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Suche nach der großen Lösung für den Innenstadtverkehr

  • VonManfred Becht
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Magistrat will Wettbewerb zur Verkehrsführung - Gibt es Alternativen zum Verteilerkreisel?

Hofheim -Seit Jahrzehnten ist der Verteilerkreisel das Herzstück der Verkehrsführung in Hofheim. Über die Alte Bleiche, den westlichen Abschnitt der Hattersheimer Straße und einen kleinen Teil der Elisabethenstraße fließt der Löwenanteil des Verkehrs durch die Innenstadt. Aber ist das sinnvoll, muss es so sein, oder gibt es andere Möglichkeiten? Das sind Fragen, die jetzt aufgerufen werden im Zusammenhang mit der Umgestaltung des Busbahnhofes.

Das Projekt wurde bekanntlich im vergangenen Jahr auf Eis gelegt, vor allem aus finanziellen Gründen. Ein gewisses Unbehagen mit den Planungen war aber in jeder Diskussion zu spüren, und das nicht nur bei der Opposition. Dass dies auch für den Magistrat gilt, zeigt nun dessen Vorschlag, für die Innenstadt einen verkehrsplanerischen Wettbewerb durchzuführen.

Das Problem mit dem Busbahnhof

Im Bauausschuss der Stadtverordnetenversammlung stand der Vorschlag zwar schon auf der Tagesordnung, wurde aber nicht besprochen, weil durch die Debatte zu anderen Themen keine Zeit mehr übrigblieb. Aber der Vorschlag liegt auf dem Tisch und wird sicher noch im Herbst aufgerufen. Da völlig offen ist, welche Ergebnisse der verkehrsplanerische Wettbewerb bringt, wird es aber noch länger dauern, bis wieder über den Busbahnhof gesprochen wird.

Das ist problematisch. Eigentlich gibt es die gesetzliche Vorgabe, alle Bushaltestellen bis zum Beginn des kommenden Jahres barrierefrei zu machen. Das ist auf keinen Fall zu schaffen. Die Frist wird nicht geringfügig, sondern deutlich überschritten. Über die Forderung, wenigstens provisorisch Barrierefreiheit herzustellen, wurde öffentlich nicht gesprochen, auch in der aktuellen, sehr ausführlichen Vorlage des Magistrats ist davon nicht die Rede.

Pläne für Fußgänger- und Fahrradbrücke

Umgebaut werden soll, wie es dort heißt, im nächsten Jahr das Vorfeld des Bahnhofs. Dort soll mehr Platz für Busse geschaffen werden, denn wenn sich dort derzeit vier Fahrzeuge treffen, gibt es Behinderungen für den Verkehr auf der Straße. Zurzeit ist die Haltestelle dort nur zum Aussteigen vorgesehen.

Der verkehrsplanerische Wettbewerb ist jedenfalls der Versuch, eine große Lösung zu finden für den Innenstadtverkehr. Das Gebiet, um das es geht, reicht von der Rheingaubrücke bis zum Parkplatz am Untertor und vom Beginn der Wilhelmstraße bis zum Güterschuppen am Bahnhof. Einbezogen werden sollen auch die Pläne für eine Fußgänger- und Radfahrerbrücke zum Hochfeld und die Frage, ob das Gelände des Parkdecks am Bahnhof in irgendeiner Form einbezogen werden kann.

Der Schwerpunkt liegt aber auf der Frage, ob es eine Alternative zum Verteilerkreisel gibt. Ein Gutachter hat der Stadt ins Stammbuch geschrieben, dass die Führung der B 519 über die Alte Bleiche die Fußgänger und Radfahrer erheblich behindert. Auch ein vom Land durchgeführter sogenannter Nahmobilitätscheck hat ergeben, dass die Trennung der Innenstadt vom Busbahnhof durch eine vielbefahrene Bundesstraße ein großes Problem ist.

Auskragung über den Schwarzbach?

Dabei zeigt die Vorlage des Magistrats, dass es noch weitere offene Fragen im Zusammenhang mit dem Umbau des Busbahnhofes gibt, über die bislang öffentlich kaum gesprochen wurde. Ob die geplante Auskragung über den Schwarzbach machbar ist und was sie kostet und welchen Aufwand der Ausgleich des Eingriffes in die Natur bedeutet, das ist noch gar nicht untersucht.

Auch das Schicksal des Kiosks ist unklar - er steht auf Privatgelände, und der Eigentümer wünscht sich eine Verlagerung in Richtung der Tankstelle. Das kann sich die Verwaltung nicht so gut vorstellen und spricht, falls man sich nicht einig wird, davon, "die Eigentumssituation im Rahmen eines öffentlich-rechtlichen Verfahrens zu klären." Ein Enteignungsverfahren aber, das ist auch klar, ist nicht geeignet, Tempo in das Thema zu bringen.

Kommentar: Erneutes Nachdenken ist angemessen

Keine Frage, es ist vernünftig, die Verkehrsführung in der Innenstadt einmal grundsätzlich zu durchdenken. Durch irgendwelche Tabus sollte man die Phantasie der Planer dabei nicht unnötig einengen. Vor allem auch nicht durch ein Festhalten an einer Planungsvariante, deren Umsetzung viel Aufwand bedeutet, die aber zu wenige zusätzliche Kapazitäten für den Busbahnhof bringt. Womöglich haben die finanziellen Einschnitte, ausgelöst durch die Corona-Pandemie, die Stadt vor Stückwerk bewahrt.

Unverständlich ist aber, dass im nächsten Jahr der Platz vor dem Bahnhof umgebaut werden soll. Wenn nicht alles täuscht, dann kann weniger Verkehr auf der Alten Bleiche nur bedeuten, dass es mehr Verkehr vor dem Bahnhof gibt. Das könnte bedeuten, dass dafür dort auch mehr Platz gebraucht wird. Auch besteht die Gefahr, dass dort Pflöcke eingeschlagen werden, die neue Überlegungen zum Parkdeck einengen.

Viele in Hofheim sind genervt, dass der Vorlauf öffentlicher Projekte oft so lang ist. Was den Busbahnhof betrifft, so erscheint eine neue Runde des Nachdenkens aber mehr als angemessen zu sein. Die Geduld sollte sich auch auf den Bahnhofsvorplatz erstrecken. Und wann immer dieser angefasst wird, sollte auch versucht werden, die für Radfahrer unbefriedigende Situation dort zu verbessern. Manfred Becht

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