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Retro-Szene in der Computerwelt

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Von: Manfred Becht

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Haben Spaß an alten Computern: Hagen Hamann (links) und Dennis Pauler von Virtual Dimension.
Haben Spaß an alten Computern: Hagen Hamann (links) und Dennis Pauler von Virtual Dimension. © nn

Wallauer Projekt "Virtual Dimension" gehört zu den Top Ten der Kristallisationspunkte in Deutschland.

Wallau -Wer in den achtziger Jahren schon Computerspiele laufen hatte, der erinnert sich an "Pong" - ein Spiel, bei dem ein Punkt zwischen zwei beweglichen Balken hin- und her geschlagen wurde; ein wenig eine digitale Version von Tischtennis. Gespielt wurde unter anderem auf dem ersten Heimcomputer, der massenhaft verkauft wurde, dem C64.

"Pong" spielt heute wohl keiner mehr, während andere Klassiker aus diesen Jahren wie "Pac Man" oder "Tetris" auch für heutige Rechner zu haben sind - und entsprechend genutzt werden.

Manche mögen aber nicht nur diese alten Spiele, sondern auch die alten Geräte. Neben dem C64 sind es vor allem die Namen "Amiga" und "Atari", die damals Furore machten und die heute noch in der Szene angesagt sind. Tatsächlich, es gibt eine Szene, die sich um diese alten Computer und die zugehörigen Programme kümmert. Man spielt, man schraubt an den Geräten herum, organisiert Veranstaltungen. Es gibt Zeitschriften, und es werden Videos zum Thema produziert.

Diese Szene ist, da weltweit existent, unüberschaubar. In Deutschland aber ist das Wallauer Projekt "Virtual Dimension" einer der Kristallisationspunkte. "Wir gehören bei den Retro-Videos zu den Top Ten im Land", sagt Dennis Pauler. Virtual Dimension ist kein Verein und auch keine Firma. Also ist Pauler auch kein Vorsitzender und auch kein Geschäftsführer. Auf der Homepage taucht er als Projektleiter auf.

"Bei euch ist die Welt noch in Ordnung"

Viel Geld sei damit nicht zu verdienen, erläutert Pauler, warum es sich nicht um eine Firma handelt. Die Veröffentlichung von Videos etwa auf dem Internet-Portal Youtube führt dazu, dass es gelegentlich Spenden gibt - was hilft, die Sache zu finanzieren. Wobei die Beteiligten nichts dagegen hätten, wenn sich das Hobby stärker kommerziell nutzen ließe.

Sechs Mitglieder sind gemeinsam aktiv. Das schon seit Beginn der neunziger Jahre. Fast alle haben beruflich, was keinen überraschen kann, mit Computertechnik zu tun.

Warum man sich dann auch noch in der Freizeit an den Bildschirm setzt? Erstens ist es schlichtweg Nostalgie. Die meisten haben irgendwann einmal mit einem C64, einem Atari oder einem Amiga angefangen, und sich jetzt damit zu beschäftigen, ist ein wenig eine Verlängerung der eigenen Jugendzeit.

"Zweitens war damals alles noch nicht so kompliziert", sagt Pauler. In den einschlägigen Zeitschriften gab es damals Programme, die man nicht nur Zeile für Zeile abtippen, sondern durchaus auch verstehen konnte - ohne Informatiker zu sein. Die Programmiersprache des C64 war so einfach, dass man schon mit eher bescheidenen Vorkenntnissen simple Programme schreiben konnte.

So kommt es, dass die Mitstreiter von Virtual Dimension im Kreise von Kollegen und Freunden keineswegs schief angesehen werden, im Gegenteil. "Bei euch ist die Welt noch in Ordnung", so lautet ein häufig geäußerter Kommentar. "Die meisten Leute finden es cool", so Pauler. Negative Bemerkungen gebe es eigentlich nie.

Und was machen die sechs nun eigentlich? In den neunziger Jahren habe alles damit angefangen, ein paar kleinere Spiele für den Amiga zu veröffentlichen, so Pauler. Wenig später habe Virtual Dimension Video-Produktionen über Spiel-Events produziert. In einer Zeit, in der es Youtube noch nicht gab, seien 8000 Aufrufe sehr viel gewesen.

Königsdisziplin: Alte Spiele auf alten Geräten

Video-Produktionen werden bis heute erstellt und jetzt auf Youtube veröffentlicht. Da geht es um alte Spiele und alte Rechner, für die auch noch neue Spiele entwickelt werden. Das macht das Sextett ebenfalls.

Wichtig ist ihm auch, Gleichgesinnte auf Veranstaltungen zu treffen. "Das ist ein Gemeinschaftsding", so Pauler.

Die Königsdisziplin sei natürlich, alte Spiele auf alten Geräten zu spielen. Diese seien zwar noch zu bekommen, aber bei steigenden Preisen. Ein C64 kostet gebraucht heute zwischen 50 und 100 Euro. Da kann sich der Versuch durchaus lohnen, defekte Geräte zu reparieren. Freilich dauert es lange, bis ein C64 ein Spiel geladen hat. Deshalb gibt es sogenannte Emulatoren - das sind Programme, mit deren Hilfe man die alten Spiele auf neuen Computern spielen kann.

Geht das jetzt bei Virtual Dimension immer so weiter? Oder wo möchte die Gruppe hin? Geplant ist, ein umfangreicheres Retro-Spiel zu entwickeln, das sich entlang einer Geschichte abspielt und dies mit Puzzle-Elementen kombiniert. "Das wird 'ne Weile dauern", will Pauler sich auf einen Zeitplan aber nicht einlassen.

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