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Werbung machen für den Schachverein Hofheim: Hier spielen Mitglieder zwischen Chinoncenter und Kellereigebäude. Zweite Vorsitzende Anna-Luise Heymann, und Jugendtrainer David Lobzhanidze zeigen das Vereinslogo.

Spenden

Schachverein Hofheim sammelt für die Bundesliga

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In die Erste Bundesliga aufzusteigen, ist eine tolle Sache – kostet aber Geld. Um die Teilnahme zu finanzieren, sammelt der Schachverein Hofheim nun Spenden im Internet.

Ein Aufstieg in die höchste Spielklasse – das muss doch für jeden Sportverein ein Traum sein. Ist es auch ganz sicher. Allerdings gibt es da auch eine Schattenseite. Denn das Mitspielen ganz oben hat einen beachtlichen Preis. Und das Geld dafür will erst einmal aufgebracht werden. Das ist nicht leicht, gerade, wenn man, wie der Schachverein (SV) Hofheim 1920, in einer Randsportart unterwegs ist.

„Wir brauchen pro Saison rund 25 000 Euro“, sagt Anna-Luise Heymann, die Zweite Vorsitzende des SV 1920, die sich im Vorstand um Fragen der Organisation kümmert. Der vielbejubelte Aufstieg gleich beider Hofheimer Mannschaften, Damen wie Herren, in die Erste Bundesliga am Ende der Saison 2016/17 sei schon etwas sehr Besonderes gewesen. „Wir haben es dann beide auch geschafft, uns oben zu halten. Ein Wahnsinnserlebnis für uns“, sagt Heymann, die selbst Mitglied der Damen-Mannschaft ist.

Doch schon die erste Saison ganz oben war schwer zu finanzieren. Reise- und Übernachtungskosten zu den Auswärtsbegegnungen etwa nach Berlin, Hamburg oder München für zehn Personen bei den Herren und acht bei den Damen gehen trotz günstigster Fahrkarten und Quartiere besonders ins Geld. Dazu kommen Startgebühren, Schiedsrichtergelder, Digitalbretterübertragung oder die Verpflegung des Gegners bei den Heimspielen.

So groß die Freude war, die Klasse gehalten zu haben: Die erste Liga bringt den Verein an finanzielle Grenzen. Denn Sponsoren zu finden, das – so Anna-Luise Heymanns Erfahrung in den vergangenen vier Jahren – ist für einen Schachverein nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Mancher Verein habe sich deswegen schon die höchste Spielklasse abgeschminkt.

Sie selbst zog nach dem Aufstieg voller Enthusiasmus erneut los zu allen möglichen Firmen. „Ich habe extra ein

Sponsoring-Konzept erstellt

“, berichtet Lehrerin Heymann. Geholfen hat es nicht. Schnell hat sie registriert: „Alle steigen aus, sobald das Wort Sponsoring fällt.“ Ihre Erkenntnis: „Schach ist einfach nicht relevant genug, um es zu sponsern.“

Beim Landessportbund hörte sie: Leistungssport werde nur unterstützt, wenn es sich um eine Olympiasportart handle – was Schach nicht ist. Auch der Magistrat der Stadt Hofheim, der die Erst-Liga-Aufsteiger des Schachvereins immerhin mit einem Empfang ehrte, war zu mehr nicht bereit. Der Antrag auf finanzielle Unterstützung sei mehrheitlich abgelehnt worden, weil die Stadt nicht Leistungssport, sondern Jugendarbeit der Vereine fördern wolle, fasst Heymann zusammen.

Jugendarbeit macht der Schachverein auch, sogar so erfolgreich, dass er derzeit keine weiteren jungen Spieler aufnehmen kann, weil die Trainer völlig ausgelastet sind. Geld für diesen Bereich kann auch der SV 1920 daher nur begrüßen. Es löst aber sein Finanzierungsproblem für die Erstliga-Teams nicht. Anna-Luise Heymann hat sich dann an einen Tipp erinnert, den ihr Bürgermeisterin Gisela Stang schon bei früherer Gelegenheit gegeben habe: „Das Beste ist Crowdfunding“, habe er gelautet, berichtet die aus Dresden stammende Erstliga-Spielerin. „Ich habe damals gar nicht gewusst, was das ist“, gibt Heymann unumwunden zu. Bei sich habe sie gedacht: „Das ist zu schwierig, das kriegst du nicht hin.“

Doch mit dem Mut der Verzweiflung hat sie sich die Sache dann noch einmal genauer angeschaut und begeistert festgestellt, dass Crowdfunding kein Hexenwerk ist. „Es gibt dafür sogar eine eigene Plattform im Internet mit einer Extra-Seite für Randsportarten“, hat sie entdeckt. Die nutzt der Schachverein nun für eine Spendenaktion, bei der Ziel ist, möglichst viele Spender zu animieren, kleine Beträge ab 10 Euro zu geben, damit am Ende die angestrebten 17 000 Euro zusammenkommen. Vom 1. Bis zum 23. Oktober läuft die Aktion auf der Sportplattform fairplaid unter dem Link .

Eine Idee auch für andere Vereine, ist Anna-Luise Heymann sicher, die nun intensiv hofft, dass dieser „Schachzug“ Erfolg bringt.

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