Ausbildungsmesse

Studium ist nicht das Allheilmittel

Lieber an die Uni gehen oder eine Ausbildung absolvieren? Vor dieser Frage stehen zahlreiche Schulabgänger. Bei der Ausbildungsmesse konnten sich etwa 600 Jugendliche einen Überblick über die vielfältigen Möglichkeiten verschaffen.

Dem Gedränge auf den Fluren nach zu urteilen, ist das Interesse an Ausbildungsberufen groß. „Starte in Deine Zukunft!“ heißt es nämlich mal wieder in der Brühlwiesenschule, Gastgeber der dritten Ausbildungsmesse, die vom Main-Taunus-Kreis und der Agentur für Arbeit Bad Homburg in Kooperation durchgeführt wird. Deren Vorsitzender der Geschäftsführung, Matthias Oppel, ist stolz: „Diese Ausbildungsmesse hat sich bereits bewährt. Weder im Hochtaunuskreis noch im Kreis Groß-Gerau gibt es eine Veranstaltung, die so viele Schüler, Schulen und Arbeitgeber zusammenbringt.“ Rund 40 Betriebe präsentieren sich in diesem Jahr, und erwartet werden über 600 Schüler, die sich vier Stunden lang über diverse Ausbildungsberufe, ob im Handwerk oder Dienstleistungsbereich, und duale Studiengänge informieren können.

„Gerade aus dem handwerklichen Bereich hatten sich dieses Mal mehr Betriebe angemeldet, da wir hier einen hohen Fachkräftebedarf verzeichnen. Denn trotz bester Berufsaussichten, ist das Handwerk bei den Jugendlichen nicht besonders populär.“ Eine Ausbildungsmesse macht den jungen Menschen viele Tätigkeitsfelder erleb- und greifbar. „Umgekehrt können auch Schüler mit schwächeren Noten im persönlichen Dialog auf sich aufmerksam machen“, ergänzt er. Zwar bemühen sich nicht alle Bewerber direkt im gleichen Jahr um eine Ausbildung, aber nicht selten enden schon die Gespräche am Stand direkt im Abschluss eines Ausbildungsvertrags.

Grundsätzlich seien in allen Branchen noch Studien- und Ausbildungsplätze frei. Auch für die Bundesagentur für Arbeit sucht Matthias Oppel noch die geeigneten Bewerber, was er unter anderem auf die sinkende Zahl an Schulabgängern zurückführt: „In unseren drei Landkreisen sind das pro Jahr rund 200 Jugendliche weniger. Dieses Defizit kann durch die Zahl der Schüler, die durch Migration hierher kommen, nur mengenmäßig kompensiert werden, nicht aber, was das Abschlussniveau betrifft. Zwar sind mangelhafte Deutschkenntnisse in einem Handwerksbetrieb weniger ein Problem, da sich die Meister sehr engagiert um ihre Schützlinge kümmern, aber für die Berufsschule ist mindestens ein C1-Sprachniveau erforderlich.“

Laut der Experten geht die Tendenz nach wie vor zum Studium, derzeit gehen etwa gleich viele Absolventen zur Hochschule beziehungsweise in eine Ausbildung. „Volkswirtschaftlich wäre ein Verhältnis 1:2 allerdings besser. An den hohen Abbrecherquoten im Studium sieht man ja auch, dass vielfach eine Ausbildung der bessere Weg gewesen wäre. Ein Studium ist als Aufbau oder dualer Bildungsweg eine tolle Ergänzung, im Unternehmen gewonnenes Wissen weiter auszubauen, aber eben nicht das Allheilmittel“, so Oppel. „Wir benötigen ausbildungsfreudige junge Menschen, die ihren beruflichen Weg im Unternehmen und nicht im Hörsaal beginnen wollen. Wer eine fundierte duale Ausbildung vorweisen kann, ist für die Zukunft sehr gut gerüstet, auch finanziell.“

Wolfgang Kollmeier, Erster Kreisbeigeordneter des Main-Taunus-Kreises, der die Messe eröffnete, liegt das Thema ebenfalls sehr am Herzen: „Die duale Ausbildung ist eine hervorragende Alternative zum Studium und vor allen Dingen keine Einbahnstraße, denn man kann auch danach noch studieren. Deswegen drücke ich sowohl allen Betrieben die Daumen, dass sie geeignete Auszubildende finden, als auch den Schülern, dass sie die richtige Wahl treffen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare