Samstagvormittag vor dem Kiosk in Lorsbach: Peter Gross trägt sich in die Liste von Ortsvorsteher Dieter Kugelmann (hinten) ein.
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Samstagvormittag vor dem Kiosk in Lorsbach: Peter Gross trägt sich in die Liste von Ortsvorsteher Dieter Kugelmann (hinten) ein.

Protest

Straßensperrung: "Dann gehen wir hier am Krückstock"

  • vonManfred Becht
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Lorsbachs Ortsvorsteher Dieter Kugelmann organisiert eine Unterschriftensammlung gegen die geplante Vollsperrung der L 3011.

Lorsbach. -Es werde viel geredet, aber zu wenig gehandelt, sagt Lorsbachs Ortsvorsteher Dieter Kugelmann. Das meint er auch mit Blick auf die drohende erneute Vollsperrung der Landesstraße nach Hofheim wegen der Sanierung der Stützmauer zum Mühlbach in der Klärwerkskurve. Deshalb hat der CDU-Politiker - in seiner Eigenschaft als Ortsvorsteher, wie er betont - eine Unterschriftensammlung organisiert. Damit will er dem Hofheimer Magistrat Beine machen.

Unklar ist, wann genau die Arbeiten an der L 3011 weitergehen sollen - Probebohrungen hat es, unter Vollsperrung, bereits gegeben. Die Landesstraßenbehörde Hessen Mobil hatte dieser Zeitung gegenüber erklärt, dass in diesem Jahr Rodungsarbeiten stattfinden sollen, außerdem werden Leitungen verlegt. Wieder soll die Straße dafür voll gesperrt werden. Einen Termin für den eigentlichen Neubau der Stützmauer hat die Wiesbadener Behörde bisher nicht mitgeteilt.

Kugelmann will darauf aber gar nicht erst warten. Zu einer erneuten Vollsperrung dürfe es nicht kommen, so der Lorsbacher Ortsvorsteher. Bis zu fünf Tagen sei eine solche Regelung hinnehmbar, etwa um Baumaschinen an Ort und Stelle zu bringen. Länger dürfe dies aber nicht dauern. Kugelmann erinnert daran, dass die Lorsbacher Geschäfte und Betriebe sowohl durch die vielen Sperrungen der vergangenen Jahre und jetzt auch durch die Corona-Pandemie große Probleme hätten. Es könne nicht sein, dass die noch übrig gebliebenen Einzelhändler im Dorf durch eine erneute Sperrung in den Ruin getrieben würden. "Wenn das kommt, gehen wir hier am Krückstock."

Der Ortsvorsteher kennt aber noch mehr Argumente. Man könne nicht über Umweltschutz reden und dann alle Autofahrer auf extrem lange Umwege schicken, weist Kugelmann etwa auf Tausende von Pendlern hin - vor allem aus dem Raum Eppstein -, die die L 3011 nutzen. Denken müsse man außerdem an die Einsatz- und Rettungsfahrzeuge. Alles in allem: Eine wochenlange Vollsperrung sei nicht hinnehmbar. Der Magistrat solle sich deshalb bei Hessen Mobil dafür einsetzen, dass es dazu nicht kommt.

Offenbar sehen das viele Lorsbacher genauso. Ausgelegt habe er die Unterschriftenlisten in der Apotheke und beim benachbarten Kiosk, berichtet Kugelmann. Schon nach einem Tag hätten mehr als 50 Lorsbacher unterschrieben. Wie lange die Aktion noch läuft, lässt der Ortsvorsteher einstweilen offen.

Dafür weiß er aber, was die Probleme mildern könnte - eine einspurige Verkehrsführung zumindest für Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen, geregelt durch eine Behelfsampel. Hessen Mobil hat argumentiert, dafür reiche der Platz nicht aus, es müssten auch Sicherheitsabstände zwischen Baumaschinen, Bauarbeitern auf der einen Seite und dem laufenden Verkehr auf der anderen Seite eingehalten werden. Dann müsse eben eine provisorische Fahrspur nebenan angelegt werden, lässt Kugelmann sich nicht ins Bockshorn jagen. Mit dem Eigentümer der dafür notwendigen Flächen müsste es bei etwas gutem Willen eine Einigung geben. bt

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