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Auch wenn mit Abstand und mit Mundschutz der Kinobesuch möglich ist, kamen in den ersten Tagen nach dem Neustart nur wenige Besucher ins Hofheimer Kino. Foto: Knapp

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Schwacher Neustart im Hofheimer Kino ist für den Betreiber wirtschaftlich der "Super-Gau"

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Nur wenige Besucher kamen in den ersten Tagen nach der Wiedereröffnung ins Kino im Hofheimer Chinon Center - Betreiber hat schon Alternativpläne für seine Säle

Hofheim -Wochenlang musste Sven Döding, Geschäftsführer des Movies Kino in Hofheim, darauf warten, wieder loslegen zu können. Denn die Corona-Pandemie hatte ihn ebenso wie viele andere komplett ausgebremst. Am vergangenen Sonntag konnte er nun endlich den Betrieb in den drei Sälen seines Kinos im Chinon-Center wieder aufnehmen, nachdem er und sein Team zahlreiche Auflagen umgesetzt hatten: Neben einem Spuckschutz an den Verkaufsständen wurden im Eingangsbereich Desinfektionsspender installiert. Auf dem Boden sowie auf separaten Schildern wurden die Abstandsregeln deutlich gekennzeichnet, und ein Einbahnstraßensystem soll gewährleisten, das die Gäste die Säle durch den Eingang betreten und durch den Notausgang verlassen. Noch dazu beginnen die Vorführungen immer eine Stunde zeitversetzt, damit sich selbst bei einem großen Ansturm möglichst wenige Leute begegnen.

"Angst muss keiner haben"

Schließlich wurde auch das Kassensystem aufwendig umprogrammiert, damit beim Ticketverkauf automatisch alle anderen Sitze im Umkreis von 1,5 Metern frei bleiben. "Personen aus einem Haushalt und einem weiteren Haushalt dürfen aber gemeinsam sitzen", betont Döding, "und wir haben wirklich alles dafür getan, damit ein sorgloser Kinobesuch möglich ist". Angst müsse daher niemand mehr haben. Generell rät er dazu, die Karten online zu kaufen, "aber natürlich darf auch jeder kommen, der sich erst spontan zum Kinobesuch entschieden hat".

Allerdings fällt Dödings Bilanz nach den ersten Tagen jedoch ziemlich nüchtern aus: "Wir hatten im Schnitt gerade mal fünf Gäste am Tag." Es gab sogar einen Tag, an dem niemand ins Kino kam, einmal seien es jedoch schon zwölf gewesen "das war schon ein Highlight", sagt er - und es klingt bitter. Denn insgesamt sei die derzeitige Situation "wirtschaftlich der Super-Gau". Mindestens 50 Besucher pro Tag müssten es sein, damit es sich rechnet. Sowieso könnte Döding derzeit von den 480 Plätzen in den drei Sälen nur maximal 110 besetzen, wenn er alle Vorschriften - fünf Quadratmeter pro Person sowie die Abstandsregel - einhalten will. "Vielleicht sind deswegen so wenige bisher gekommen, weil noch keiner so richtig weiß, dass wir wieder offen haben. Neue Filme sind derzeit nicht auf dem Markt." Aber in seinem Programm sei für Jung und Alt etwas dabei.

Für seinen Minimalbetrieb benötigt er aktuell nur zwei von insgesamt zwölf Mitarbeitern, die Döding vorerst nicht alle aus der Kurzarbeit zurückholen will: "Sonst müssen wir die wieder komplett selbst finanzieren." Alleine die seit März weiterlaufenden Betriebskosten summierten sich nach seinen Angaben auf einen Betrag im mittleren fünfstelligen Bereich, und die Einnahmenverluste bewegten sich "im guten sechsstelligen Bereich".

Das finanzielle Loch, das dadurch gerissen wurde, sei nicht mehr zu füllen. "Daher müssen wir schauen, wie wir künftig damit umgehen und welche Vereinbarung wir beispielsweise auch mit unserem Vermieter treffen können. Gegebenenfalls müssen wir eben nochmal das Gespräch suchen, aber ich gehe davon aus, dass es keine Probleme geben wird", sagt Sven Döding.

"Wir hängen noch lange in der Luft"

Generell sei die Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft (HWB) als Vermieter ein guter Partner, und auch die Stadt Hofheim stehe hinter ihm und wolle ihn unterstützen. Der Geschäftsführer fürchtet allerdings, dass es in diesem Jahr gar nicht mehr entscheidend aufwärts gehen wird und verweist auf einen Teufelskreis: "Wir hängen noch lange in der Luft, denn in absehbarer Zeit wird es wohl auch keine Filmstarts geben, die mehr Leute ins Kino locken könnten."

Für den bevorstehenden Sommer verspricht er jedenfalls einen durchgängigen Betrieb, "denn zumindest in normalen Zeiten funktioniert Kino ja immer". Sehr offen zeigt er sich für Veranstaltungen und Alternativprogramme, denn Events mit bis zu 100 Personen dürfen ja künftig im Land auch wieder stattfinden. "Bis zu 50 Personen wäre hier bei uns gut möglich, und so könnte ich mir beispielsweise Personal- oder Betriebsratsversammlungen prima in unseren Räumlichkeiten vorstellen." Eines weiß der Hofheimer Kino-Chef Döding aber jedenfalls schon ganz genau: "Kopf in den Sand stecken ist nicht." Stephanie Kreuzer

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