+
Café-Inhaberin Gaby Lutkat-Teichmann füllt Kaffee am liebsten in Gläser und Tassen. To-go-Becher (ganz rechts) werden bei ihr kaum verlangt, wiederverwendbare (hier der vom MTK) bringt schon eher mal jemand mit.

Abfallvermeidung

Kaffee zum Mitnehmen in Pappbechern ist ein gigantisches Problem geworden

  • schließen

Am Samstag geht die „Europäische Woche der Abfallvermeidung“ zu Ende. Das Kreisblatt hat sich anlässlich der Aktion mit einem Problem beschäftigt, das inzwischen gigantische Ausmaße angenommen hat: Coffee to go, Kaffee zum Mitnehmen in Pappbechern zum Wegwerfen. Bundesweit ist das ein Milliarden-Ding.

Mit dem 12-Uhr-Läuten von St. Peter und Paul betreten wir das kleine Café von Gaby Lutkat-Teichmann in der Hauptstraße. Einen Coffee to go, gibt es den hier? „Ja, aber er wird bei mir nur sehr selten nachgefragt“, lautet die Antwort der Besitzerin. Die drei bis vier Kunden pro Woche mit diesem Wunsch erhalten ihr Getränk in einem Recycling-Pappbecher mit Kunststoffbeschichtung. Den Plastikdeckel nehme nahezu niemand mit, sagt Lutkat-Teichmann. Toll findet sie die Einwegverpackung selbst nicht, es werde aber erwartet, dass man die Möglichkeit biete, sagt die Café-Betreiberin. Immerhin: Viele „to go-Kunden“ hätten mittlerweile einen Becher dabei und ließen sich diesen befüllen.

Ein Kunde hat das kurze Gespräch interessiert mitgehört. Er gehöre zu denen, die tausende von Pappbechern ausgäben, gibt sich Daniel Rosen, der in Marxheim wohnt, als Betreiber einer Snack-Bar im Frankfurter Hauptbahnhof zu erkennen. Gern würde er den Verbrauch reduzieren und setzt von sich aus bereits einen Anreiz. „Wer mit dem eigenen Becher kommt, für den kostet der Kaffee 20 Cent weniger“, berichtet Rosen. Er wünscht sich für den Frankfurter Bahnhof oder für eine Stadt wie Hofheim gemeinsame Lösungen, wiederverwendbare Becher könnten dabei auch Werbeträger sein. Eine Subventionierung durch die Politik fände er gut. Vor allem aber müssten die Verbraucher mitmachen. Man könne viel tun gegen den vielen Plastikmüll, ist der Marxheimer sicher, aber jeder müsse begreifen: „Es fängt bei Dir an.“

Im Café im Alten Rathaus ist To-go-Kaffee ebenfalls kein großes Thema. Kunden, die den eigenen Becher mitbringen, was mit kleinem Rabatt belohnt wird, kämen vor allem aus der Nachbarschaft, heißt es. In der Filiale der Bäckerei Heislitz haben sich zwei junge Männer gerade Kaffee im Pappbecher geben lassen. Fotografieren lassen möchten sie sich nicht damit, reden darüber eigentlich auch nicht. Ein schlechtes Gewissen mache ihnen die Einwegverpackung nicht, sagen sie nur. Wir packen den Mehrwegbecher mit dem MTK-Logo aus, der in dieser Woche im Landratsamt verkauft wird. Ob wir ihn hier befüllt bekommen? Sie dürfe sich nichts über die Ladentheke reichen lassen, erklärt die Verkäuferin, dass gesetzliche Vorschriften zur Hygiene dagegen sprechen, den Becher einfach unter die Kaffeemaschine zu stellen. Möglich sei allenfalls, den Kaffee zuerst in eine Tasse der Bäckerei zu füllen. Der Kunde könne diese dann vor der Theke in seinen Becher leeren.

Auch Christian Buch kennt das Problem. Die Nachfrage nach To-go-Kaffee im kleinen Bistro des Bio-Ladens sei so groß aber gar nicht, wie ihnen vorhergesagt worden sei, sagt Christian Buch. Die meisten Kunden nähmen sich doch lieber die Zeit, ihren Kaffee an Ort und Stelle zu genießen. Dennoch sei man gerade daran, eine andere Lösung für Mitnahme-Getränke zu installieren. „Mit der Möglichkeit, eigene Boxen an die Frische-Theken mitzubringen, haben wir schon etwas in diese Richtung gemacht“, beim Kaffee sei das Problem, dass zumeist Milch im Spiel sei. Wie sich da eine hygienisch unbedenkliche und gut praktikable Mehrweg-Lösung finden lässt, darüber sei man im Gespräch mit dem zuständigen Veterinäramt.

Ina Peters hat sich gerade einen Espresso an der Bistro-Bar geholt – in der Porzellantasse. Pappbecher für Kaffee seien für sie kein Thema, nicht nur aus Umweltschutzgründen, sagt die Hofheimerin. Sie findet, aus einer richtigen Tasse schmecke es einfach besser. Allenfalls zwei Mal pro Jahr hole sie sich einen Kaffee zum Mitnehmen an der Tankstelle, „wenn ich in den Urlaub fahre“. In letzter Zeit habe sie aber dafür schon einen eigenen Becher mitgenommen. Das Exemplar aus dem Landratsamt würde sie aber nicht nutzen wollen, „weil ich insgesamt Plastik vermeide“, lautet ihre Begründung.

Vor der Filiale des Kaffeerösters in der Hauptstraße weist nicht nur ein Werbeträger auf das Mitnahme-Angebot hin, hier stehen gerade auch ein paar Leute mit Einweg-Kaffeebechern in der Hand beisammen. „Oh, erwischt“, sagen die Mitarbeiter der Kreisverwaltung mit einem etwas verlegenen Lächeln, als die Kreisblatt-Reporter sie darauf ansprechen. Sie warteten hier schon länger auf eine andere Gruppe und seien total durchgefroren, begründen eine 34-Jährige und ein 52-Jähriger, dass sie der Verlockung eines wärmenden Kaffees auf der Straße nicht hätten widerstehen können. „Ich bin eigentlich ein totaler Gegner von den Dingern“, sagt der Mann und dreht den Pappbecher in der Hand. Seine Kollegin sagt: „Wenn der Becher schön ist, so wie dieser, dann spüle ich ihn und benutze ihn weiter.“ Das sei doch immerhin etwas.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare