Fruchtfolge: Wo jetzt Raps gedeiht, findet der Weizen im nächsten Jahr ausgezeichneten Boden vor.
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Fruchtfolge: Wo jetzt Raps gedeiht, findet der Weizen im nächsten Jahr ausgezeichneten Boden vor.

Rapskultur

Raps wird nicht getankt

  • vonHanspeter Otto
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Im Main-Taunus-Kreis wird nur wenig Raps angebaut, und der wird zu Speiseöl und Tierfutter verarbeitet und dank der Bienen zu leckerem Raps-Honig.

Wer ihn nicht riecht, muss schlimmen Schnupfen haben und zu übersehen ist schon gar nicht: Zurzeit steht der Raps in voller Blüte. Wer jetzt übers Land und die vielen knallgelben Felder darauf schaut, gewinnt schnell den Eindruck, dass Raps eine der wichtigsten Nutzpflanzen in der Region ist. Das jedes Jahr an anderen Orten Rapsfelder stehen hat aber einen ganz anderen Grund. Felder, auf denen Raps gewachsen ist, können in den nächsten Jahren nicht wieder mit Raps bebaut werden. Dass Raps im Frühjahr so dominant in der Landschaft wirkt, liegt wohl an seiner leuchtend gelben Farbe. Dabei nimmt er gar nicht so viel Fläche ein.

Die wichtigsten Anbaugebiete für Raps in Deutschland sind Mecklenburg-Vorpommern mit fast einen Viertel der Anbaufläche und Sachsen-Anhalt mit 18 Prozent, Hessen liegt am hinteren Ende mit 6,3 Prozent, noch weniger hat nur Rheinland-Pfalz mit 4,6 Prozent. Im Saarland gibt es keinen nennenswerten Rapsanbau. Rheinland-Pfalz wird gelegentlich etwas spöttisch als „Land der Reben und Rüben“ bezeichnet. Der Main-Taunus-Kreis kann sich diesen Namen auch anheften, wobei der Schwerpunkt hier eindeutig bei den Rüben liegt. Das statistische Landesamt Hessen sieht bei den Erntemengen im Main-Taunus-Kreis ganz vorne die Zuckerrüben und Kartoffeln, Getreide von Weizen bis Triticale folgt abgeschlagen und Raps ist ganz hinten dran. „Das ist ähnlich wie mit dem Mais“, sagt Kreislandwirt Karlheinz Gritsch. Im Frühjahr bestimmte der gelbe Raps das Landschaftsbild, im Herbst, wenn nur noch der Mais steht, sei plötzlich von „Vermaisung“ der Landschaft die Rede. Dabei werde im Main-Taunus-Kreis auch nur wenig Mais angebaut. „Richtung Hochheim ist das mehr, das ist alles Körnermais, der als Futter gebraucht wird“, sagt der Kreislandwirt.

Im Autotank landet allenfalls ein verschwindend geringer Teil von Raps und Mais, denn der größte Teil der Ernte wird verfüttert. Zuvor aber wird der Raps ausgepresst und zu Speiseöl verarbeitet. Das funktioniert aber erst seit 40 Jahren, denn 1974 wurde in Kanada ein Raps entwickelt, der weder die bitteren noch die giftigen Bestandteile enthielt, die Raps zuvor fast ungenießbar machten. Raps wurde bis dahin kaum bis gar nicht angebaut, weil er nur dazu taugte, in Öllampen verbrannt oder als Schmiermittel für die Industrie verarbeitet zu werden. Erst mit dem neuen 00-Raps wurde der Anbau lohnenswert und setzte sich langsam auch in Deutschland durch.

Ein Teil des deutschen Rapses, die Steckrübe ist übrigens eine Unterart des Rapses, landet im Diesel und damit in Autotanks. „Das ist eine Chance, die Biodiversität zu erhalten, Bauernhöfen ein Einkommen zu sichern und immer noch besser, als Fracking oder fossile Brennstoffe zu verbrennen“, sagt Gritsch. Schließlich würden diese natürlichen Brennstoffe wieder nachwachsen. Er betont aber, dass für ihn und seine Kollegen immer „Teller vor Tank“ geht – oder im Main-Taunus-Kreis „Futtertrog vor Tank“.

Raps hat für Gritsch aber noch weitere positive Effekte. Da, wo in einem Jahr Raps gewachsen ist, wächst er die nächsten drei Jahre nicht mehr. „Aber danach wächst auf diesem Boden prima Weizen“, sagt Gritsch. Raps ist bei der Fruchtfolge mit Getreide wichtig. „Er verändert mit seinem Wurzeln die Struktur des Bodens positiv“, lobt der Landwirt das Kreuzblütengewächs. Und er kann eine Menge Stickstoff aus dem Boden aufnehmen und schafft damit Platz für Sauerstoff. Die Wurzelreste, die im Boden bleiben und das Rapsstroh auf den Feldern werden zu Humus. Völlig unproblematisch ist Raps dann aber doch nicht, denn wenn Rapssaat im Boden bleibt, ist sie bis zu 10 Jahre keimfähig und wirkt sich wie Unkraut auf die Nachfrüchte, den Weizen beispielsweise aus. Getreidefelder, in denen gelbe Büschel sprießen, mögen Bauern überhaupt nicht. Getreide mit Rapsanteil ist auf dem Markt nicht sehr gefragt.

„Raps ist eine vorzügliche

Bienenweide

“, weiß Karlheinz Gritsch. Der starke, süße Blütenduft lockt natürlich auch Bienen an, die hier im Frühjahr reichlich Nektar für die Honigproduktion saugen können. Das Ergebnis wird als Rapshonig verkauft, der sehr cremig, manchmal auch fester ist, eine fast weiße bis elfenbeinfarbene Farbe hat und ein charakteristisch mildes Aroma besitzt. Das typische Aroma des Rapshonigs entsteht, weil die Bienen den Nektar des Rapses als sogenannte „Massentracht“ von den Feldern in die Waben einbringen. Dabei können „Beitrachten“ dem Honig noch eine ganz spezielle Geschmacksnote verleihen. Rapshonig muss aber überwiegend aus Rapsnektar bestehen. Blütenhonig dagegen ist die Bezeichnung für einen Honig, der von vielen Trachtpflanzen stammt, der von den Bienen auf Blumenwiesen oder den Blüten von Bäumen auf Obstwiesen gesammelt wird.

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