+
Phantastisch: Das von Max Rose gestaltete Wasserbecken im Park des Blauen Hauses.

Kunstführung

Auf den Spuren berühmter Maler im Hofheimer Stadtmuseum

  • schließen

Eine besondere Führung gab es jetzt im Rahmen der Sonderausstellung „Malgründe“ im Hofheimer Stadtmuseum. Sie führte dorthin, wo die Künstler lebten und arbeiteten – und bot nur dieses eine Mal Gelegenheit, das Blaue Haus von der Seite zu sehen, die auch die Maler inspirierte.

„Ich bin mal gespannt, ob wir jetzt im Blauen Haus etwas wiedererkennen, was wir in der Ausstellung gesehen haben“, sagt der Herr in den Sechzigern zu der Frau, die neben ihm im Foyer des Stadtmuseums auf das Startsignal zum Aufbruch in Richtung Kapellenberg wartet. Eine Antwort kennt die Hofheimerin schon, weil sie im Garten des Blauen Hauses mal als Gärtnerin Hand angelegt hat: „Die große Kastanie“, sagt sie. Dann gibt Monika Öchsner das Zeichen, dass es los geht. Die Kunsthistorikerin hat die Gruppe zunächst durch die Sonderausstellung „Malgründe“ geführt, nun steht ein Spaziergang zu den Künstlerhäusern auf dem Kapellenberg an. Dass die „immer nur an Leute mit Geld gehen“, und damit der Öffentlichkeit entzogen seien, finde sie nicht schön, sagt eine Teilnehmerin zu der neben ihr laufenden Frau. „Ein Café oder so etwas würde ich daraus machen.“

Das „Bunte Haus“

Über die Straße Am alten Bach, wo Öchsner kurz Halt macht, um zu zeigen, wo einmal das „Bunte Haus“ stand, ein kleines Geschäft für Kunsthandwerk der Künstlerin Friedel Schulz-Dehnhardt, geht es zur Kurhausstraße. An der Stelle, an der die Kapellenstraße abzweigt, gibt es wieder einen Stopp. Zum einen, um das Haus auszumachen, mit dessen Bild der Künstler Hans Fähnle in den „Malgründen“ vertreten ist. Zum anderen will Öchsner an diesem Punkt deutlich machen, welches Ausmaß der Park des „Blauen Hauses“ von Hanna Bekker vom Rath ursprünglich gehabt hat. „Das Grundstück ging bis hier unten hin“, zeigt sie. „Das war schon groß!“, lautet eine der überraschten Reaktionen.

Monika Öchsner zeigt alte Bilder vom Roederstein?schen Atelierhaus, das links im Hintergrund zu erkennen ist.

Auch das Blaue Haus selbst ruft bei denen, die zum ersten Mal davor auf dem Bürgersteig stehen, Erstaunen hervor. „Oh, wie schön, das ist ja wirklich von außen ganz toll!“, schwärmt eine Frau. „Das ist ja riesig. Ich hatte mir da ein viel kleineres Haus vorgestellt“, räumt eine andere ein. Hausherrin Dr. Friederike Lohse hat zugestimmt, dass die Gruppe auch in den Garten darf und öffnet selbst das Tor. „Schade, dass wir nicht hinein dürfen“, raunt eine Teilnehmerin.

Farbenprächtiges Mosaik

„Dürfen Fotos gemacht werden?“, fragt Öchsner. Das erlaubt die heutige Eigentümerin der denkmalgeschützten Villa, in der bis 1983 die Kunsthändlerin, Mäzenin und Malerin Hanna Bekker vom Rath, umgeben von einer reichen Kunstsammlung lebte und vielen ihrer befreundeten Künstlerkollegen Gastgeberin war. Dass die Zimmer des Hauses heute zwar anders eingerichtet, aber ansonsten noch so wie zu Bekkers Zeit erhalten sind, erfahren die Besucher auf Nachfrage. Sie bewundern die blau gestrichene Holzveranda, die sie schon auf Bildern von Karl Schmidt-Rottluff, Hanna Bekker und Ida Kerkovius im Museum gesehen haben. Genauso wie das von Max Rose gestaltete Wasserbecken, dessen farbenprächtiges Mosaik nicht nur Monika Öchsner „phantastisch“ findet.

„Da ist ja noch immer die Bank am Kastanienbaum“, stellen gleich mehrere Besucher fest. Aus den Zeiten von Hanna Bekker sei sie aber nicht mehr, klärt Lohse auf. Sie sei einfach nur auf dieselbe Idee gekommen und habe erst später erfahren, dass es solch eine Rundbank schon einmal gegeben habe, sagt Lohse. Artig bedankt sich die Gruppe mit Applaus für das Entgegenkommen, ihr den Privatbesitz zu öffnen.

Monika Öchsner hat an diesem grauen Samstagnachmittag aber noch einiges mehr zu zeigen. Etwa, wo sich das Haus von Fotografin Martha Höpffner, das nicht erhalten ist, in der Kapellenstraße befand. Das Haus der Malerin Ottilie W. Roederstein steht noch, befindet sich aber ebenso in Privatbesitz wie Roedersteins 1911 erbautes Atelierhaus im Dr. Heimen-Weg, in dem später Ernst Wilhelm Nay und Siegfried Reich an der Stolpe gelebt und gemalt haben. Auch ihren Werken ist die Gruppe schon im Stadtmuseum begegnet.

„Ein Jammer“

Dass das charakteristische, tief hinunter gezogene Dach der Roederstein-Villa neu mit Biberschwänzen eingedeckt wurde, wird kritisch kommentiert. „Den Schiefer fand ich passender“, sagt eine der wenigen Hofheimerinnen in der Gruppe. Eine andere findet es „einen Jammer, dass die Stadt Hofheim keines dieser Häuser mal erworben hat“. Das sei sicher auch eine Frage der Finanzen, meint Monika Öchsner, die anmerkt, auch der Main-Taunus-Kreis oder das Land hätten dafür eintreten können. Eine Teilnehmerin meint, zumindest für Plaketten, auf denen festgehalten sei, wer in den Häusern mal gewohnt habe, hätte die Stadt längst sorgen müssen.

Einen öffentlichen Hinweis auf das Haus einer Künstlerin findet die Gruppe zum Schluss doch noch. Er hat aber einen anderen, düsteren Hintergrund. Denn bei der Erinnerung an Emma Kopp, die Jüdin war, handelt es sich um einen sogenannten „Stolperstein“, der an die verfolgten und ermordeten Menschen während der Schreckensherrschaft der Nazis erinnert.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare