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Stadtrat Wolfgang Sittig (l.) freut sich riesig, als CDU-Fraktionschef Alexander Kurz (r.) ihm einen historischen ?Hofheim-Kurier?, eine Wahlkampfzeitung der Union, überreicht. Erster Stadtrat Wolfgang Exner beobachtet die Szene.

Wolfgang Sittig

50 Jahre Mitglied im Magistrat - Golddukaten für einen unermüdlichen Stadtrat

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50 Jahre gehört Wolfgang Sittig (CDU) dem Hofheimer Magistrat an. Dafür gab es am Mittwochabend nach der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung jede Menge Lob von der Bürgermeisterin und eine goldene Münze.

Hofheim. Ein wenig weiter machen wolle er ja schon noch, hat Stadtrat Wolfgang Sittig anlässlich seines außergewöhnlichen Jubiläums am 15. Januar dem Kreisblatt gesagt. Das zeigt, dass es ihm dabei um irgendwelche Auszeichnungen nicht gehen kann. Den großen Golddukaten der Stadt Hofheim hat Sittig aus der Hand von Bürgermeisterin Gisela Stang (SPD) bekommen, den kleinen Dukaten hat er schon und auch sonst alles, was die Kreisstadt an Auszeichnungen zu vergeben hat. An dem Punkt kann also nichts mehr kommen.

Es sei denn, man lässt sich auf höherer Ebene etwas einfallen. Denn dass jemand 50 Jahre Stadtrat ist, das gibt es in Hessen kein zweites mal, womöglich in ganz Deutschland nicht. Dahinter steckt vor allem eine Unmenge Arbeit. 2248 mal hat der Magistrat in diesen 50 Jahren getagt, das waren 4500 Sitzungsstunden – es würde 187 Tage dauern, wollte man dies am Stück erledigen. Dazu kommen viele andere Sitzungen, von den Ortsbeiräten bis zum Stadtparlament, und all die Berge von Unterlagen, die es dabei gibt, die wollen gelesen sein. Damit nicht genug, es gibt zahlreiche Termine, bei denen der Magistrat nach außen vertreten werden muss, und die Sittig erklärtermaßen gerne wahrnimmt.

Bürgermeisterin Stang würdigte Sittig als einen, der seinen Sachverstand und seine Lebenserfahrung unermüdlich einbringt, um für die Menschen in Hofheim etwas zu erreichen. Er habe dafür einen großen Teil seiner Freizeit geopfert und auch seiner Familie viel an Verzicht auf ihn abverlangt. Stang zitierte den früheren Stadtverordnetenvorsteher Wolfgang Vater, der Sittig einmal als „konstruktiven Querdenker“ bezeichnet hatte. Auch bei Stang klingt es zwischen den Zeilen immer wieder heraus: Ist Sittig von seinem Standpunkt überzeugt, zumal wenn er mit Sachkenntnis aus der Berufserfahrung als Ingenieur unterfüttert ist, dann kann er diesen Standpunkt auch sehr vehement vertreten.

Er selbst ließ durchblicken, dass er schon damit zu kämpfen hat, wenn eine Mehrheit gegen seine Überzeugung anders entscheidet. „Aber das ist dann halt Demokratie“, sieht er durchaus ein. Und das heißt auch nicht, dass er glaubt, keine Fehler zu machen.

Drei städtebauliche Entscheidungen benannte er im Rückblick als solche Fehler. Da ist der Abbruch einer riesigen Rindenscheune, die an der Straße Am alten Bach stand, da ist der Bau des Hochhauses für das Personal des Krankenhauses, und da ist – wegen seiner unbefriedigenden Architektur – das Chinon-Center. Die Auseinandersetzungen um das Chinon-Center sind vielen noch gut in Erinnerung – besonders „heftig gerauft“ aber habe man wegen der Altstadtsanierung, erinnert sich Sittig.

Ein paar Jahre zuvor, im Herbst 1968, sei er gefragt worden, ob er nicht auf der Liste der CDU für die Stadtverordnetenversammlung kandidieren wolle. Bei der Wahl stellte sich heraus, dass es nur für einen Nachrückerplatz gereicht habe. Als sich zwei Interessenten für den Magistratsposten aber gegenseitig blockierten, sei er der lachende Dritte gewesen,, „vorgeschlagen aus Verzweiflung.“ So wurde er „Mitglied im exklusivsten Club der Stadt.“ Einen neuen Chef dieses Clubs, einen neuen Bürgermeister nämlich, wird er noch erleben. Wer das wird, zeigt sich spätestens im April. Zuvor war Sittig bereits unter den Bürgermeistern Werner Schwichtenberg (Amtszeit von 1953 bis 1973), Friedrich Flaccus (1973 - 1989), Rolf Felix (1989 - 2001) und Gisela Stang (2001 -2019) Mitglied im Magistrat.

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