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Aus der Vogelperspektive zeigt sich besonders gut das ganze Ausmaß des Anwesens Hof Ehry, für das die Stadt nun einen Investor sucht.Archivfoto: Knapp

Hof Ehry

Stadt möchte das Anwesen in der Burgstraße verpachten

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Was wird aus dem ehemaligen Haus der Jugend in der Burgstraße? Der Entscheidungsprozess hat begonnen, eine Tendenz zeichnet sich ab.

In einem Punkt wird es, nach jetzigem Stand der Dinge, keine Diskussion geben. Der Hof Ehry, Burgstraße 26, der sich in städtischem Besitz befindet, wird nicht verkauft. Der Magistrat begründet dies mit der zentralen Lage des Anwesens, seiner Geschichte und mit der strategischen Bedeutung des Anwesens. Gemeint ist, dass es an städtebaulich wichtiger Stelle und im Dreieck zwischen Wasserschloss, Kellereigebäude und Stadtmuseum liegt. Das alles spricht für eine öffentliche Nutzung. Das ist auch der Wille der Stadtverordneten. Im Haupt- und Finanzausschuss der Stadtverordnetenversammlung gab es eine breite Mehrheit für den Vorschlag, dass ein privater Investor das Anwesen pachten oder in Erbpacht bekommen soll. Er hat dann die Aufgabe, die Gebäude auf eigene Kosten zu sanieren und dort eine attraktive gewerbliche Nutzung unterzubringen. Diese soll auch zu einer Belebung der Innenstadt beitragen. Gefunden werden soll ein privater Investor durch einen Ideenwettbewerb.

Eine Alternative wäre der Bau von Wohnungen. Vier bis fünf könnten im Haupthaus und im Nebengebäude entstehen, es müsste mit rund einer Million Euro Sanierungskosten gerechnet werden. Der Magistrat hat ausgerechnet, dass die Hofheimer Wohnungsbau, sollte sie das Projekt realisieren, mit Mietpreisen von 12 Euro pro Quadratmeter kalkulieren müsste. Diese Idee wäre ganz nach dem Geschmack der Grünen, zumal, wie Fraktionschef Daniel Philipp erklärte, an der Bücherei weniger Wohnungen entstehen sollten als anfangs geplant. SPD-Mann Christian Matz warnt dagegen vor solchen Ideen. Es müsse nur ein Mieter einziehen, der sich an dem Lärm störe, und auf dem Kellereiplatz könne kein Fest mehr abgehalten werden.

Für die vom Magistrat genannte dritte Alternative, dass das Innovationszentrum aus der Feldstraße ins Stadtzentrum umziehen könne, kann sich keiner erwärmen. Von einer „abwegigen Idee“, sprach die Linken-Stadtverordnete Barbara Grassel – das bestehende Innovationszentrum sei voll belegt und in der Burgstraße sei weniger Platz. Tatsächlich wurden auch keine Stimmen dafür laut, diese Linie weiter zu verfolgen. Die Grünen brachten auch noch einmal die Idee ins Gespräch, das Stadtarchiv in den Hof Ehry zu verlegen. CDU-Mann Michael Henninger wandte zwar ein, dass das Stadtarchiv mit seinen geringen Besucherzahlen sicher nicht geeignet sei, für eine Belebung des Platzes zu sorgen. Aber es ist bekannt, dass bis weit in die Rathauskoalition hinein der Plan, das Stadtmuseum in das ehemalige Feuerwehrhaus Diedenbergen zu verlegen, als unpassend gilt.

Henninger seinerseits wies auf fehlende Übernachtungsmöglichkeiten in Hofheim hin und kann sich einen Betrieb nach dem Bed-and-Beakfast-Modell vorstellen. Wobei sich durchaus die Frage stellt, ob dies wirklich eine Belebung der Innenstadt bringt, und eine Lösung für die dabei sicher nachzuweisenden Parkplätze drängt sich auch nicht gerade auf.

Für Freie Wähler und Freidemokraten hat die jetzt gewählte Vorgehensweise jedenfalls den Charme, dass eine breite Palette künftiger Nutzungsmöglichkeiten nicht ausgeschlossen wird. „Ich freue mich darauf zu sehen, welche Vorschläge von den Investoren kommen“, so der FWG-Fraktionsvorsitzende Andreas Nickel. Erster Stadtrat Wolfgang Exner betonte noch, dass mit der jetzigen Entscheidung das letzte Wort noch nicht gesprochen sein müsse. Was vor allem für den Fall gelten dürfte, dass keiner der Investorenvorschläge den Beifall der Stadt findet.

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