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Sieben Spaßmacher am Werk: Zum Abschluss ihrer zweijährigen Ausbildung stehen die erfolgreichen Clownschüler gemeinsam auf der Bühne.

Spaß und Freude

Clownschule wird 25 Jahre alt - Verein bringt Spaß und gute Laune auch in Altenheime

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Seit 2012 ist die Clownschule in Lorsbach ansässig. Im ehemaligen Gasthaus „Zum Taunus“ geht es aber nicht um flaches Herumalbern.

Wenn irgendjemand in den früheren neunziger Jahren Michael Stuhlmiller einen Kühlschrank geschenkt hätte, dann gäbe es womöglich die Clownschule in Lorsbach nicht. Denn dann hätte Stuhlmiller nicht einen Musikalienhändler gefragt, wo er einen günstigen Kühlschrank herbekommen könnte. Dann hätte der Händler nicht mit den Achseln gezuckt und dabei von einem Probenraum im Mainzer Stadtteil Finthen erzählt. Dann hätte Stuhlmiller, der gerade auch einen Probenraum suchte, nicht wenig später in einem großen Saal auf dem früheren Militärgelände gestanden und gedacht, hier könne man mehr machen als nur zu proben.

Stuhlmiller hatte zu der Zeit zwar vor allem sein Theater Blauhaus im Kopf. Er studierte Jura, als sich beim Straßentheater in Südfrankreich plötzlich der Einstieg in eine ganz andere Karriere anbot. Es folgten Kunst- und Musikstudium, Theater- und Gesangsausbildung, Auftritte als Performancekünstler, Schauspieler und Clown. In dem neuen Raum in Finthen gab es erst Workshops am Wochenende, dann Dreimonatskurse, schließlich wurde die Clownschule gemeinsam mit Sigrid Karnath gegründet.

Dies kam an, wie die fortwährende Expansion nach der Gründung 1994 zeigte. Hatten Stuhlmiller und Karnath anfangs alleine unterrichtet, bestand das Team bald aus acht Lehrern, die eine zweijährige Vollzeitausbildung anboten. Im Jahr 2000 kam die staatliche Anerkennung als private Berufsfachschule. Unterschiedliche Ausbildungs- und Veranstaltungsformate wurden etabliert. 2012 folgte der Umzug nach Lorsbach – Stuhlmiller hatte das Anwesen der ehemaligen Gaststätte „Zum Taunus“ gekauft.

Man täte ihm und der Clownschule Unrecht, würde man das, um was es geht, als belangloses Herumgealbere einstufen. Es gehe darum, sagt Stuhlmiller, „den Mut zu haben, auch mal daneben zu liegen, sich lächerlich zu machen und zu spüren wie befreiend es ist, einfach mal das innere Kind laufen zu lassen“. Ein Scheitern am Ende in einen Gewinn zu verwandeln, das zeige der Clown seinem Publikum – als Rezept für das richtige Leben. „Wenn es mal nicht sofort klappt“, so Stuhlmiller, „fungiert die rote Nase wie ein Puffer. Sie fängt jeden Sturz ab und verwandelt das Ungemach in Freude, Spaß und gute Laune.“ In der Absicht sind Stuhlmiller und seine Mitstreiter vom Verein „Clownpfleger“ in Altenheimen und Behinderteneinrichtungen unterwegs, auch Projekte in Strafvollzugsanstalten hat es schon gegeben. Noch in der Zeit jenseits des Rheins gab es durch die Stadt dafür den „Mainzer Pfennig“, eine Auszeichnung für besondere soziale und kulturelle Projekte.

Im Jahr 2016 gab es einige Aufregung im Ort, als das Gebäude zum Kauf angeboten wurde. Die Lorsbacher interessierten sich sehr dafür, was aus dem Haus der einstigen Traditionsgaststätte werden würde. Immerhin befindet sich dort noch ein Saal, der gelegentlich für Vereinsveranstaltungen genutzt wurde.

Zum Verkauf kam es allerdings nicht, das Angebot war eher ein Versuchsballon. Stuhlmiller hatte ein Buch „Die Kunst des spielerischen Scheiterns“ geschrieben, ist seither mit Vorträgen und eigener Show unterwegs. Das Veranstaltungsprogramm in Lorsbach wurde daher reduziert, die künstlerische Leitung der Ausbildung übernahm Richard Weber, vorher schon als Dozent für Schauspiel und Körpertheater tätig. Von Veränderungen ist seither nicht mehr die Rede, im Sommer beginnen neue Kurse

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