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"Sport ist der Kitt unserer Gesellschaft"

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Von: Walter Mirwald

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Der aktuelle Sportkreisvorstand, hinten von links: Claudia Michels, Richard Grützner, Vinzent Weber, Hans Böhl. Mittlere Reihe, von links: Sabine Klein, Ursula Groth, Kerstin Brestel, Kathrin Zimmermann. Und vorne von links: Gabriele Scholze-Kurz, Stefan Natterer und Katharina Dörr.
Der aktuelle Sportkreisvorstand, hinten von links: Claudia Michels, Richard Grützner, Vinzent Weber, Hans Böhl. Mittlere Reihe, von links: Sabine Klein, Ursula Groth, Kerstin Brestel, Kathrin Zimmermann. Und vorne von links: Gabriele Scholze-Kurz, Stefan Natterer und Katharina Dörr. © Knapp

Der Sportkreis Main-Taunus feiert seinen 75. Geburtstag nach. Unter seinem Dach versammeln sich 77 000 Mitglieder aus 208 Vereinen.

Hofheim/Kriftel. Der Sportkreis Main-Taunus, dem 42 Sportverbände mit derzeit rund 77 000 Mitgliedern in 208 Vereinen angehören, feiert am morgigen Freitag, 1. Juli, von 18 Uhr an im Casino des Landratsamts in Hofheim sein 75-jähriges Jubiläum. Der Sportkreis wurde 1946 gegründet. Wegen der Corona-Pandemie musste die Jubiläumsfeier aber um ein Jahr verschoben werden.

Der Sportkreis Main-Taunus ist ein Unterverband des Landesssportbundes Hessen, der - so steht es in der Satzung - "die Pflege des ganzheitlichen Sports fördert". Der Sportkreis ist Bindeglied zwischen dem Landessportbund und den Vereinen, hält die Nähe zur Politik, stellt sich den jeweils aktuellen gesellschaftlichen Themen und widmet sich der Aus- und Fortbildung der Vereinsmitgliedern - von den Übungsleitern bis zu den Vorständen.

Mehr Turner als Fußballer

Hans Böhl, der seit dem Jahr 2000 an der Spitze des Sportkreises steht, betont, dass der Sport "der Kitt unserer Gesellschaft ist" und unter den Schlagworten "Sport spricht alle Sprachen, Sport überwindet Grenzen" und basierend auf dem Ehrenamt ein wichtiger Baustein unserer demokratischen Struktur darstelle. Der mitgliederstärkste Verband im Sportkreis Main-Taunus, der seinen Sitz in der Krifteler Kreissporthalle hat, ist der Hessische Turnverband (Stand Ende 2021) mit 23 406 Mitgliedern vor dem Hessischen Fußballverband (12 121), dem Tennisverband (8105), dem Schwimmverband (4705) und den Handballern (4398).

Ein genaues Gründungsdatum des Sportkreises Main-Taunus ist nicht überliefert. Nach Auswertung der vorliegenden Dokumente wird davon ausgegangen, dass der Sportkreis im April 1946, also in turbulenten Nachkriegszeiten, gegründet wurde. Dem ersten Sportkreisvorstand gehörten an: Vorsitzender Georg Eberhard (FV 08 Neuenhain), Kreissportwart und Kreisjugendwart Johann (Hans) Zimmermann (TSG Münster), Kreisfrauenwartin Louise Adam (TSG Neuenhain) und Kreisfußballwart Karl Eckel (Hattersheim).

Schwieriger Neustart

Zunächst stand die Strukturierung des Sportbetriebs auf den noch vorhandenen Sportstätten im Mittelpunkt, mit dem Ziel, einen Sport-, Spiel-, aber auch Wettkampfbetrieb zu ermöglichen. Vereinseigentum war noch beschlagnahmt. Alle bis 1945 tätig gewesenen Vereine wurden von der Militärregierung aufgelöst und verboten.

