+
Die anhaltende Trockenheit in den vergangenen Monaten hat besonders den jungen Bäumen zugesetzt. Förster Karlheinz Kollmannsberger zeigt eine vertrocknete junge Buche, die von Plastikröhren geschützten Weißtannen-Setzlinge im Hintergrund haben diesen Sommer ebenfalls nicht überlebt.

Bittere Bilanz

Sommer hat den Bäumen im Stadtwald zugesetzt

  • schließen

Die Neupflanzungen dieses Frühjahrs hat es hinweggerafft: Bis zu 90 Prozent der Setzlinge sind wohl verdorrt, weil es seit Anfang April kaum geregnet hat. Wie groß das Ausmaß der Schäden im Stadtwald wirklich ist, wird sich erst im kommenden Jahr zeigen.

Förster Karlheinz Kollmannsberger macht es momentan wenig Freude, im Wald unterwegs zu sein. Denn auch in seinem Revier wird immer mehr sichtbar, was die lange Trockenheit und die überdurchschnittlichen Temperaturen der vergangenen Monate angerichtet haben. „Das Landschaftsbild auch hier am Kapellenberg wird sich ändern“, sagt Kollmannsberger. Und er denkt dabei nicht an fernere Zeiten, sondern an das nächste Frühjahr. Bis dahin seien wohl die meisten Nadelbäume verschwunden. Denn Fichten und Lärchen sind in Folge der Trockenheit von Schädlingen befallen und müssen gefällt werden.

Besondere Sorgen mache ihm die Lärche, die eigentlich viel resistenter sei als die Fichte, erläutert der Fachmann. Doch die extremen Witterungsbedingungen haben auch dieser Nadelbaum-Art im Hofheimer Wald sichtlich zugesetzt. Der Fichtenbestand in seinem Revier sei mit sechs Prozent im Landesvergleich extrem gering, sagt Kollmannsberger. Daher seien die Schäden andernorts weit größer. Auf dem Feldberg etwa. „Da schauen die Kollegen dem Wald beim Sterben zu“, weiß der Förster.

Derart dramatisch sieht es in Hofheim nicht aus. Wie groß die Schäden tatsächlich sind, lässt sich aber derzeit noch schwer sagen. Früh braun geworden sind die Buchen. Schon seit August sähen sie nach Herbst aus, meint der Förster. Erst im nächsten Frühjahr, wenn die Bäume wieder ausschlagen, werde sich aber zeigen, ob und in welchem Ausmaß sie dauerhafte Trockenschäden erlitten haben. Seien Buchen komplett abgestorben, verliere ihr Holz schnell an Wert, weil es sich dunkel verfärbe. Da muss dann entschieden werden, ob es zu kleinem Preis vermarktet wird oder lieber als Totholz, das schnell von vielen Tierarten erobert wird, im Wald stehen bleibt. „Das wäre dann immerhin gut für den Artenschutz“, sagt Kollmannsberger.

Besser bestellt als um die Buchen ist es nach dem Urteil des Fachmanns um die Eichen. Am Beispiel eines Vertreters dieser Sorte, der direkt neben einer Buche steht, zeigt Kollmannsberger den Unterschied. „Während die eine längst braun ist, ist die andere noch grün.“ Bei jedem leisen Windstoß regnet es derzeit Eicheln. „Auf dem Boden liegen zum Teil schon regelrechte Eicheln-Teppiche“, macht der Revier-Chef auf eine weitere Folge der Trockenheit aufmerksam. Eine Überlebensstrategie der Art. „Auf gut deutsch gesagt steht dahinter: Man will sich noch mal vermehren, bevor man den Bach runter geht“, sagt Kollmannsberger mit einem Lächeln. Auch an Apfel- und Birnbäumen lasse sich das beobachten.

Die unterschiedlichen Böden im Hofheimer Wald waren in diesem Jahr der Wetterextreme von besonderer Bedeutung. Nach dem sehr nassen Frühjahr waren die gut speicherfähigen Böden auf der östlichen Hangseite des Kapellenbergs Richtung Viehweide für die Wald-Flora ein besonders großer Vorteil. „Auch in Marxheim haben wir sehr gute Böden“, weiß Kollmannsberger. An den Hängen oberhalb des Lorsbachtals, wo die Bodenqualität geringer ist, hat der Förster dagegen deutlich mehr Trockenschäden beobachtet.

Ganz besonders schlimm getroffen hat es die Neupflanzungen. Ob Weißtanne, Douglasie oder Wildobst, die allermeisten jungen Bäumchen sind verdorrt. Rund 5000 wurden im Frühjahr neu gesetzt. Mit 80 bis 90 Prozent Ausfall rechnet Kollmannsberger. Gut sei da nur, dass er mit der Baumschule einen Vertrag habe, dass diese 50 Prozent der Kosten für Ersatzpflanzungen übernehme.

Viel gepflanzt wird im Stadtwald eigentlich nicht. „Hofheim ist ein Naturverjüngungsbetrieb“, sagt der Förster. Doch auch der Laie sieht, was den Experten die Stirn runzeln lässt auf dem Weg durchs Revier: Recht viele junge Bäume in den unteren Stockwerken des Waldes scheinen komplett vertrocknet. Kollmannsberger bricht einen Zweig von einer rund eineinhalb Meter hohen Buche und zeigt: „Da ist kein Grün, kein Leben mehr..“ Keine Frage, dass er sich endlich Regen wünscht, „am besten lang und sanft.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare