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Pfarrer Hans Wiedenbauer schmeckt immer noch die Pfeife. Foto:mkn

„Der Priester ist für die Menschen da“

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Morgen feiert der 85-Jährige, der sich seinen Humor bis ins hohe Alter bewahrt hat, diamantenes Priesterjubiläum.

Die Beine wollen nicht mehr so, aber im Kopf ist Hans Wiedenbauer auch mit 85 Jahren noch fit. Seinen Humor und sein Erzähltalent hat sich der „Pfarrer i.R.“ ebenfalls bis in sein mittlerweile hohes Alter bewahren können. Am kommenden Sonntag wird er im Haus Maria Elisabeth, wo er seit elf Jahren lebt, ein besonderes Jubiläum feiern. Seit 60 Jahren ist der gebürtige Frankfurter Priester.

Warum es ein 13. März war, an dem er mit neun weiteren jungen Männern 1955 durch Bischof Wilhelm Kempf in Limburg die Weihe empfing, ein schlichter dritter Fastensonntag und kein besonderes Kirchenfest, dafür hat Wiedenbauer im Rückblick eine Erklärung, die ihn heute selbst lachen lässt. „Die glaubten damals, sie hätten Priestermangel. . .“

Für den Frankfurter kam erst einmal eine harte Schule, musste er doch als Kaplan in den Westerwald, nach Siershahn. „Die Leute dort haben platt geredet, ich hab’ kein Wort verstanden“, erinnert sich Wiedenbauer noch gut. Die nächste Station war ein echter Kontrast, „das hochvornehme Königstein“, sagt der Jubilar. Die dritte schließlich war es, an der sich der junge Kaplan von vornherein rundum am richtigen Platz fühlte. Gleich an seinem ersten Tag in Flörsheim habe es am Pfarrhaus geklingelt, erzählt Wiedenbauer. „Vor der Tür stand Schorsch Badeck und sagte nur: Die ganz’ Blas’ sitzt daheim bei uns in de Küch’, du kommst doch auch?“ Die Freunde aus der Christlichen Arbeiterjugend hießen ihn nur zu gern in der Main-Stadt willkommen, wo er als Seelsorger auch sonst bestens ankam.

Der Sohn eines Frankfurter Trambahn-Beamten hatte schon in Königstein gelernt, dass Menschen ihre Herzen öffnen, wenn sie sich von ihrem Gegenüber verstanden fühlen. „Dass der Priester für die Menschen da ist, nicht der Mensch für den Priester, darauf kommt’s immer an“, sagt Wiedenbauer, der als frisch ernannter Kolpingpräses gleich damit beeindruckte, dass er das Kolpinglied auswendig mitsingen konnte.

In Flörsheim erlebte er Jahre des Aufbruchs und der Veränderung, denn der Bau einer zusätzlichen Kirche war geplant. Als er von Bischof Kempf nach dem Pfarrer-Examen erfuhr, dass er mit dem Aufbau der neuen Pfarrei St. Josef betraut werden sollte, ließ ihn innerlich einen Luftsprung machen. „Wär das was für Sie“, habe Kempf gefragt und er habe geantwortet: „Herr Bischof, wenn sie mich hinschicken, gehe ich notfalls zu Fuß“, erzählt Wiedenbauer und hat dabei noch heute ein breites Lachen im Gesicht.

Im Juni 1963 wurde er zunächst Pfarrvikar an St. Josef, mit der Erhebung zur Pfarrei im Juli 1969 dann Pfarrer. „Wir haben buchstäblich mit nichts angefangen“, sagt Wiedenbauer, aber das Gemeindeleben sei „mit völlig neuem Schwung“ von Anfang an gleich prächtig losgegangen. Das Amt des Bezirksdekan hatte Wiedenbauer von 1970 bis 1976 zusätzlich inne und war zudem von Juni 1971 an Präses der KAB Main-Taunus.

Weil es für die Pfarrstelle von St. Josef in Höchst 1976 keinen Bewerber gegeben hatte, bat ihn der Bischof dann, diese zu übernehmen. Er habe zwar darauf hingewiesen, dass er dort aufgewachsen sei, nachdem er mit seinen Eltern in Bockenheim nach den Bombenangriffen auf Frankfurt nicht mehr habe bleiben können, doch Kempf habe das nicht irritiert, erzählt Wiedenbauer. Klar, dass er in Höchst viele langjährige Freunde und Bekannte wiedertraf und ihm die vier Jahre dort ebenfalls in bester Erinnerung sind. Betriebsseelsorger für Mitarbeiter der Hoechst AG, Dekan des Dekanats Frankfurt-Höchst und nebenamtlicher Mitarbeiter des Amtes für Katholische Religionspädagogik war Wiedenbauer in dieser Zeit auch.

Dass er als Junge im Grunde drei Berufswünsche hatte, nämlich neben Pfarrer noch Lehrer und Richter, erzählt Wiedenbauer immer wieder gern – um dann als Pointe darauf hinzuweisen, dass es ihm der liebe Gott tatsächlich vergönnt hat, dass alle drei in Erfüllung gingen. Denn der Bischof übertrug ihm 1980 die Leitung des Amts für Religionspädagogik in Frankfurt und zusätzlich wurde er 1984 Richter beim Bischöflichen Offizialat, dessen stellvertretende Leitung er später erhielt.

Im Haus Maria Elisabeth lebt der frühere Ordinariatsrat und „Vize-Offizial“, der mit Augenzwinkern sagt: „Wir müssen in der Kirche immer so bedeutsame Ausdrücke haben, sonst ist es nichts“, seit 2004. „Ich fühl’ mich hier pudelwohl“, erklärt der Pfeifenraucher. Deshalb hat er sich auch entschieden, das diamantene Priesterjubiläum am Sonntag, 15. März, hier zu feiern. Dem Dankgottesdienst um 10 Uhr schließt sich ein Sektempfang mit der Gelegenheit zur Gratulation an.

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