Die Neubildung unter gleichem Namen war daher nicht erlaubt - insbesondere nicht, wenn der Vereinsname durch eine Jahreszahl auf ein Bestehen vor 1945 hinwies. Das waren also schwierige Zeiten für ehrenamtlich Tätige, die - selbst noch von der Kriegszeit gezeichnet - dem Vereinsleben und dem Sport neue Impulse geben wollten.

1956 starteten Lehrgänge, weil ein Mangel an Übungsleitern erkannt wurde. Auch viele Sporthallen fehlten im Kreisgebiet. 1960 stellte der Vorstand des Sportkreises den Antrag zum Bau einer Kreissporthalle.

Am 20. August 1965 wurde die Grundsteinlegung in Kriftel gefeiert. 1967 wurde Hans Zimmermann als Nachfolger des Gründungsvorsitzenden Georg Eberhardt neuer Sportkreisvorsitzender, der bis 1979 im Amt war. Ihm folgten Dieter Pawlak vom TV Eschborn (1979-1983), Lothar Gabriel vom Tennisclub Schwalbach (1983-2000) und schließlich Hans Böhl vom 1. Judo-Club Hofheim, der bis heute an der Spitze der Organisation steht.

Der Sportkreis Main-Taunus war und ist immer auf der Höhe der Zeit. Die Trimm-Dich-Aktion des Deutschen Sportbundes war an der Basis aufgenommen und umgesetzt worden, ebenso die Aerobic-Welle. Die Schulsporthallen standen bald für die Vereine zur Verfügung, und die erhielten Schlüsselgewalt für die Sportstätten. Gesundheitssport, Umweltschutz, Initiativen wie "Mehr Bewegung in den Kindergarten", die Forcierung der Sportabzeichen-Abnahme waren und sind Themen des Sportkreisvorstandes.

EXTRA: Das Thema Gesundheit gewinnt immer mehr an Bedeutung

Hans Böhl ist ein Glücksfall für den Sportkreis Main-Taunus. Seit dem Jahr 2000 steht der 67 Jahre alte Pädagoge und Erziehungswissenschaftler, der langjähriger Aktiver und Vorsitzender des Judo-Clubs Hofheim war, als Vorsitzender an der Spitze des Sportkreises Main-Taunus. Das hat nichts mehr mit der einst kritisch oder auch liebevoll betitelten "Vereinsmeierei" zu tun. Das ist mittlerweile ein Ehrenamt, in dem gesellschaftspolitische Weichen gestellt werden. Ein Amt, in dem die Werte des Sports, seiner Vereine und seiner Mitglieder dargestellt und immer wieder verteidigt werden müssen.

Und das macht Hans Böhl mit großem Engagement im Sportkreis Main-Taunus, obwohl er vor sechs Jahren nach Darmstadt umgezogen ist, weil seine Frau, eine Ärztin, dort ihren Einsatz- und Arbeitsplatz gefunden hat.

Beim Blick zurück auf seine 22-jährige Amtszeit betont er, dass das Thema Gesundheit und Sport eine immer größer werdende Rolle spielt. Wichtig für ihn ist die Verbindung der Sportvereine zu Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen. Da müsse gewährleistet sein, dass die Erzieherinnen und Erzieher so umfangreich ausgebildet sein müssen, um auch dem sportlichen Aspekt gerecht werden zu können.

Hans Böhl spricht von der gesellschaftlichen Verantwortung des Sports in Krisenzeiten. Von der Flüchtlingssituation 2015 bis hin zu der aktuellen Situation mit den Flüchtlingen aus der Ukraine. "Der Sport hilft immer", sagt Hans Böhl und begrüßt, wie überall im Land die Vereine die Flüchtlinge aufnehmen und betreuen.

Er lobt, wie die Sportvereine die Corona-Situation überbrückt und mit den Online-Begegnungen neue Welten erschlossen haben. Aktionen, die auch in der Zukunft mehr genutzt werden als früher. Für Hans Böhl ist klar: "Der Sport steht nie still. Der Sport bewegt die Gesellschaft." wm

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