Mitarbeiter des THW suchen im Hafen der libanesischen Hauptstadt nach Opfern.	FOTO: DPA
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Mitarbeiter des THW suchen im Hafen der libanesischen Hauptstadt nach Opfern. FOTO: DPA

Technisches Hilfswerk

THW-Helfer aus Hofheim berichten: „In Beirut herrschten extreme Zustände“

Peter und Simon Benz haben nach der Explosion im Hafen von Beirut mit anderen Helfern in den Trümmern nach Opfern gesucht. Jetzt sind sie wieder zurück im MTK.

Hofheim/Beirut -Viele verwüstete Gebäude, herumgeschleuderte Autos und zusammengedrückte Container prägten nach der Explosion im Hafen von Beirut das Stadtbild. Peter Benz aus Hattersheim, Mitarbeiter beim Technischen Hilfswerk (THW), hat in den vergangenen 35 Jahren schon viele Einsätze erlebt, "doch dieser war ein ganz besonderer", sagt er. Gemeinsam mit seinem 28-jährigen Sohn Simon aus Unterliederbach reiste er in die libanesische Hauptstadt, um in den Trümmern nach Opfern zu suchen. Nun sind beide zurück und haben von ihren Erfahrungen berichtet.

Die verheerende Explosion in Beirut am Dienstag, 4. August, hat weit mehr als 150 Menschen das Leben gekostet. Über 6000 Leute wurden verletzt. Gegen 18 Uhr Ortszeit explodierten rund 2750 Tonnen Ammoniumnitrat. Aufgrund der enormen Druckwelle wurden zahlreiche Gebäude im Umkreis von 20 Kilometern beschädigt oder gar komplett zerstört.

Mit der Linienmaschine von Hofheim nach Beirut

"Am Mittwoch vergangener Woche wurden wir gegen 0.30 Uhr alarmiert. Sowohl ich als auch mein Sohn haben uns dann verfügbar gemeldet", sagt Peter Benz, der genau wie Sohn Simon der "Seeba", der Schnell-Einsatz-Einheit-Bergung-Ausland des THW angehört. Um 8 Uhr kamen die beiden am Treffpunkt in Rüsselsheim an. Dort bereiteten sie sich mit 44 weiteren Helfern des THW auf den Einsatz vor. "Wir haben Information über das Land studiert, um eine ungefähre Einschätzung zu haben, was uns dort erwartet", so der 56-Jährige. Gegen 22 Uhr ging es mit einer Linienmaschine von Frankfurt in die libanesische Hauptstadt. Mit an Bord 15 Tonnen Ausrüstung, die für den Einsatz benötigt wurde.

Am Donnerstag landeten die Einsatzkräfte um 7 Uhr in Beirut. "Unsere Unterkunft war eine deutsche Schule", berichten die beiden. In den Klassenräumen wurden Feldbetten aufgestellt und die sogenannte "Base Of Operation" eingerichtet, in der das THW die Einsätze im Hafen koordinierte.

Anspruchsvoller Einsatz in Beirut für THW-Helfer

„In Beirut herrschten extreme Zustände. Es war ein sehr anspruchsvoller Einsatz“, merkt Simon Benz an. In einem Umkreis von drei bis vier Kilometern um den Explosionsort seien nahezu alle Häuser zerstört. „Die Druckwelle hat einfach alles weggefegt“, erklärt Peter Benz. Die Hauptaufgabe seines Sohnes Simon bestand darin, diesen „inneren Bereich“ nach Überlebenden und Toten abzusuchen, bevor die Trümmer mit „schwerem Gerät“ beseitigt wurden. „Ich und mein Team haben keine Menschen gefunden. Andere Einheiten mussten aber mehrere Leichen bergen“, sagt der 28-jährige Unterliederbacher.

Sein Vater Peter koordinierte als Stellvertretender Teamleiter die Einsätze. Dabei arbeitete er eng mit weiteren Hilfskräften aus verschiedenen EU-Staaten zusammen. „Jedes Land hat einen eigenen Suchsektor zugewiesen bekommen. Jedoch haben alle EU-Teams eine gemeinsame Koordinierungszelle genutzt, von der aus auch der Kontakt mit den lokalen Behörden aufrecht gehalten wurde“, erklärt der Hattersheimer, der bereits seit 1983 für das Technische Hilfswerk arbeitet. Im Gegensatz zu vielen Einsätzen in der Vergangenheit habe das THW diesmal kaum nachts gearbeitet. „Wir waren von Donnerstag bis Sonntag im Schichtbetrieb zwischen 6 und 22 Uhr im Einsatz.“

Nach dem THW-Einsatz in Beirut kommt der Corona-Test

Es habe immer oberste Priorität, alle Einsatzkräfte wieder gesund nach Hause zu bringen. Deshalb hat sich das Team des THW auch an Ort und Stelle über die vielen Massenproteste und Demonstrationen informiert, die sich gegen das Vorgehen der Regierung, die mittlerweile zurückgetreten ist, richteten. „Wir hatten keinen Kontakt zu den Protestlern, da wir die Demonstrationen weiträumig umfahren konnten“, sagt Peter Benz. Insgesamt sei die libanesische Bevölkerung sehr dankbar gewesen. „Ich habe selten solch hilfsbereite Menschen bei einem meiner Einsätze erlebt“, betont der 56-Jährige.

Am Montagmorgen um 4 Uhr flogen Vater uns Sohn zurück nach Deutschland. Seitdem befinden sie sich in freiwilliger häuslicher Isolation. „Wir sind bereits unmittelbar nach der Ankunft negativ auf das Coronavirus getestet worden. In ein paar Tagen wird es dann einen weiteren Test geben. Ist dieser ebenfalls negativ, kehren wir zu unseren Familien zurück“, berichtet Peter Benz. Von Tobias Ketter

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