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Solarkraft hat wohl das Nachsehen

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Sicht aufs Landratsamt (rechts) samt geplantem Anbau (oben): Zu erkennen ist der "Landschafts-Dachgarten" auf dem Erweiterungsflügel.
Sicht aufs Landratsamt (rechts) samt geplantem Anbau (oben): Zu erkennen ist der "Landschafts-Dachgarten" auf dem Erweiterungsflügel. © MTK

Hofheimer Kreishaus: Beschäftigte sollen "opulenten Dachgarten" bekommen

Hofheim -"Ein rund 2000 Quadratmeter umfassender, kostspieliger Luxus-Dachgarten zur exklusiven Nutzung durch die Mitarbeiter des Kreishauses - kann man das den Steuerzahlern gegenüber vertreten? Und das Ganze zulasten einer großen Solaranlage, die nicht Geld gekostet, sondern erwirtschaftet hätte?", fragt der Hofheimer Claus Escher.

Zusammen mit zwei Mitstreitern hat Escher, der auf dem Hochfeld wohnt, im Mai 2021 einen Appell an Landrat Michael Cyriax (CDU) und Dezernentin Madlen Overdick (Grüne) gerichtet. Darin wird für die Installation einer Photovoltaik-Anlage auf dem Flachdach des zweigeschossigen Erweiterungsbaus geworben.

Überall werde Klimaschutz propagiert. Der Main-Taunus-Kreis ist selbst Mitglied in der Energiegenossenschaft Solar Invest. Von einer Solaranlage auf dem eigenen Dach des MTK-Landratsamts jedoch sei nicht die Rede, statt dessen solle es einen Dachgarten geben, so Escher. Auf Nachfrage sei erklärt worden, dass die Bevölkerung diese Anlage aus Sicherheitsgründen nicht werde betreten können.

Sicher habe eine Dachbegrünung ökologischen Nutzen, räumt Escher ein. Aber sie sei kostspielig in Anschaffung und Unterhaltung. Es wäre ungleich sinnvoller, das Dach mit einer Photovoltaik-Anlage (PV) zu bestücken. Die Dachfläche biete reichlich Platz für eine der wohl größten Solaranlagen des Kreises. Gegebenenfalls sei dies in Kombination mit einer Dachbegrünung möglich.

Landrat Cyriax antwortete darauf, dass die Nutzung der Sonnenenergie im Main-Taunus-Kreis "kein Lippenbekenntnis" sei. Man habe sie daher für die Erweiterung des Landratsamts vorgesehen. Geplant sei eine Anlage in einer Größenordnung von rund 120 kWp ("Kilowatt peak)", die auf dem Akzentbau sowie auf Teilen des Bestandsgebäudes zum Einsatz kommen soll.

Escher und seinen Mitstreitern geht das nicht weit genug. Selbst wenn man nur einen Teil der Gesamtfläche verwenden und es mit einem Gründach kombinieren würde, könnte die installierte PV-Leistung damit leicht verdoppelt werden, Abschattungseffekte durch Bestandsgebäude und Akzentbau eingerechnet. "Jedes ungenutzte Potenzial ist eine verpasste Gelegenheit zum Klimaschutz. Dazu könnte ein Solar-Gründach ein Vorzeigeprojekt des Kreises werden, da es die Vorteile von Dachbegrünung und Solarenergie kombiniert", so der Physiker Claus Escher.

Er ist enttäuscht vom Verhalten der Kreishaus-Spitze. Erste Kreisbeigeordnete Overdick habe ihm zwar einen Brief mit einer langen Liste von Klimaschutz-Projekten des Kreises geschickt. Mit keinem einzigen Wort aber seien von ihr oder Cyriax Gründe dafür genannt worden, warum das gesamte Dach des Erweiterungsbaus weder für eine einfache Solaranlage noch für ein Solar-Gründach genutzt werden könne.

"Wir werden hingehalten"

Ein bereits zugesagter Gesprächstermin mit Cyriax im Dezember 2021 wurde wegen Terminschwierigkeiten des Landrats abgesagt und bislang nicht neu anberaumt. Eine Anfrage beim Klimaschutzmanager des Kreises, Daniel Philipp, sei "mit Hinweis auf dessen Nicht-Zuständigkeit" ergebnislos geblieben. "Wir werden hingehalten, das ist unser deutlicher Eindruck. Eine Zoom-Informationsveranstaltung ,Sachstand zum Erweiterungsbau Landratsamt' am 9. Februar mit Herrn Cyriax und der technischen Verwaltung des Kreises hat uns dann die Augen geöffnet", sagt Escher.

Bei der in der Konferenz dargestellten Begrünung des Daches handele es sich um einen opulenten Landschaftsgarten - ein Refugium der besonderen Art. Dort könnten wegen der genannten Schicht von 50 bis 70 Zentimetern Erdsubstrat bis zu zehn Meter hohe Bäume wachsen. Geplant seien Wege, Sitzgruppen und Besprechungsbereiche. Auf einer solch grünen Insel sei natürlich kein Platz mehr für eine substanzielle Nutzung durch Photovoltaik.

Schon eine weniger aufwendige Grünanlage auf dem Dach würde in hohem Maße Klimavorteile mit sich bringen. Im Vergleich dazu brächte eine intensivere Begrünung als Landschaftsgarten mit Baumbestand keine wesentliche Verbesserung. Hinzu kämen höhere Kosten für die Herstellung (mindestens das Doppelte) der intensiven Begrünung. Und für die Statik, die wegen der erforderlichen Traglast anfielen.

Am 21. Februar schließlich schrieb das "Team Bauprojekte" des Kreises ihm, dass man seine Anregungen hinsichtlich der Errichtung von Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach des neuen Anbaus aufnehme. Aktuell würden bis voraussichtlich Ende März weitere Vorschläge gesammelt.

Escher ist allerdings zunehmend davon überzeugt, dass der teure Landschaftsgarten bereits beschlossene Sache ist. Vom Landratsamt des Main-Taunus-Kreises war bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe keine Stellungnahme zu erhalten. Jürgen Dickhaus

So sieht es aus, wenn Photovoltaik und Begrünung auf einem Dach kombiniert werden
So sieht es aus, wenn Photovoltaik und Begrünung auf einem Dach kombiniert werden © Claus Escher

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