Mit gesenktem Kopf und mit Maske saß Lothar R. gestern auf der Anklagebank des Frankfurter Landgerichts. Zu dem Vorwurf, seine ehemalige Freundin erschossen zu haben, äußerte er sich nicht. Foto: Sauda
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Mit gesenktem Kopf und mit Maske saß Lothar R. gestern auf der Anklagebank des Frankfurter Landgerichts. Zu dem Vorwurf, seine ehemalige Freundin erschossen zu haben, äußerte er sich nicht. Foto: Sauda

Kriminalität

Prozessauftakt zum Mord am Hofheimer Reiterhof

56-Jähriger soll junge Tierarzthelferin aus Eifersucht erschossen haben. Der Angeklagte schweigt am ersten Prozesstag.

Frankfurt/Langenhain -Zehn Monate nach der "Hinrichtung" einer 22 Jahre alten Frau in der Nähe eines Reiterhofs in Langenhain hat gestern vor dem Frankfurter Landgericht der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder begonnen. Es ist der 56 Jahre alte Lothar R., der mit über die Nase gezogenem Mundschutz auf der Anklagebank im alten Schwurgerichtssaal sitzt. Dadurch ist seine leise Stimme noch weniger gut zu verstehen. "Haben Sie einen festen Wohnsitz?", wird er vom Vorsitzenden Richter Volker Kaiser-Klan gefragt: "Jetzt nicht mehr", schnarrt es hinter der Maske hervor.

Seit 21. August vergangenen Jahres sitzt der Wiesbadener in Frankfurter Untersuchungshaft. Einen Tag zuvor hatte sich die Bluttat am Reiterhof ereignet. Aus einem Hinterhalt heraus wurde die 22-Jährige aus nächster Nähe mit einem Kopfschuss getötet. "Die Kugel drang über dem rechten Ohr in den Kopf des Opfers ein und durchschlug ihn. Die Frau starb noch am Tatort", heißt es in der Anklageschrift, die von Staatsanwalt Daniel Wegerich verlesen wurde.

Endgültige Trennung einen Monat zuvor

Etwa einen Monat zuvor hatte die junge Frau die endgültige Trennung von dem 34 Jahre älteren Mann verkündet. Zuvor schon war es offenbar zu mehreren Trennungen gekommen, die jedoch immer wieder mit der Rückkehr der Frau endeten. Nun also sollte es wirklich endgültig sein.

Dies brachte das Fass bei dem chronisch eifersüchtigen Mann zum Überlaufen. Schon mehrere Wochen stellte er der jungen Frau nach, wähnte sie gar schon in den Armen eines neuen Liebhabers. "Er war der Auffassung, sie habe dadurch ihr Recht auf ein Weiterleben verwirkt", so Staatsanwalt Wegerich in der Anklage, "besessen von dem Gedanken, dass sie kein anderer als er selbst haben sollte". Weil das Tatmotiv folglich Eifersucht war, geht die Staatsanwaltschaft neben dem Mordmerkmal der Heimtücke auch von dem der "niedrigen Beweggründe" aus. Rechtlich hat dies zur Folge, dass in einem möglichen Urteil auch die besondere Schwere der Schuld festgestellt werden könnte, die eine Haftentlassung nach bereits 15 Jahren ausschließen würde. Angeklagt wurde ferner ein Verstoß gegen waffenrechtliche Bestimmungen: Die halbautomatische Waffe war mit einem Schalldämpfer und mit Zielfernrohr ausgestattet, für die der Angeklagte keinerlei Legitimation besaß.

Kurzer erster Verhandlungstag

Wie bei derlei Prozessen nicht unüblich, gestaltete sich der erste Verhandlungstag recht kurz. Die Personalien des Angeklagten wurden knapp erörtert und danach kam es zur Verlesung der Anklageschrift. Zwischenzeitlich waren auch die drei Nebenkläger, direkte Familienangehörige des Opfers, im Gerichtssaal eingetroffen. Der Angeklagte freilich ließ über seinen Verteidiger die kurze Erklärung abgeben, sich vorerst weder zu seiner Person noch zur Sache äußern zu wollen. Dies ist sein gutes Recht, auch wenn ihn Richter Kaiser-Klan zuvor darauf hingewiesen hatte, dass er auch über die bloße Anwesenheit hinaus an diesem Strafverfahren mitwirken könne. So wurde der Prozess nach einer knappe halben Stunde vertagt. Bereits am heutigen Mittwoch geht es weiter. Die Schwurgerichtskammer will direkt in die Beweisaufnahme einsteigen und die ersten Polizeibeamten im Zeugenstand hören. Darunter befindet sich auch die Führerin einer Hundestaffel, die den Richtern nicht unbekannt sein wird. Sie hatte bereits im zurückliegenden Prozess um den Mord an einer Frau im Frankfurter Niddapark als Zeugin mitgewirkt. Am Nachmittag soll ein früherer Arbeitskollege des Angeklagten in den Zeugenstand.

Zunächst sind zehn Verhandlungstage terminiert - nach dieser Planung könnte noch im Juli ein Urteil verkündet werden. Doch bereits die Anwesenheit eines Ergänzungsschöffen begründet die Annahme, dass es möglicherweise doch etwas länger dauern könnte, bis die Akten geschlossen werden. Matthias gerhart

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