Streichliste des Dekanats

Sieben evangelische Kirchengemeinden sollen bis 2024 je eine halbe Pfarrstelle verlieren

  • schließen

Gestrichen werden soll neben den Pfarrstellen zum Ende 2022 auch eine halbe Stelle für die Altenheim-, Krankenhaus- und Hospiz-Seelsorge.

Sieben der 30 Kirchengemeinden im Evangelischen Dekanat Kronberg sollen künftig je eine halbe Pfarrstelle abgeben. So sieht es der Vorschlag vor, den der Dekanatssynodalvorstand (DSV) am 23. November der Dekanatssynode vorlegen wird. Wie berichtet, hat die Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) für ihr Gebiet beschlossen, dass im Zeitraum 2020 bis 2024 pro Jahr 1,4 Prozent aller Pfarrstellen eingespart werden müssen. Betroffen sind der Gemeindedienst genauso wie Funktionsstellen, wie sie etwa Krankenhausseelsorger inne haben. Für das Dekanat Kronberg bedeutet dieser Beschluss, dass von 2020 an insgesamt 7 Prozent der Pfarrstellen wegfallen müssen. Das entspricht 4 vollen Stellen.

Das sei schon „etwas Eingreifendes“ für das Dekanat, räumt Präses Peter Ruf ein. Der DSV habe aber nach einer Lösung gesucht, die eine solche Kürzung möglichst verträglich gestalte. Ruf und Dekan Dr. Martin Fedler-Raupp haben mittlerweile alle betroffenen Gemeinden besucht und die Hintergründe des Vorschlags erläutert. „Wir wollen mit den Menschen reden“, sagt Ruf und macht keinen Hehl daraus, dass die Botschaft, die das Leitungsteam zu überbringen hatte, nicht gerade Frohlocken ausgelöst hat.

Zwei Kürzungsrunden soll es dem Vorschlag des DSV gemäß geben. Von der ersten, die zum 31. 12. 2022 greift, sind die Gemeinden in Bad Soden (bisher 2 Stellen), Flörsheim, Liederbach und Sulzbach (bisher je 1,5 Stellen) betroffen, die je eine halbe Stelle verlieren. In den meisten Fällen trifft die Kürzung die aktuellen Stelleninhaber nicht direkt, da Wechsel in den Ruhestand ohnehin bevorstehen. Eine Ausnahme ist Flörsheim. Hier werde man sich aber darum bemühen, eine gut verträgliche Lösung für den vermutlich von der Kürzung betroffenen Pfarrer Karl Endemann zu finden.

Die zweite Kürzungsrunde greift zum 31. 12. 2024. Dann sollen Diedenbergen und Schönberg (bisher je 1 Stelle) sowie Kriftel (bisher 1,5 Stellen) ebenfalls je eine halbe Pfarrstelle verlieren.

Gestrichen werden soll zudem zum Ende des Jahres 2022 eine halbe Stelle für die Altenheim-, Krankenhaus- und Hospiz-Seelsorge. Statt dieser solle es künftig eine halbe Stelle für einen „Springer“ geben, so Fedler-Raupp. Da ein Großteil der Pfarrerinnen und Pfarrer im Dekanat älter als 55 Jahre sei, wachse die Wahrscheinlichkeit, dass es zu längeren Ausfällen durch Krankheiten komme. Bislang müssen die Kollegen einspringen. Die neue halbe Stelle könne für Entlastung sorgen, hofft der Dekan.

Entlastung wünschten sich viele Pfarrer und Kirchenvorstände auch jetzt schon wegen der vielen Verwaltungsarbeit. Im Dekanat soll daher vom kommenden Jahr an das Angebot der Landeskirche aufgenommen werden, Kita-Manager einzustellen. Dafür gebe es sogenannte GÜT-Stellen, so Fedler-Raupp, das Kürzel GÜT steht für „gemeindeübergreifende Trägerschaft“. Kirchenvorstände könnten selbst entscheiden, ob sie diese Entlastung annehmen, oder weiter selbst ihre Kinderbetreuungseinrichtungen verwalten.

Wo Gemeinden sich zu Kooperationen bereit fänden, wie es sie etwa bereits erfolgreich im Bereich Kirchenmusik gebe, werde ihnen zudem Entlastung in der Verwaltung in Aussicht gestellt. „Gemeindeassistenz“ heißt hier der Fachbegriff. Mit dem Gemeindepädagogischen Dienst habe man zudem schon jetzt „ein funktionierendes System der Unterstützung“.

Wie Dekan Fedler-Raupp erläutert, habe sich der DSV bewusst gegen eine Kürzung von Pfarrstellen in den fünf sehr kleinen Gemeinden mit weniger als 1000 Mitgliedern entschieden. Erste Prämisse für seinen Vorschlag sei gewesen, dass „in jeder Gemeinde eine Pfarrerin oder ein Pfarrer als Seelsorger dieser Gemeinde klar erkennbar bleibt.“ Klar sei, das künftig das Ehrenamt noch stärker gefragt sei, wenn es um die Gestaltung des kirchlichen Lebens gehe. Die Evangelische Kirche sei aber ja ohnehin „keine Pfarrerkirche“ sondern „Gemeindekirche“.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare