hkf_GoldvonderTannBaeume_00_1
+
Bernhard Huckriede erklärt Antje Bauer und Sohn Leo, wie sie ihr junges Bäumchen richtig schneiden. Foto: Knapp

Heimatverein

Renaissance für den "Gold von Tann"

  • vonRobin Kunze
    schließen

Aktion des Lorsbacher Heimatvereins ist ein voller Erfolg: 128 Bestellungen für 45 Apfelbäume - Im nächsten Jahr soll die Aktion fortgesetzt werden.

Lorsbach -Drei Dinge soll der Mensch in seinem Leben tun, so hat es dereinst angeblich Martin Luther gesagt: Ein Haus bauen, einen Nachkommen zeugen und einen Baum pflanzen. Familie Bauer kann jetzt hinter alle drei Punkte einen Haken setzen. "Wir sind neu zugezogen, haben in Lorsbach gebaut und pflanzen jetzt den Baum. Ganz klassisch also", verriet Antje Bauer am Samstagmorgen schmunzelnd. Sie holte in Begleitung von Sohn Leo in der Talstraße den Setzling ab, der bald schon den heimischen Garten komplettieren soll. Dabei entschied sich Familie Bauer für eine ganz besondere Sorte - einen "Gold-von-Tann"-Apfelbaum. Die Bäume wurden vor etwa 150 Jahren in Lorsbach eingeführt und anschließend auf den Streuobstwiesen veredelt. "Einige der verbliebenen Bäume sind rund 100 Jahre alt, werden allerdings bald sterben. Wir wollen nun helfen, das Gold von Tann zu bewahren", so Carsten Zeitz, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Lorsbach.

Zu diesem Zwecke entnahm man Anfang des Jahres den alten Bäumen Edelreiser, welche wiederum von einer Baumschule zu 45 kleinen Bäumchen veredelt werden konnten. Wie sich zeigte, landete der Heimat- und Geschichtsverein mit der "Aktion Gold von Tann" einen Volltreffer, denn insgesamt 128 Bestellungen gingen bei den Verantwortlichen ein. "Das sind in etwa dreimal so viele Bestellungen, wie wir Bäumchen haben. Damit haben wir überhaupt nicht gerechnet", so Zeitz. Dass die Aktion so gut ankommt, sei auch in der Nostalgie verhaftet. "Die Bäumchen wecken bei dem einen oder anderen älteren Mitbürger sicherlich auch schöne Jugenderinnerungen", vermutete Zeitz und behielt damit Recht. Lorsbachs Ortsvorsteher Dieter Kugelmann hatte sich eines der Bäumchen sichern können und verriet: "Ich erinnere mich noch, wie wir als Kinder immer auf den Bäumen gesessen und zu fünft einen Apfel geteilt haben." Bis die neu gezüchteten Bäumchen einen ersten Ertrag abwerfen, dauert es nun noch rund fünf Jahre. "Dann wird die ganze Familie eingeladen und jeder darf probieren", so Kugelmann. Dem edlen Tafelapfel, der ursprünglich 1867 in den USA unter dem Namen "Mother" entstand, wird ein süßes Aroma nachgesagt. Bei beginnender Überreife entsteht ein exotischer, bananenartiger Geschmack.

Rausgefunden hat all diese Fakten über den "Gold von Tann" Bernhard Huckriede, seines Zeichens Schatzmeister des Geschichtsvereins und seit diesem Jahr Experte für das Veredeln und Anpflanzen von Apfelbäumen. Er gab allen Abholern am Samstagmorgen eine durchaus umfangreiche Einführung, wie der Setzling nun bestmöglich herangezogen werden sollte. Die Zeit konnte er sich nehmen, da die Vorbesteller aufgrund der geltenden Corona-Maßnahmen zeitlich versetzt an der Gärtnerei Zeitz empfangen wurden. Dort konnten die Lorsbacher die Bäumchen sowie Huckriedes Tipps dann unter freiem Himmel entgegennehmen. Wer im Gegensatz zu Familie Baum und Dieter Kugelmann leer ausging, der braucht sich nicht zu grämen. "Die Aktion wird im kommenden Jahr weitergehen, und wer jetzt keinen Baum bekommen hat, der ist für 2021 vorgemerkt", versicherte Zeitz. rk

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare