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Gleich wird es ernst: Mitarbeiterin Barbara Schmidt liegt schon auf der Liege und wird für die Blutentnahme vorbereitet.

Erstspender

Selbstversuch: So ist es, das erste Mal im Leben Blut zu spenden

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22 Erstspender fanden sich gestern im Landratsamt zum Blutspende-Termin des DRK Hofheim ein. Auch eine Reporterin unserer Zeitung war darunter.

Das Schild mit dem weltbekannten Roten Kreuz und dem Wort „Blutspende“ weist den Weg. Im Landratsamt gibt es an diesem Dienstag – wie nun schon seit einigen Jahren in den Sommerferien – einen besonderen Termin. Die Mitarbeiter der Behörde, aber auch alle anderen Freiwilligen sind aufgerufen, sich von einem Team des DRK-Blutspendedienstes in Frankfurt etwas von ihrem „Lebenssaft“ abnehmen zu lassen. Der Ortsverband des DRK Hofheim ist für die Organisation der Aktion verantwortlich. Für unsere Reporterin ein guter Anlass, endlich den schon länger gefassten guten Vorsatz, selbst Blut zu spenden, in die Tat umzusetzen.

Der erste Versuch war daran gescheitert, dass dem Spende-Termin ein Urlaub im Süden Griechenlands vorausgegangen war. „Das ist Risikogebiet unter anderem für Malaria“, bestätigt Arzt Dr. Rainer Bauer, der sich den vor dem Spenden ausgefüllten Fragebogen ansieht. Es kann sein, dass Erreger den Blutspender nicht erkranken lassen, aber für immungeschwächte Empfänger gefährlich sind. Diesmal findet der Arzt solche Hindernisse nicht.

Die persönlichen Daten hat DRK-Helferin Lisa Skop sogar noch im Computer gehabt, für die Erstspenderin gab’s aber von ihr und ihrem Mitstreiter Max Ladurner erst einmal zwei Fragebögen, ein Informationsblatt zu möglichen Risiken und zum Datenschutz und ein Faltblatt, das noch einmal alles Wissenswerte rund um die Blutspende auflistet. Ganz schön viel Papierkram. Aber es geht ja auch um etwas. Schließlich soll mein Blut anderen helfen und nicht schaden. Und jeder Spender muss wissen, was im Extremfall passieren könnte. „Sie machen das ja freiwillig. Da müssen wir Sie auch gut aufklären“, wird Dr. Bauer die Notwendigkeit später noch einmal bekräftigen.

Fürs Ausfüllen gibt’s, wie beim Wählen, abgeschirmte Tische. Danach bittet Max Ladurner mich, mit den Papieren noch in der Wartezone vor dem Raum „Höchst“ Platz zu nehmen, in dem sonst die Ausschüsse des Kreistages ihre Sitzungen abhalten. Mit mir wartet noch eine 22-Jährige, die ebenfalls Erstspenderin ist. „Ich hab gelesen, dass das hier stattfindet. Da hab’ ich gedacht: Das kann man ja mal machen“, sagt sie. Zwei Stühle weiter wartet mit Klaus Ladurner einer der Mitarbeiter im Landratsamt, die der Einladung zur Blutspende im eigenen Haus gefolgt sind. Ein „gutes Gefühl“ sei das, auf diese Weise helfen zu können, „weil ja auch einfach Blut benötigt wird.“. Motiviert habe ihn schon vor Jahren sein Sohn Max – der mir als ehrenamtlicher Helfer ja schon begegnet ist.

Nicole Windl vom Jugendrotkreuz bittet nun ins „Labor“, der ersten Station im umfunktionierten Sitzungssaal. Mohammed Khalissa nimmt mir die ausgefüllten Zettel ab, kontrolliert noch einmal, ob die Angaben mit denen im Personalausweis übereinstimmen und misst meinen Blutdruck. Dann fließt das erste Blut – aber Khalissa begnügt sich nach einem Fingerpieks mit einem Tropfen davon, „für den Hämoglobinwert“, erklärt er. Denn genug rote Blutkörperchen sollten im Spenderblut schon vorhanden sein, macht er den Sinn der Aktion deutlich, bevor er mich zur nächsten Station schickt: dem Arztgespräch mit Dr. Bauer. Der rät mir zum Schluss, vor und nach der Spende viel zu trinken. Dafür sind junge Damen vom Jugendrotkreuz zuständig, die eine kleine „Bar“ aufgebaut haben. „Still, medium oder klassisch?“, fragt Clara (11) und füllt mir einen Becher Wasser mit der gewünschten Sorte.

Kaum geleert, hat Nicole Windl auch schon eine Liege für mich frei. Jetzt wird es ernst. Was für die Erstspenderin Neuland ist, ist für Karola Seybold Routine. Geschickt – und daher kaum spürbar – sticht mir die Mitarbeiterin des Blutspendedienstes die lange Nadel in eine Armvene. Eine Viertelstunde später bin ich um einen halben Liter Blut erleichtert und fühle mich nach kurzer Ruhezeit schnell wieder fit. Julia vom Jugendrotkreuz bringt noch eine Cola. Außerdem gibts Kekse und Gummibärchen als kleines Dankeschön. Eigentlich nicht nötig, aber eine schöne Geste. Einen Blutspender-Ausweis werde ich auch bald erhalten. Mitnehmen kann ich aber schon jetzt das, wovon Klaus Ladurner berichtet hat: Ein gutes Gefühl.

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