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Typisch Flohmarkt: Sophie (9) erläuterte Ulrike und Klaus Ortlepp und ihrer Enkelin Emilia (4) ein Spiel, das sie selbst nicht mehr braucht.

Veranstaltung des Gewerbevereins

Der 15. Sommernachtsmarkt des IHH in Hofheim lockte die Massen

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Die Resonanz auf die Veranstaltung des Gewerbevereins war wieder top. Die Entwicklung vom Shopping-Abend zum Abend-Flohmarkt wirft aber auch Fragen auf.

Es war ein Sommerabend zum Genießen. Nach der eher lähmenden Hitze der vergangenen Wochen hatten offenbar sehr viele Menschen am Samstagabend Lust auf einen Bummel über den Sommernachtsmarkt. Die Straßen und Gassen der Altstadt jedenfalls waren bestens gefüllt, genauso wie die Cafés und Restaurants. Vor allem an den Tischen unter freiem Himmel brauchte es viel Glück, einen Platz zu ergattern. Zumindest für Mitglieder des Gewerbevereins Industrie Handel Handwerk (IHH) Hofheim dürfte der Sommernachtsmarkt also eine Super-Sache gewesen sein. Andere Gewerbetreibende sind sich da nicht ganz so sicher, dass Ihnen diese Veranstaltung tatsächlich etwas bringt. Heute Abend wird das Konzept deshalb auch ein Thema bei der IHH-Mitgliederversammlung sein.

Einige Ladenbesitzer hatten am Samstag gar nicht erst ihre Türen aufgeschlossen oder zumindest einen eigenen Stand vor der Ladentür aufgebaut, wie es Bettina Schäfer vor der Parfümerie in der Unteren Hauptstraße gemacht hatte. Der Aufwand, das Geschäft mit vollem Personaleinsatz zu öffnen, stehe in keinem Verhältnis zum Kundeninteresse, das eine derartige Veranstaltung mit sich bringe, zeigte sich Schäfer überzeugt. Denn der Sommernachtsmarkt habe sich im Laufe der 15 Jahre seines Bestehens immer stärker zum Flohmarkt entwickelt. „Es ist kein Night-Shopping mehr wie früher.“

Die Zeiten, als Geschäftsleute mit romantischer Beleuchtung, sommerlichen Drinks und Häppchen sowie Liegestühlen unter Palmen sich ihrer Kundschaft einmal ganz anders präsentierten, sind längst passé. Draußen vor dem Geschäft mit einem Tisch und ein paar Angeboten dabei zu sein, passe mittlerweile einfach besser zum Charakter der Veranstaltung, findet die erfahrene Geschäftsfrau.

„Präsenz zu zeigen, ist schon wichtig“, fand Kim Otto, Inhaberin der Buchhandlung Tolksdorf. Dass nicht alle mitmachten, sei „echt schade“. Dass der Sommernachtsmarkt in diesem Jahr eine Stunde früher anfing und endete, sei eine Verbesserung. Auch Otto zeigte sich aber „noch nicht so ganz glücklich“ mit dem Konzept. Eine andere Geschäftsfrau, die die Ladentür zugelassen hatte, mochte sich lieber gar nicht öffentlich dazu äußern. Der Flohmarkt an sich, die Leute, das Wetter und die Atmosphäre, „das alles ist aber toll“.

Schuhhändlerin Monika Benner steht selbst jedes Jahr mit einem privaten Flohmarkt-Stand auf der Straße, während sie den Verkauf im geöffneten Geschäft den Angestellten überlässt. „Ich finde es schön, ich treffe viele Leute, es macht Spaß“, so ihr Eindruck. Mit den Anfängen sei die Veranstaltung aber längst nicht mehr zu vergleichen. „Es ist jetzt ein Flohmarkt. Und das können wir gar nicht mehr zurückdrehen.

Bleibt die Frage, ob der IHH es weiter als seine Aufgabe ansehen wird, diese Art von Sommernachtsmarkt zu organisieren. Fest steht: Viele haben genau die Mischung, die sie am Samstag geboten bekamen, für sich als gut empfunden. Ulrike und Klaus Ortlepp aus Weilbach, die mit Enkelin Emilia unterwegs waren, gehörten dazu. „Ich finde die Stimmung ganz toll hier. Es ist ein richtiger Flohmarkt von privaten Anbietern, ohne Profis. Und die Atmosphäre in der Altstadt ist einfach genial“, schwärmte Ulrike Ortlepp. Einen für 2 Euro erstandenen Schneeanzug für das nächste Enkelkind, das im Winter erwartet wird, zeigte Ehemann Klaus vor zum Beleg, dass hier echte Schnäppchen zu machen seien. Enkelin Emilia hatte schon eine Puppe und ein Spiel vom eigenen Taschengeld gekauft.

Anne Hilge und Sabrina Winkhaus fanden es ebenfalls „cool“, beim Sommernachtsmarkt dabei zu sein, wenn auch in anderer Rolle, als Flohmarkt-Verkäufer. Ab 10 Euro Umsatz gab’s bei ihnen sogar ein Glas Prosecco gratis. Die beiden Frauen fanden aber vor allem die Uhrzeit „einfach genial“, denn für die meisten anderen Flohmärkte müsse man schließlich furchtbar früh aufstehen.

Wer auf italienische Schlager steht, kam in Höhe des Alten Rathauses auf seine Kosten. Hier verlockte ein Alleinunterhalter sogar den ein oder anderen zum Tanzen. Launigen Jazz von Kontrabass, Klarinette und Gitarre steuerte Bernd Hasel mit zwei Kollegen bei. Weil das Trio immer mal den Standort wechselte, ein besonders belebendes Element für einen sehr lebendigen Altstadt-Abend.

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