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Polar Mohr: Zeichen stehen auf Rettung

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Von: Barbara Schmidt

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Blick in die Endfertigungshalle an der Hattersheimer Straße.
Blick in die Endfertigungshalle an der Hattersheimer Straße. © Knapp

Verhandlungen mit Investoren laufen auf Hochtouren, und die Auftragsbücher sind voll

Hofheim. Gute Nachrichten werden gern verbreitet und vier Wochen vor Weihnachten wird diese insbesondere die betroffenen 380 Mitarbeiter freuen: „Nach den bisherigen intensiven Gesprächen mit Investoren ist die Geschäftsführung zuversichtlich, den Betrieb zu erhalten“, hieß es gestern in einer Pressemitteilung aus dem Hause Polar Mohr.

Umgekehrt lässt sich aus dem Satz herauslesen, wie schlecht es zeitweise um den Maschinenbauer und Verpackungsspezialisten an der Hattersheimer Straße stand. Der trat im Sommer die Flucht nach vorn an, unter den „Schutzschirm“ - und will unter diesem nun noch bis zum Jahresende bleiben. Der vorläufige Gläubigerausschuss der Polar Group, in dem Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter vertreten sind, habe „am 25. November einstimmig die Verlängerung des vorläufigen Schutzschirmverfahrens bis zum 31. Dezember beschlossen“, lässt der mit der Öffentlichkeitsarbeit beauftragte Dr. Jochen Mignat wissen.

Bundesagentur zahlt Dezember-Gehälter

Damit wird die Bundesagentur für Arbeit, die schon für Oktober und November die Gehälter gezahlt hatte, dies auch noch für den Dezember tun. Die Polar Mohr Group kann aber aus eigener Kraft die Mitarbeiter für August und September bezahlen. Das liegt daran, dass sich die Lage des Unternehmens insgesamt unter dem Schutzschirm wieder gebessert hat. Geschäftsführer Michael Wombacher konkretisiert, Polar habe „zahlreiche neue Aufträge für Schneidemaschinen und Peripheriegeräte in der Druckindustrie gewinnen“ können. Das führt er auf die Qualität der Produkte des Weltmarktführers zurück. Wombacher: „Die Auftragsbücher von Polar sind voll, und für das erste Halbjahr 2023 sind wir gut ausgelastet.“

Probleme hatten fehlende Teile gemacht, die aufgrund der weltweit brüchig gewordenen Lieferketten entstanden waren. Auch hier deute sich eine leichte Entspannung an, meint Wombacher. „Mehrere fast fertige Maschinen, bei denen beispielsweise Elektronikkomponenten fehlten und die deshalb monatelang gelagert werden mussten, konnten wir mittlerweile an Kunden ausliefern.“ So habe sich die Liquidität stabilisiert „und wir blicken zuversichtlich ins nächste Jahr“, so der Geschäftsführer.

In dieses wurde aufgrund der Entspannungs-Zeichen nun die Eröffnung des „eigentlichen Verfahrens“ verschoben. Es soll im Januar beginnen. „Unser Ziel ist eine nachhaltige Unternehmenssanierung und der Erhalt der Betriebe“, erläutert Rechtsanwalt Dr. Robert Schiebe, der als Generalbevollmächtigter der Polar Group den Investorenprozess führt. Hier ist man in intensiven Gesprächen. Zu den Interessenten gehören nach Angaben von Pressesprecher Mignat sowohl Unternehmen aus der Branche wie branchenfremde Investoren. Mehrere Interessenten hätten sich bereits ein Bild vom Betrieb gemacht, detaillierte Informationen eingesehen und Angebote abgegeben. Unterschiedliche Erwerbskonzepte seien vorgelegt worden, darunter „Konzepte für das 50 000 Quadratmeter große Grundstück in der Innenstadt von Hofheim“, heißt es. Mehr ins Detail gehen möchte das Unternehmen nicht, da man sich zur Vertraulichkeit verpflichtet habe, unterstreicht Mignat. Das Grundstück in Bahnhofsnähe darf im Rhein-Main-Gebiet nach heutigen Vorstellungen als hochinteressant für den Wohnungsbau gelten, Maschinenbau lässt sich auch in Gewerbegebiete transferieren. Laut Mignat wird übrigens die Stadt Hofheim über die Situation auf dem Laufenden gehalten.

Ziel: Den Betrieb in Hofheim halten

Mit den Investoren soll „final“ noch bis Anfang 2023 verhandelt werden. Auf Nachfrage erklärte Sprecher Dr. Jochen Mignat, die Inhaber-Familie Mohr, deren Vorfahr Adolf Mohr das Unternehmen im Jahr 1906 begründet hatte, sei in das Verfahren involviert, es gebe einen regelmäßigen Gesprächs- und Informationsaustausch. Ziel von Familie und Geschäftsführung sei, möglichst die Betriebe und Arbeitsplätze in Hofheim zu erhalten. Auch wenn aktuell die Auftragsbücher wieder gut gefüllt seien, sei eine Entschuldung des Unternehmens dauerhaft nicht zu erwirtschaften. Ziel des Schutzschirmverfahrens sei „eine nachhaltige Sanierung“, betonte Mignat. Daher brauche es Investoren, die sich in irgendeiner Form an dem Unternehmen beteiligten. Wie dies am Ende aussieht, ist aber offen.

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