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Andreas Stockmann erklärt Lingxiao Huang, wie sie die Batterie ihres Autos komplett aufladen kann.

Gelbe Engel

Auf Tour mit einem Pannenhelfer im Main-Taunus-Kreis

„Viele Probleme entstehen durch schlechte Wartung“, weiß der Pannen-Experte des ADAC. Das Kreisblatt begleitete Andreas Stockmann bei einer Schicht.

Main-Taunus. „Kälte setzt Autobatterien zu“, warnt der ADAC, und die Statistik für das vergangene Jahr zeigt, dass Batterien stolze 42 Prozent aller Pannen verursachen. Wenn es dafür eines Beweises bedurft hätte, ist dieser kühle Februartag ideal. Straßenwachtfahrer Andreas Stockmann ist seit dem frühen Morgen im Main-Taunus-Kreis unterwegs, um liegengebliebenen Autofahrern zu helfen. „SNA“ steht bei fast jedem Einsatz auf dem Display, das die Aufträge der Pannenhilfezentrale anzeigt. „Springt nicht an“ soll das heißen, und dann ist häufig eine leere Batterie das Problem. Gerade wenn das Auto übers Wochenende gestanden hat, trifft es Montagmorgens viele Berufspendler. „Später am Tag oder nachts muss man selten Starthilfe geben“, weiß Stockmann, „dann bleiben die Leute eher auf der Autobahn liegen oder holen sich im Dunkeln an einer Bordsteinkante einen platten Reifen.“ Besonders pannenanfällige Marken gäbe es nicht: „Da viele VWs unterwegs sind, tauchen die natürlich relativ oft auf. Aber in erster Linie entstehen viele Probleme durch schlechte Wartung.“

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Gelber Engel fährt 200 Einsätze im Monat

Pro Tag arbeitet er zwischen 7 und 14 Aufträge ab, je nachdem ob er im Main-Taunus-Kreis oder in Frankfurt unterwegs ist. Jeder Straßenwachtfahrer kommt so monatlich auf rund 200 Einsätze. Im Bereich „Südhessen“ sind es derzeit 126 Kollegen, die sich auf fünf Teams aufteilen – übrigens eine reine Männerdomäne. „Der Frauenanteil liegt eben schon in der Ausbildung im niedrigen einstelligen Prozentbereich“, bedauert ein ADAC-Sprecher.

Stockmann, der mit zwölf Jahren aus Kasachstan nach Deutschland kam, hatte bei VW die Lehre zum Kfz-Mechatroniker absolviert und als Servicetechniker gearbeitet, parallel dazu den Meisterkurs in der Abendschule besucht. Nach dem Einstellungstest beim ADAC folgten mehrwöchige Seminare; nun ist er seit eineinhalb Jahren als „Gelber Engel“ unterwegs.

Fehlerdiagnose liegt dem gelben Engel am Herzen

„Man ist zwar bei Wind und Wetter auf der Straße und auf sich allein gestellt, aber mir gefällt es, die Initiative zu ergreifen“, schwärmt der Eschborner von seinem Job. Auch für das gelbe Auto, das er mit nach Hause nehmen darf, ist er selbst verantwortlich und muss regelmäßig das Verbrauchsmaterial auffüllen. Auf Rückbank und Ladefläche sind Werkzeugschubladen eingebaut, selbst ein kleiner Schraubstock findet sich, außerdem natürlich Starterbatterie, Abschleppseil und viele nützliche Utensilien, die er äußerst pfleglich behandelt. Für unsere gemeinsame Tour hat er den sechs Jahre alten VW Touran, 2-Liter-Diesel und 140 PS, sogar extra gewaschen.

Sehr am Herzen liegt ihm die Fehlerdiagnose, und man merkt bei jeder Panne, dass sein Ehrgeiz, dem Kunden bestmöglich zu helfen, aufs Neue geweckt ist: „Wenn ich etwas anfange, mag ich nicht aufgeben und sagen, ’es geht nicht’.“ So stand er schon 90 Minuten lang im Regen, um ein Auto wenigstens so fit zu machen, dass es aus eigener Kraft in eine Werkstatt fahren konnte. Seine Erfolgsquote kann sich daher – ähnlich wie die seiner Kollegen – sehen lassen: „Im vergangenen Jahr konnte ich über 90 Prozent vor Ort wieder flott machen, nur zehn Prozent landeten auf dem Schlepper!“ Dankesbriefe und das eine oder andere Trinkgeld sind ihm sicher.

Treues ADAC-Mitglied seit 40 Jahren

In einer Tiefgarage in Eschborn gibt er dem Mercedes von Lingxiao Huang Starthilfe und ihr den Rat, mindestens eine Stunde lang zu fahren, um die Batterie richtig aufzuladen. An dem Mazda von Heidemarie Kayser in Kelkheim wird schnell die brennende Innenbeleuchtung als Übeltäter ausgemacht, und nun muss auch sie erstmal Runden drehen. Seit über 40 Jahren sei sie „treuestes“ ADAC-Mitglied, erzählt sie zufrieden. Einem Jaguar in Marxheim muss Stockmann eine neue Batterie verpassen, „denn eine tote Katze kann man nicht mehr füttern“. Bei einem Hybrid-Fahrzeug, das an der Tierklinik in Hofheim liegen geblieben ist, gibt es für die Starthilfe Spezielles zu beachten, wie der Experte weiß. Auch den Problemen eines Fiat Scudo, der nicht mehr richtig „zieht“, kommt er rasch auf die Spur: Das Abgasrückführungsventil ist defekt, so dass im Motor zu wenig Sauerstoff ankommt. Also klemmt er ein Stück Blech in den Ansaugkanal, um das Ventil quasi zu umgehen. Bis zur Werkstatt kann der Kunde bedenkenlos fahren.

„Im Vordergrund stehen unsere Mitglieder“, so das Credo des 32-Jährigen. Daher fackelte er nicht lange, als es darum ging, ein Pedal an einem Rollstuhl zu reparieren. Und gerade am Vortag half er einer Fahrerin, der auf der Autobahn schwindlig geworden war. Sie brachte er mitsamt ihrem Auto zu einer Tankstelle, von der sie dann abgeholt wurde. Sowieso entscheidet er immer individuell, was zu tun ist, daher würde er beispielsweise kein Mädel allein im Dunkeln stehen lassen. Aber bei manchen Anfragen findet er auch deutliche Worte: „Ich bin ja keine Werkstatt auf Rädern, sondern nur die Pannenhilfe!“

Von Stefanie Kreuzer

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