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Ulrich Häfner im Kreishaus

Premiere in der Galerie im Landratsamt: reine Fotografiekunst

Poetisches Lichtspiel in Hofheim

Der Fotograf Ulrich Häfner zeigt in der Main-Taunus-Galerie im Kreishaus abstrakte wie mystische Werke, die zur Eigeninterpretation einladen.

„Farbe braucht Licht, und Fläche will bespielt werden, daher ist die Räumlichkeit hier im Landratsamt perfekt“, freut sich Ulrich Häfner. Vor fast einem Jahr hat der Eppsteiner Fotograf mit einer E-Mail an Landrat Michael Cyriax das Projekt Ausstellung in die Wege geleitet. „Und da wir Künstler aus dem Main-Taunus-Kreis fördern wollen, hat das gut gepasst“, so Wolfgang Kollmeier, Erster Kreisbeigeordneter und als Kulturdezernent zuständig auch für das Grußwort während der Vernissage. „Er schreibt gewissermaßen Geschichte hier, denn dass wir reine Fotografiekunst ausstellen, ist heute eine Premiere.“

50 Werke, alle unter dem Titel „Lichtspiel“, sind bis Anfang März im Erdgeschoss des Landratsamts zu sehen. „Bei diesem tristen Wetter erhellen die leuchtenden Farben das Gemüt“, hebt Kollmeier hervor. Er selber mag farblich abgestimmte Ensembles – und Bilder mit Tiefenwirkung, die die Phantasie herausfordern und dazu inspirieren, tiefer rein zu blicken. Da findet er hier nun eine breite Auswahl.

Ulrich Häfner, der an der Main-Taunus-Schule das Abitur ablegte und dann „etwas Anständiges“ lernte, nämlich Werbekaufmann, Kommunikationswirt und Fotograf, machte sich 2010 mit einem eigenen Fotostudio selbständig. Sein Schwerpunkt liegt auf der Werbe- und Veranstaltungsfotografie sowie auf Porträts, Produkt- und Architekturaufnahmen. „Mich inspiriert die Vielfältigkeit des Mediums Fotografie. Von Beginn an war ich aber auch daran interessiert, eigene Fotoaufnahmen auszustellen“, erinnert er sich. Dies gelang ihm zum Beispiel im vergangenen Jahr im Hessischen Landtag in Wiesbaden.

„Wichtig ist mir, dass vermeintlich Unscheinbares spannend und interessant interpretiert werden kann.“ So liegt der Schwerpunkt bei den ausgestellten „Lichtspiel“-Fotos auch nicht darauf, die abgebildeten Objekte klar darzustellen, sondern sie zu abstrahieren, um bei den Betrachtern vor allem eben Emotionen zu wecken.

„Wenn man sich darauf einlassen möchte und die Zeit nimmt, dann entdeckt man Details oder formt sich in seiner Phantasie eine Idee, was es ist oder für einen selbst sein könnte“, ermutigt der Fotograf zu Eigeninterpretationen. Es sei nicht wesentlich, ob die „poetischen Farb- und Lichtspektakel“ ursprünglich eine nächtliche Stadtlandschaft oder eine Leuchtreklame zeigen, so Häfner. „Man kann gerne über das Motiv rätseln und sich fragen ,Was empfinde ich dabei?‘“.

Er selber hat kein ausgesprochenes Lieblingsbild. „Grundsätzlich mag ich das Kunterbunte, Komplementärfarben, Blau und Rot, starke Gegensätze – je nachdem, in welcher Laune ich bin.“ Dabei sind generell die natürlichen Farben dargestellt, die er am Computer allenfalls ein wenig intensiviert hat.

Und es sind immer reine Fotografieren, keine Fotomontagen. „Einige sind sehr laut, da passiert recht viel, andere hingegen sind eher leise. Manche wirken technisch, manche organisch“, versucht er zu beschreiben. Auch die Farbwelten und Strukturen unterscheiden sich, durchweg handelt es sich jedoch um Nachtaufnahmen bei Kunstlicht. „Schwerpunktmäßig wirkt die Leuchtkraft, dadurch entsteht Dynamik und Tiefe.“

Einzelne Bilder zeigen, dass man nicht immer die großen, spektakulären Dinge fotografieren muss, sondern auch mit kleinen Details überraschen kann. Rote und gelbe Gießkannen fliegen durch die Nacht – manch ein Betrachter hat darin schon ein Windrad gesehen.

Ein Wabenmuster im Hintergrund erinnert an die Kulisse von „Dalli-Dalli“, und das, was für Häfner eine beruhigend-sanfte Traumwelt in warmen Farben darstellt, ist für andere eine mystisch-geheimnisvolle, eher kalte Szenerie. Ruhige Motive, in denen etwas zu schweben scheint, wechseln sich ab mit dynamisch wirkenden Bildern, die ihren Schwung durch eine Bewegung während der Aufnahme erhalten.

„Das Thema Lichtspiel ist so vielseitig, dass es immer noch Potenzial birgt“, sagt Häfner über seine Pläne. „Solange ich Spaß daran habe, arbeite ich daher weiter an entsprechenden Motiven. Und inzwischen gibt es ja auch einen gewissen Wiedererkennungswert.“ Die ausgestellten Werke – auf einer Alu-Dibond-Platte – sind ab 220 Euro zu haben, aber der Künstler reproduziert sie auf Wunsch auch in jeder beliebigen Größe.

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