden sind sie dann aber doch in der Kreisstadt, wo die Kliniken mit dem Krankenhaus Hofheim neben Bad Soden ihr zweites Standbein haben. Der Tipp kam von Bürgermeister Christian Vogt, der die Pflegeschule sehr gern in Hofheim beheimatet sehen wollte. Er riet, mal beim Maschinenbau-Unternehmen Polar Mohr in der Hattersheimer Straße anzufragen. Dort war auch schon der Caritasverband Main-Taunus auf der Suche nach Räumen für seine Sozialstation fündig geworden. Denn der Maschinenbauer ist zwar immer noch Weltmarktführer in Sachen Schnellschneider für die Druckindustrie, hat aber längst nicht mehr so viele Beschäftigte wie früher einmal.

So konnte Geschäftsführer Michael Wombacher tatsächlich auch in Sachen Gesundheitsakademie weiterhelfen. "Wir werden noch ein bisschen sozialer", sieht Wombacher den neuen Mieter als gute Ergänzung zur Caritas-Sozialstation. Zwei Stockwerke im früheren Polar-Verwaltungsgebäude an der Ecke Hattersheimer Straße/Schmelzweg hat er den Kliniken des Main-Taunus-Kreises für die Gesundheitsakademie vermietet. Rund 800 Quadratmeter an Unterrichts- und Übungsräumen können hier von den aktuell 64 Auszubildenden und acht Mitarbeitern der Gesundheitsakademie genutzt werden, die für den theoretischen Teil der Pflegeausbildung zuständig ist. Der praktische Teil findet in den Krankenhäusern in Hofheim und Bad Soden, in stationären Pflegeeinrichtungen und ambulanten Pflegediensten statt.

Der neue Standort der Gesundheitsakademie biete die Chance, die Zahl der Ausbildungsplätze zu erhöhen, so Klinik-Geschäftsführer Stefan Schad. Ein wichtiges Ziel, wie er mit Blick auf die Pandemie unterstreicht. Sie habe gezeigt, dass Berufe in der Pflege sicher und wertgeschätzt seien. Die neue, generalistische Pflegeausbildung führt in drei Jahren zum Beruf der Pflegefachfrau oder des Pflegefachmanns. Eine Spezialisierung schon in der Ausbildung auf Alten-, Kranken-, oder Kinderpflege gibt es nicht mehr. Das heißt, dass die Gesundheitsakademie künftig auch Fachpersonal etwa für das ebenfalls zum Kliniken-Konzern gehörende Altenpflegeheim in Eppstein ausbilden kann. Eine Spezialisierung kann im weiteren Berufsleben erfolgen.

Bürgermeister Vogt begrüßt den Umzug der Pflegeschule in die Kreisstadt auch deshalb, weil so der Schulstandort Hofheim weiter gestärkt werde. Der Umzug der Gesundheitsakademie geht bereits in dieser Woche über die Bühne. Allerdings erfolgt derzeit pandemiebedingt der theoretische Unterricht der Pflegeschüler überwiegend digital. Die Räume bei Polar Mohr seien auch wegen ihrer Nähe zum Hofheimer Bahnhof und Busbahnhof bestens geeignet, so die Kliniken.

Anders als es im Haus Maria Elisabeth der Fall gewesen wäre, stehen hier allerdings keine Wohnmöglichkeiten für die Pflegeschüler zur Verfügung, die bislang im Gebäude der Gesundheitsakademie an der Kronberger Straße 32 in Bad Soden eines der 28 Apartments hatten. Noch vor Weihnachten haben die Kliniken daher in der Kurhausstraße ein zwischenzeitlich ungenutztes Nebengebäude, in dem vor dem Umzug ins Krankenhaus das Schlaflabor untergebracht war, als Ersatz-Wohnraum hergerichtet. Eine Übergangslösung, denn für das von den Kliniken gemietete Gelände der früheren Kurklinik soll in den kommenden Jahren von der Gesellschaft für Gesundheits- und soziale Infrastruktur (GSIM) in Zusammenarbeit mit den Kliniken und der Stadt Hofheim eine neue Nutzung überlegt werden.

Die GSIM, 100-prozentige Tochtergesellschaft des Main-Taunus-Kreises, zeichnet auch für die Kernsanierung des bisherigen Domizils der Gesundheitsakademie in Bad Soden verantwortlich, für die 3,5 Millionen Euro veranschlagt sind. Das viergeschossige Gebäude, das nur wenige Schritte vom dortigen Krankenhaus entfernt ist, soll künftig Wohnraum für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kliniken des MTK bieten. Gerade für Menschen in Berufen mit kleinen und mittleren Einkommen sind die hohen Mieten im Kreis häufig ein Grund, lieber andernorts auf Stellensuche zu gehen. Entstehen sollen hier 43 Apartments. Eine Rückkehr der Gesundheitsakademie ins Gebäude ist nicht geplant. barbara Schmidt

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