Teil-Umbruch bei der FDP: Inge Luijendijk hört auf, aber Werner Steinmann macht weiter.
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Teil-Umbruch bei der FDP: Inge Luijendijk hört auf, aber Werner Steinmann macht weiter.

Kommunalwahl

Auf der Suche nach Kandidaten

  • VonHanspeter Otto
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Politisches Interesse: ja, Lust auf Parlament: nein. Vor allem die kleinen Parteien haben Probleme, Kandidaten zu finden.

15 Kandidaten müssen die Parteien, wenn sie denn im März kommenden Jahres zur Kommunalwahl antreten wollen, mindestens zusammenbekommen. Dabei hat nur die CDU 17 Sitze im Stadtparlament, der Rest der Parteien liegt deutlich darunter. Da es im Zuge des Kumulierens und Panaschierens anders kommen und eine kleine Partei theoretisch durchaus auf 15 Sitze kommen könnte, müssen nach dem Wahlgesetz auch 15 Kandidaten her. Die große CDU-Fraktion hat, wie die mittleren Fraktionen Grüne (10 Sitze) und SPD (ebenfalls 10 Sitze), eine Partei mit ausreichend vielen Mitgliedern und Sympathisanten hinter sich, die sich zur Wahl aufstellen lassen. Zudem müssen Mitglieder der Fraktion nicht unbedingt Mitglied in den jeweiligen Parteien sein. Die drei Großen basteln zurzeit an der Organisation des Wahlkampfs, personelle und inhaltliche Entscheidungen wollen sie erst nach der Sommerpause fällen, verkündeten CDU, SPD und Grüne schon im Winter.

Für die kleinen Parteien beginnt die Arbeit für die Kommunalwahl früher, denn es gilt, Kandidaten zu finden. Zurzeit sind die FWG mit 3 Sitzen, die BfH und die FDP mit 2 Sitzen und die Linke mit 1 Sitz und damit ohne Fraktionsstatus in der Stadtverordnetenversammlung vertreten. Dazu haben die kleinen Parteien noch das Problem, Kandidaten für die Ortsbeiräte zu finden. Die BfH beispielsweise, die jetzt beschlossen hat, wieder anzutreten, wird möglicherweise nicht überall genügend Bewerber zusammenbringen. Petra Gottschalk, die künftig mit Helmut Henrich die Doppelspitze der Gruppierung bildet, sagt: „Die Ortsbeiräte in Lorsbach und der Kernstadt können wir besetzen, Wildsachsen wohl auch, in Marxheim und Diedenbergen basteln wir noch.“

Das fällt der FWG leichter. Bei den Freien Wählern erklärten sich junge Mitglieder eher bereit, in den Ortsbeirat zu gehen, als ins Stadtparlament. „Die haben einen Job und eine Familie und keine Zeit, die vielen Sitzungen für die Fraktion, die Ausschüsse und das Stadtparlament zu leisten – im Ortsbeirat ist das wesentlich weniger“, sagt FWG-Fraktionschef Bodo Tadewald. Der hat im übrigen festgestellt, dass das „Hauen und Stechen“ um die ersten Plätze bei der FWG nicht mehr stattfinde. Tadewald wird zwar bei der Wahl im März 2016 wieder kandidieren, aber nicht mehr vorne auf der Liste. Da könnte Andreas Nickel landen, der in der Stadtverordnetenversammlung immer häufiger als Redner auftritt. Auf welchen Platz die Wähler Tadewald am Ende setzen, wird sich aber erst am Wahlabend zeigen.

Auch die anderen kleinen Fraktionen werden sich ändern. Erwin Zeitz, BfH-Mitbegründer und Ortsvorsteher in Lorsbach, drängt es aus Altersgründen nicht mehr nach vorne. Er ist inzwischen 84. Da könne man nicht mehr über Jahre planen, wenn er aber wieder an die Spitze gewählt würde, dann mache er das, solange er kann, sagt er. Bei der FDP wird Ingeborg Luijendijk nicht mehr antreten, Fraktionschef Werner Steinmann möchte eine Runde dranhängen.

Es werden also Nachwuchsleute ins Stadtparlament einziehen. Die BfH, die zuversichtlich ist, eine Liste fürs Stadtparlament aufstellen zu können, hat das Problem, dass die meisten ihrer aktiven Mitglieder in der Stadt weitgehend unbekannt sind. Die BfH besteht in der Öffentlichkeit aus Zeitz und Gottschalk. Bei der FWG gibt es einige zumindest in den Ortsbeiräten und damit in ihren Stadtteilen bekannte, mögliche Kandidaten. Und FDP-Fraktionschef Werner Steinmann verkündet, seine Partei habe einige junge Mitglieder, die gern antreten würden und auch vorne auf der Liste. „Wenn man bei 40, 45 Jahren von jung reden kann“, sagt Steinmann. Kleine Jugendorganisationen (Junge Union, Jusos und Junge Grüne) gibt es nur bei den drei großen Fraktionen. „Das ist in den Parteien wie in den Vereinen, da gibt es auch kaum noch junge Leute, und kaum jemand will Verantwortung übernehmen“, sagt Steinmann.

Richtig anstrengen muss sich die Linke, um eine Liste zusammenzubekommen. „Da muss jeder ran“, hatte Bernd Hausmann, der linke Einzelkämpfer im Parlament, schon vor Wochen verkündet. Dabei trauen ihm die Kollegen der anderen kleinen Fraktionen durchaus zu, im nächsten Parlament nicht mehr allein zu sitzen. Obwohl er in der Stadtverordnetenversammlung wegen seiner permanent provozierenden Auftritte und Dauerreden höchst unbeliebt ist – um es vorsichtig zu sagen – , werde er in der Öffentlichkeit oft als der einzige gesehen, der sich traut, noch was Oppositionelles zu sagen, denn während sich alle Fraktionen inclusive der Grünen von der CDU/SPD-Koalition als Opposition „abgebügelt“ fühlen, stänkert Hausmann unverdrossen weiter und scheut nicht davor zurück, die Stadt oder Stadtverordnetenvorsteher Wolfgang Vater (CDU) zu verklagen. Außerhalb des Parlaments wird er ein wenig wie Kleists Michael Kohlhaas gesehen, der in der Novelle sagte: „Es soll Gerechtigkeit geschehen, und gehe auch die Welt daran zugrunde!“

Bleiben drei Gruppen, die zwar nicht im Stadtparlament vertreten sind, dort aber einziehen wollen. Da sind zum einen die Wallauer, die ihren Stadtteil ständig von Hofheim benachteiligt fühlen und das ändern wollen. Da war auch schon mal die Rede von der Trennung von Hofheim. Zumindest in Wallau haben sie Potential. Möglicherweise tritt auch die AfD an, von der mancher Stadtverordnete fürchtet, dass sie genügend rechte Protestwähler findet. Und schließlich gibt es die an die Satirezeitschrift „Titanic“ angelehnte Partei „Die Partei“, die vor wenigen Wochen eine Ortsgruppe in Hofheim gegründet hat. Sie will zur Kommunalwahl antreten und sucht jetzt Mitstreiter. Auch wenn dort vieles reiner Klamauk ist, steckt ernsthaftes Unbehagen an der Hofheimer Politik dahinter.

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