Die Probleme der Feuerwehr bei Großbränden

  • VonManfred Becht
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Auch mit spektakulären Bränden hatte es die Hofheimer Feuerwehr im Laufe ihrer 150jährigen Geschichte immer wieder zu tun. Und jede Katastrophe bringt andere Herausforderungen.

Für die Feuerwehrleute sind die vermeintlich kleineren Einsätze oft gefährlicher als die spektakulären Brände. So kann es kritisch werden, wenn in einem verrauchten Keller die Isolierungen der Leitungen weggeschmolzen sind, man aber nicht herausfinden kann, wo der Strom abgestellt wird, so Hofheims langjähriger Stadtbrandinspektor Wolfgang Reinhardt. Ein Stromschlag mit 220 Volt kann für den einsteigenden Feuerwehrmann tödlich sein.

Der Öffentlichkeit weit besser in Erinnerung sind freilich die Großbrände. Am 15. Januar des Jahres 1979 beispielsweise brannte am Rande der Altstadt die Obermühle. 15 Grad minus war es damals kalt, und das war die eigentliche Herausforderung für die Feuerwehr. Wurde das Wasser in einem der Schläuche kurz abgestellt, drohte es zu einzufrieren. Dazu kam, dass es auf dem Gelände immer glatter wurde. Zwölf Jahre später wurde die einstige Getreidemühle übrigens abgerissen.

Persönlich nicht selbst dabei gewesen ist Reinhardt bei einem Großbrand auf Hof Hausen gegen Ende der 60er Jahre. Aber auch diese Katastrophe ist ein Beispiel dafür, dass die Feuerwehr immer mit unvorhersehbaren Schwierigkeiten rechnen muss. In diesem Fall waren es die vielen Tiere, die aus den Gebäuden gerettet werden mussten. Und es waren einige Ochsen dabei, die sich weigerten, sich ins Freie führen zu lassen.

Besonders knüppeldick kam es für die Hofheimer Feuerwehr 1984 mit zwei Großbränden im Abstand von nur fünf Wochen. Zunächst war es im März das Möbelhaus Ikea in Wallau – 550 Feuerwehrleute aus der ganzen Region waren im Einsatz, auf umgerechnet 35 Millionen Euro wurde der Schaden geschätzt. Später wurde ein Mitarbeiter wegen Brandstiftung verurteilt. Bei den Löscharbeiten war wieder das Wasser das Problem – das Wallauer Leitungsnetz gab einfach nicht genug her. Bis in die Wiesbadener Vororte waren Schlauchleitungen verlegt worden, teilweise zehn Stück parallel erinnert sich Wolfgang Reinhardt.

Am Karfreitag brannte dann die Holzhandlung Ramp + Mauer in der Reifenberger Straße. Obwohl die Feuerwehr sehr flott am Ort des Geschehens war, wurde schnell klar, dass nicht viel zu retten war. Wegen des weithin sichtbaren Feuerscheins fanden sich viele Schaulustige ein. „Das nächtliche Inferno bot stundenlang ein schauriges Bild“, schrieb damals die Lokalzeitung. „Einstürzende Balken, herumhastende Feuerwehrleute, verglühte Kleintransporter und ein ausgebrannter Lastwagen-Anhänger“ prägten die Szenerie. Diesmal hatte übrigens die Frankfurter Berufsfeuerwehr mit einem 24000 Liter fassenden Tanklöschfahrzeug geholfen, erneute Wasserprobleme zu vermeiden.

Keine Dauerlösung

Schon zu diesem Zeitpunkt mehrten sich die Anzeichen, dass der Feuerwehrstützpunkt in der Elisabethenstraße den Anforderungen immer weniger gewachsen war. Reinhardt nennt ein Beispiel: Heute ist es Vorschrift, dass sich die Laufwege eintreffender Feuerwehrleute nicht mit denen von Kameraden kreuzten, die bereits in die Autos stiegen. Damals seien Aktive in der Wagenhalle immer wieder einmal zusammengeprallt erinnert er sich. Und immer wieder machten die Aufsichtsbehörden klar, dass dies keine Dauerlösung sein darf.

Neubau erst 2003

Trotzdem akzeptierten die Feuerwehr und die Behörden, dass es mit einem Neubau nur schleppend voran ging. Die Stadt verfügte über ein eigentlich für die Feuerwehr gedachtes Gelände am Nordring, für das es aber ein lukratives Kaufangebot gab. Die Stadt ergriff die Gelegenheit, ihre Kassenlage zu verbessern, die Feuerwehr musste warten.

Und so dauerte es bis zum Jahr 1999, bis die grundsätzlichen Beschlüsse zum Neubau der Feuerwehr an der Katharina-Kemmler-Straße fielen, in dem dann auch die Stützpunktfeuerwehr des Kreises untergebracht werden sollte. Die Arbeiten begannen im April 2002, im November 2003 wurde der Neubau im Wert von15 Millionen Euro eingeweiht.

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