Werke von Karl Schmidt-Rottluff bis Hermann Haindl

Stadtmuseum feiert 25. Geburtstag: So sahen Künstler Hofheim

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Aus Berlin sind sie genauso leihweise „heimgekehrt“ wie aus Dresden, Ascona oder Winterthur. Hofheimer Motive, von berühmten wie unbekannteren Malern festgehalten, zeigt das Stadtmuseum von Sonntag an in einer exquisiten Ausstellung.

Die Idee hatte Eva Scheid schon länger im Kopf. Seit mindestens zwei Jahren arbeitet die Leiterin des Hofheimer Stadtmuseums konkret an der Umsetzung. Das Ziel: Zum 25-jährigen Bestehen des Hauses sollte den Besuchern ein besonderes Schmankerl präsentiert werden können. Hofheim als Motiv – das war der Leitgedanke. Fast hat es die Kulturanthropologin und Kunsthistorikerin Scheid dann selbst überrascht, welch große Zahl möglicher Ausstellungsstücke sie im Vorfeld ausmachen konnte. Selbst, wenn sie nicht auf alle Anfragen nach Leihgaben eine positive Antwort erhalten hat: Was da in den vergangenen Tagen so angeliefert worden ist an hochkarätiger Kunst, und was das Museum dazu dem eigenen Fundus entnehmen konnte, das ergänzt sich zu einer exquisiten Ausstellung. „Malgründe“ ist sie doppelsinnig überschrieben.

Karl Schmidt-Rottluff ist nicht von ungefähr am stärksten vertreten. „Er hat einfach die meisten Hofheim-Motive erstellt“, erläutert Scheid. Der weltberühmte Expressionist hielt sich von 1932 bis 1972 regelmäßig über längere Zeit in Hofheim auf. Im damals noch weitläufigeren Park ihres „Blauen Hauses“ am Kapellenberg stellte ihm Hanna Bekker vom Rath von 1954 sogar an ein Atelier zur Verfügung. Aus dem Künstler-Kreis des Blauen Hauses kommen viele weitere der Ausstellungsstücke. Auch Hanna Becker selbst, Ida Kerkovius oder Ernst Wilhelm Nay haben mit Zeichenstift oder Pinsel Hofheimer Ansichten festgehalten.

Vielfach sind es das heute im Privatbesitz befindliche, denkmalgeschützte Blaue Haus und sein Garten, die inspirierten. Das gilt etwa für die Prachtstücke unter den Schmidt-Rottluffs, „Veranda mit Sonnenschirm“ (um 1960) oder „Heißer Taunuspark“ (1950), beide vom Brücke-Museum in Berlin nach Hofheim ausgeliehen. Auch der Taunuswald und die Altstadt mit der markanten Pfarrkirche St. Peter und Paul begegnen dem Betrachter expressionistisch verfremdet.

Doch die Ausstellung beschränkt sich nicht auf eine Epoche und nicht auf die ganz großen Namen. Ihr Ansatz ist weiter und gerade auch das bisher Unbekanntere lohnt mehr als nur einen Blick.

Hermann Haindl, mit so schönen Werken wie „Kirche mit Althofheim“(1958) oder „Unser Garten in der Eichendorffstraße“ (1955) vertreten, muss man in Hofheim niemandem vorstellen. Genauso wenig wie Ludwig Meidner. Aber Luigi Coppa? Hanna Bekker habe ihn auf Ischia kennengelernt und nach Hofheim eingeladen, weiß Eva Scheid. Die Wand seines Cafés habe sich Franz Staab von ihm mit Hofheimer Motiven bemalen lassen, berichtet die Museumsleiterin. Leider sind sie nicht erhalten, wohl aber Coppas Aquarelle unter dem schlichten Titel „Hofheim, 1957“, die zu den unbekannteren Ausstellungs-Beiträgen gehören.

Von Friedel Schulz-Dehnhardt, Ev Grüger, Heinz-Rudi Müller, Karl Malkmus, Franz Fritzen oder Karl Degener stammen weitere Bilder, die auf ganz unterschiedliche Art ein Stück Hofheim einfangen. Insgesamt 28 Künstlerinnen und Künstler sind in den beiden Ausstellungsräumen vertreten. Auch Ottilie W. Roederstein fehlt natürlich nicht. Sie habe „schon vor 1914 die Schönheit von Hofheim entdeckt“, hat Hanna Bekker einmal notiert.

Erzählen kann Eva Scheid zu jedem der mehr als 100 Hofheim-Motive, die das Stadtmuseum für die kommenden Wochen unter seinem Dach vereint, und zu ihren Urhebern vieles. Von dem kleinen Atelierhaus etwa, das früher zum Roedersteinschen Besitz gehörte, und in dem mit Ernst Wilhelm Nay, Siegfried Reich an der Stolpe und Eugen Mahler nacheinander gleich drei Künstlergenerationen gelebt und gemalt haben. Mancher ältere Hofheimer könne sich auch noch erinnern, Karl Schmidt-Rottluff mit seinen Malutensilien im Wald am Kapellenberg begegnet zu sein. Warum der Däne Anders Andersen-Lundy den Blick über Hofheim hinweg bis zur Bergstraße festhielt, auch das hat sie recherchiert. Nicht nur der Bilder wegen lohnt daher der 224 Seiten starke Katalog zur Ausstellung, der im Museum erworben werden kann.

Eröffnet wird die Sonderausstellung „Malgründe“ am Sonntag, 4. November, um 11.15 Uhr. Sie ist dann bis zum 3. März zu sehen.

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