So könnte es werden: Grau sind die Bestandsgebäude im Park der früheren Kurklinik gezeichnet, in Rosa mögliche Neubauten. Der geschützte Baumbestand auf dem Parkgrundstück bleibt unangetastet. Ein Erschließungsweg Richtung Kargeswiesen/Cohausenstraße über städtisches Gelände wäre als kurze Anbindung in Richtung Innenstadt möglich.
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So könnte es werden: Grau sind die Bestandsgebäude im Park der früheren Kurklinik gezeichnet, in Rosa mögliche Neubauten. Der geschützte Baumbestand auf dem Parkgrundstück bleibt unangetastet. Ein Erschließungsweg Richtung Kargeswiesen/Cohausenstraße über städtisches Gelände wäre als kurze Anbindung in Richtung Innenstadt möglich.

Stadtentwicklung

Senioren-Wohnpark auf Gelände der früheren Luft-Klinik geplant

  • vonBarbara Schmidt
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Der Verlust der 72 Heimplätze im Hofheimer Seniorenheim Haus Maria Elisabeth, das im nächsten Jahres geschlossen wird, soll so ausgeglichen werden

Hofheim -Die Ankündigung der Schwestern von der heiligen Elisabeth, das von ihnen seit 1975 getragene Altenheim im Roedersteinweg zu schließen, hat im vergangenen Jahr die Gemüter in Hofheim heftig erregt. Auch Gespräche der Stadtspitze mit der Ordensleitung und dem Geschäftsführer der eigentlichen Trägergesellschaft, dem Elisabeth-Vincenz-Verbund (EVV) sowie eine sehr erfolgreiche Unterschriftensammlung hatten nichts am Entschluss ändern können, das beliebte Seniorenheim zum 30. Juni 2021 aufzugeben.

Mittlerweile ist der Auflösungsprozess weit vorangeschritten. Mehr als die Hälfte der Bewohner, die das Haus noch zu Weihnachten zählte, sind in eine andere Betreuungseinrichtung umgezogen. Zudem gab es einen Todesfall. Aktuell leben noch 28 alte Damen und Herren im Haus Maria Elisabeth. Wie es heißt, ist der Träger dabei, für die Mitarbeiter einen Sozialplan aufzustellen.

Die Hoffnung, dass sich doch noch jemand finden könnte, der das Altenheim als solches weiterbetreibt, tendiert gegen null. Allerdings hatte die Steuerungsgruppe, die sich nach der Bekanntgabe der Schließungs-Absichten gebildet hatte, noch einmal einen Investor ins Gespräch gebracht, der Geld von Anlegern in derlei Projekte steckt. Das blieb allerdings bislang ohne Echo.

Im Hintergrund hat die Stadt Hofheim indes bereits Anstrengungen unternommen, um den unvorhergesehenen Verlust der ursprünglich 72 Heimplätze für Senioren auf längere Sicht wettmachen zu können. Immerhin wird der Anteil der alten Menschen an der Gesellschaft nach wie vor größer (Stichwort demografischer Wandel). Und der Wunsch, auch im Alter noch gut in Hofheim leben zu können, besteht unverändert.

Die Stadtverordnetenversammlung hat das Grundstück, auf dem das Haus Maria Elisabeth steht, mit einer Veränderungssperre belegt. Damit ist einem Verkauf auf dem freien Markt zunächst ein Riegel vorgeschoben. Kaufen will die Stadt selbst es allerdings nicht. Ihr Favorit für ein neues Senioren-Wohnprojekt ist das Gelände der früheren Kur- oder auch Luft-Klinik (nach ihrem früheren Besitzer und Chefarzt Dr. Helmut Luft) in der Kurhausstraße, ruhig und zugleich innenstadtnah gelegen. Allerdings befindet es sich im Eigentum der Gesellschaft für Gesundheit und soziale Infrastruktur des Main-Taunus-Kreises, kurz GSIM.

