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Robert Laudan, Ortsbeauftragter des THW, im Gespräch mit unserem Reporter Manfred Becht.

Interview

Robert Laudan, Chef der THW-Ortsgruppe Hofheim, im Gespräch

Die Feuerwehr ist bei jedem Brand im Einsatz. Doch vielen Menschen ist nicht bewusst, dass auch das Technische Hilfswerk (THW) an Ort und Stelle ist, um zu helfen. Das Kreisblatt sprach daher mit dem Chef der Ortsgruppe Hofheim, Robert Laudan.

Herr Laudan, gibt es einen Einsatz beim Technischen Hilfswerk, an den sie sich immer erinnern werden?

Robert Laudan: Das war nach dem Erdbeben in Nepal im Mai vor drei Jahren. Da gab es vielerlei Herausforderungen, bis hin zu einem Nachbeben der Stärke 6,7, das vergisst man nicht.

Was hat das THW da gemacht?

LAUDAN: Das THW war insgesamt sechs Wochen in Kathmandu und hat sich dort um die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung gekümmert. Einer der Hauptbrunnen von Kathmandu war durch das Erdbeben beschädigt worden. Wir haben mit einer Trinkwasseraufbereitungsanlage einen alten Brunnen reaktiviert und somit zur Wasserversorgung beigetragen. Ich war dort für drei Wochen unter anderem für die Elektroversorgung zuständig.

Das war ja bestimmt keine Urlaubsreise. Warum nimmt man so etwas auf sich?

LAUDAN: Es macht einfach Spaß, den Menschen zu helfen. Die Menschen dort sind dankbar und freuen sich, dass wir da sind. Das ist unsere Motivation. Dazu kommt natürlich auch der Umgang mit besonderen technischen Geräten und Werkzeugen, schwerem Gerät. Das ist schon etwas Besonderes, kein Alltag.

Heißt das, beim THW braucht man vor allem abenteuerlustige Menschen mit handwerklichem Geschick?

LAUDAN: Nein. Natürlich braucht man auch Leute, die diese Geräte und Maschinen beherrschen, das wird in Schulungen Frauen und Männern gleichermaßen beigebracht. Aber es gibt auch ganz andere Aufgaben, bis hin zur Verwaltung, Verpflegung und der Betreuung von THW-Leuten nach schwierigen Einsätzen.

Gut, dann jetzt mal von Anfang an. Als ich gestern zu Hause sagte, ich gehe zum THW, kam die Frage, was die eigentlich machen. Da dachte ich, ich gebe die Frage einfach mal weiter.

LAUDAN: Es gibt drei Aufgabenbereiche: Technische Hilfe im Zivil-und Katastrophenschutz, technische Hilfe im Ausland im Auftrag der Bundesregierung und technische Hilfe auf Anforderung der öffentlichen Hand.

Okay, dann jetzt mal im Einzelnen. Gibt’s ein Beispiel für den Katastrophenschutz im Main-Taunus-Kreis?

LAUDAN: Der Main-Taunus-Kreis hat auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015 den Katastrophenfall ausgerufen. Wir haben zunächst in der Limesstadt Zelte aufgestellt, dann zwei Sporthallen langfristig ausgerüstet und logistisch unterstützt. Das THW Hofheim war mit über 1300 Stunden im Dauereinsatz!

Das war ein extremer Aufwand!

LAUDAN: Stimmt, und alles ehrenamtlich.

Wie können wir uns die Auslandseinsätze vorstellen?

LAUDAN: Ganz verschieden. In Jordanien hatte ich die Bauleitung für Zu- und Abwasserbauten in den Flüchtlingscamps, in Bosnien einen Pumpeinsatz mit Hochleistungspumpen, in Slowenien Stromversorgung nach schweren Unwettern oder in Florida Botschaftsunterstützung nach einem Hurrikan.

Als dritten Aufgabenbereich gibt’s noch die technische Hilfe auf Anforderung von Polizei, Feuerwehr oder Stadt. Was fällt alles darunter?

LAUDAN: Das ist sehr vielseitig. Es geht los mit der Eigentumssicherung, beispielsweise machen wir eine Tür zu, wenn sie von Polizei oder Feuerwehr aufgebrochen werden musste. Aber es gibt auch größere Einsätze, zum Beispiel Verschließen und Sichern von beschädigten Dächern nach Bränden, Abriss oder Abstützung einsturzgefährdeter Bausubstanz und auch Menschenrettung. Am Rettershof waren wir mehrere Tage vor Ort.

Da waren Sie doch personell bestimmt am Limit?

LAUDAN: Ja, man besorgt sich Hilfe aus der Nachbarschaft, schon wegen des Gerätes. Geholfen haben die Fachgruppe Räumen aus Groß Gerau mit dem Bagger, ein Radlader kam aus Bad Homburg. Ein großer Vierachskipper aus Offenbach und die Beleuchtungsgruppen aus Frankfurt und Idstein waren auch vor Ort. Insgesamt waren acht Ortsverbände beteiligt.

Haben Sie denn genug Einsatzkräfte für solche Einsätze?

LAUDAN: Momentan haben wir etwa 40 Aktive im Main-Taunus-Kreis. Das ist knapp, sehr knapp, wir könnten noch ein paar Leute mehr gebrauchen. Vor allem auch zur Ablösung. Wir bleiben oft viele Stunden am Einsatzort. Da müssen dann auch Kräfte abgelöst werden.

Manche fürchten sicher, dass sie bei so langen Abwesenheiten Probleme mit den Arbeitgebern bekommen.

LAUDAN: Die Sorge ist verständlich, und es gibt auch Arbeitgeber, die das nicht so gerne sehen. Aber es kommt darauf an, rechtzeitig mit dem Chef zu reden, wenn man beim THW mitmachen möchte. Die Firmen sollten bedenken, dass sie Mitarbeiter bekommen, die sich engagieren wollen, die vielerlei spezielle Kenntnisse erwerben und die mit kritischen Situationen umgehen können.

Noch mal zum Rettershof, aber es gibt sicher noch mehr solcher Einsätze. Wie gefährlich ist das denn beim THW?

LAUDAN: Wir haben ein gutes Ausbildungssystem, es werden viele sehr gute Lehrgänge angeboten. Am Rettershof waren zwei Baufachberater dabei – wir wissen sehr genau, was wir machen können und was nicht.

Man kann also auch den Nachwuchs bedenkenlos zum THW schicken?

LAUDAN: Auf jeden Fall, sehr gerne. Unsere Jugendgruppe für Kinder von zehn bis 17 Jahren ist ganz wichtig, damit wir Nachwuchs ausbilden können.

Was kann man den Kindern und Jugendlichen in Aussicht stellen, die zum THW gehen?

LAUDAN: Sie haben einen prima Zusammenhalt in ihrer Gruppe. Es werden viele gemeinsame Aktionen durchgeführt, die Jugendlichen zeigen auf Ausstellungen, was sie können, es gibt als Highlights Zeltlager. Sie machen die gleichen Sachen wie wir Erwachsene, nehmen auch die großen Geräte in die Hand. Das macht auch Mädchen sehr viel Spaß – leider sind momentan keine dabei.

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