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„Größte Tierklinik Deutschlands“ in Hofheim verkauft: So geht es jetzt weiter

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Von: Barbara Schmidt

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Hochbetrieb in der Tierklinik Hofheim: 24 Stunden, sieben Tage die Woche.
Hochbetrieb in der Tierklinik Hofheim: 24 Stunden, sieben Tage die Woche. © Knapp

Das Kartellamt hat entschieden: Internationale Kette Evidensia darf die renommierte Hofheimer Veterinäreinrichtung übernehmen. Eine Erweiterung ist geplant.

Hofheim - Jetzt gab es grünes Licht: Das Bundeskartellamt in Bonn hat den Weg für den Verkauf der Tierklinik Hofheim an die Tierärzte IVC Evidensia freigemacht. Es war der letzte Tag der Monatsfrist, in der im Vorprüfungsverfahren eine solche Entscheidung fallen muss, und das Kartellamt betont, dass es sich diese nicht leicht gemacht hat. Immerhin handele es sich um die "mutmaßlich größte Tierklinik Deutschlands", und auch Evidensia baue "seine starke Position in der Region" weiter aus. Über 50 Wettbewerber seien daher befragt und Gespräche mit Kammern und Verbänden geführt worden. Das Fazit: Das Bundeskartellamt hat "keine wesentliche Beschränkung des Wettbewerbs feststellen können" - und entsprechend gestern die Freigabe erteilt.

In Hofheim (Main-Taunus-Kreis) löste die mit Spannung erwartete Entscheidung gestern Erleichterung aus. "Wir freuen uns, dass es so ist", so Tierklinik-Sprecherin Dr. Katharina Kessler in einer ersten Stellungnahme auf Anfrage dieser Zeitung. Auf die Frage, was sich mit dem Verkauf in der Tierklinik ändern wird, versicherte Kessler: "Nichts. - Das war auch der Hauptgrund für uns, uns dieser Gruppe anzuschließen", machte sie deutlich, dass das Team der acht Inhaber sehr lange und sehr genau geprüft habe, welchem Partner sich die Tierklinik anschließen sollte.

Tierklinik Hofheim verkauft: „Wir arbeiten genauso weiter wie bisher“

Zweieinhalb Jahre habe man sich dafür Zeit gelassen und am Ende eine einstimmige Entscheidung für die Evidensia getroffen, weil diese genau das ermögliche, was allen wichtig sei: "Wir arbeiten genauso weiter wie bisher und können ohne Vorschriften eigenverantwortlich über unser medizinisches Vorgehen entscheiden", sagt Kessler, die betont: "Wir bleiben, was wir immer sein wollten" und was auch künftig trotz des Inhaberwechsels am Gebäude stehen werde: "Tierklinik Hofheim." Deren bisherige Eigentümer werden von August an im Angestelltenverhältnis in der Klinik arbeiten, als Geschäftsführer - und tragen zudem nicht länger das unternehmerische Risiko für den seit der Gründung 1997 stetig gewachsenen Betrieb. Allein der 2015 begonnene Neubau der Tierklinik an der Katharina-Kemmler-Straße und deren Ausstattung mit modernsten medizinischen Geräten bedeutete eine Millioneninvestition. Laut Bundeskartellamt übersteigt der Jahresumsatz die 17,5 Millionen Euro, die als "Aufgreifschwelle" gelten, ein Verkauf also dem Kartellamt angezeigt werden muss.

Zu welchem Preis die Klinik nun an die international tätige Münchner Evidensia verkauft wird, dazu schweigt Katharina Kessler. Sie erläutert aber, dass es zum einen "natürlich die Schwierigkeit gewesen ist, Nachfolger zu finden", die zur Verkaufsüberlegung geführt hat. Zum anderen wolle die Klinikleitung, dass weiter die fachliche und menschliche Eignung für Leitungspositionen den Ausschlag gebe, nicht die finanziellen Möglichkeiten.

Tierklinik Hofheim: Fachkräftemangel als Herausforderung

Vom neuen Eigentümer erhoffe man sich neben der Nutzung von Synergien vor allem Unterstützung "auf der Suche nach den so sehr benötigten Fachkräften", so Kessler. Personalmangel lasse immer mehr Einrichtungen ihren Klinikstatus abgeben. Den Betrieb 24 Stunden, sieben Tage die Woche aufrechtzuerhalten, "das geht an unsere Substanz", räumt Kessler auch für Hofheim ein. Fakt ist: Immer höher wird der Anteil der Frauen unter den Tierärzten.

Mit Rücksicht auf die Familie arbeiteten viele nicht Vollzeit - ein Problem auch in der Humanmedizin. Bei den Veterinären sorgten restriktive Vorschriften dafür, dass vom Bekanntwerden der Schwangerschaft bis zum letzten Tag der Stillzeit ein Arbeitsverbot herrsche, was zu langen Ausfallzeiten führe, so Kessler, die im übrigen bekräftigt: "Weiterhin 365 Tage im Jahr immer da zu sein für alle, die dringend Hilfe brauchen, das bleibt unser Ziel".

Tierklinik Hofheim soll weiter wachsen

Die Klinik soll sogar weiter wachsen, was schlicht der Nachfrage geschuldet sei. "Wir müssen oder wollen noch einmal anbauen", verrät Kessler. Auch das sei mit einem starken Partner etwas anderes, als wenn Tierärzte dafür hohe Kredite allein zu schultern hätten. Dass bei Kliniken für den Menschen niemand erwarte, "dass der Chefarzt auch der Eigentümer ist", sagt Kessler noch, um zu unterstreichen, dass in den Augen der bisherigen Tierklinik-Inhaber die Zugehörigkeit zu einer Gruppe "der Weg der Tiermedizin in die Zukunft ist".

Die 300 Mitarbeiter der Klinik, darunter 90 Tierärzte, wurden gestern umgehend über die Verkaufs-Freigabe durch das Bundeskartellamt informiert. "Es ist gut für alle, jetzt eine Entscheidung zu haben", sagt die Sprecherin, die sicher ist, die gesamte Belegschaft der Tierklinik "geht den Weg gut mit". (Barbara Schmidt)

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