Die Main-Taunus-Kliniken, die den Standort nach der Fertigstellung des Hofheimer Krankenhauses schon einmal ganz aufgegeben hatten, nutzen ihn seit 2018 wieder als Mieter der GSIM. Sie betreiben dort ihre Psychiatrische Tagesklinik und die Psychiatrische Institutsambulanz. Zwei Einrichtungen, für die sich wohl auch andernorts Räume finden ließen.

Bebauungsplan neu aufstellen

Wie Bürgermeister Christian Vogt (CDU) auf Anfrage dieser Zeitung mitteilt, will die Stadt nach Gesprächen mit dem Kreis nun den ersten Schritt unternehmen, der auf dem 11 000 Quadratmeter großen Gelände der Kurklinik eine Art "Senioren-Wohnpark" ermöglichen soll. "Dafür muss zunächst der Bebauungsplan neu aufgestellt werden", erläutert der Rathauschef. Ein Aufstellungsbeschluss ist schon für die nächste Stadtverordnetenversammlung geplant.

Die Erhaltung des Park-Charakters und etlicher Bäume, die als Naturdenkmäler ausgewiesen sind, ist ein Muss. Die Stadtplaner in der Verwaltung haben einen Planentwurf gemacht, der für das Park-Gelände mehrere Neubauten entsprechend der Umgebungs-Bebauung vorsieht, die den Bestand ergänzen könnten. Favorisiert wird nämlich nicht einfach ein Ersatz-Altenheim, vielmehr ist an verschiedene Wohnformen für Senioren nebeneinander gedacht. Dabei könne es auch unterschiedliche Betreiber/Träger und Eigentumsformen geben, so Vogt. Nicht baulich, aber von der Konzeption her nennt Vogt als Beispiel das Projekt "Wir am Klingenborn" der HWB, in dem es unter anderem eine Demenz-Wohngemeinschaft gibt. Umsetzen soll ein Konzept für das Gelände an der Kurhausstraße dessen Eigentümerin, die GSIM.

Nach den Vorüberlegungen im Rathaus sei es möglich, dort für die gleiche Anzahl Senioren Wohnraum zu schaffen, wie es im Haus Maria Elisabeth der Fall gewesen sei, meint Vogt. Nur wolle man eben moderneren Vorstellungen vom Wohnen im Alter entsprechen. Das Martha-Else-Haus sei mit seinem Konzept für den Neubau sicher vorbildlich, meint Vogt, der übrigens satzungsgemäß seit kurzem auch Mitglied im Beirat der Martha-Else-Stiftung ist. barbara Schmidt

Info: "Das schönste Grundstück weit und breit"

Zur Erholung von der schlechten Luft in der Großstadt zog es die Frankfurter im 19. Jahrhundert an den Taunusrand. Dieser Mode verdankt auch die Kurklinik ihr Entstehen. Als "Kaltwasserheilanstalt" wurde sie 1861 begründet, von 1872 an wird der Name Kurhaus verwendet. Sanitätsrat Dr. Max Schulze-Kahleyss (1867-1951) machte sie von 1896 an zur "Kur-Klinik". Sein Sohn, Obermedizinalrat Dr. Max Schulze-Kahleyss (1897-1962) übernahm die Klinik, nachdem sie 1944 beschlagnahmt und sieben Jahre von der Frankfurter Universitätsklinik genutzt worden war. Seine Witwe Josephine Schulze-Kahleyss verkaufte sie an die Ehefrau des von ihr nach dem Tod ihres Mannes zunächst als Pächter und Chefarzt verpflichteten Dr. Helmut Luft.

Der Main-Taunus-Kreis erwarb das 11 000 Quadratmeter große Park-Grundstück, das nach Plänen des herzoglich-nassauischen Gartenbaudirektors Thelemann gestaltet ist, samt Klinik 1996 für 10 Millionen Mark. Der damalige Landrat Jochen Riebel schwärmte seinerzeit: "Das ist das schönste Grundstück, das es weit und breit im Rhein-Main-Gebiet gibt." babs

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