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Das Trinkwasser in Hessen hat eine gute Qualität. Da aber immer mehr Rückstände im Abwasser gefunden werden, muss verhindert werden, dass diese über das Grundwasser ins Trinkwasser gelangen.

Knapp unter Grenzwert

Trinkwasser in Hofheim enthält viel Nitrat

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Eine zentrale Entkalkung des Trinkwassers vor der Einspeisung ins Leitungsnetz hält die Stadt Hofheim nicht für geboten. Möglicherweise muss aber doch eine Anlage angeschafft werden, die genau diesen Effekt hätte. Der Grund: Der Nitratgehalt steigt zumindest bei einer Förderanlage auf bedenkliche Werte. Wird er künstlich gesenkt, sinkt auch der Härtegrad.

Eine zentrale Enthärtungsanlage komme für die Stadt Hofheim „nicht in Betracht“. Das ist die Kernaussage in der ausführlichen Antwort des Magistrats auf eine entsprechende Anfrage der CDU-Fraktion im Ortsbeirat Kernstadt. Als Grund wird genannt, dass die Kreisstadt Anlagen zur Gewinnung von Trinkwasser im gesamten Stadtgebiet habe. Das Grundwasser werde dort ortsnah aufbereitet und dann direkt in die Ortsnetze eingespeist. Da dies also dezentral passiert, wäre es nur möglich, auch dezentrale Entkalkungsanlagen zu bauen.

Allerdings wird unter zentraler Entkalkung verstanden, dass dieser Vorgang vor der Einspeisung ins Trinkwassernetz und nicht erst in den einzelnen Haushalten erfolgt. Die Struktur der Kreisstadt mit ihren sechs Stadtteilen würde aber eben die Anschaffung mehrerer Entkalkungs-Anlagen erfordern. Das ist – nicht zuletzt – eine Preisfrage. Die Stadt beziffert die Kosten einer Enthärtung an zentraler Stelle auf 16 bis 60 Cent pro Kubikmeter. Zudem geben die Experten der Stadtwerke zu bedenken, dass weiches Wasser andere Korrosionseigenschaften habe, das „die Dichtheit der Leitungen“ angreife. Um die Aggressivität weichen Wassers zu reduzieren, müssten dann wieder weitere Stoffe zugesetzt werden.

Enthärtungsanlagen reduzieren die Wasserhärte allerdings nur so, dass sie in einen mittleren Bereich sinkt (von 20 Grad deutscher Härte, wie in Hofheim üblich, auf etwa 12 Grad).

Das wird unter anderem von den Verbandsgemeindewerken Sprendlingen-Gensingen bei Bad Kreuznach praktiziert. Diese informieren auf ihrer Internetseite: „Positiv wirkt sich das weiche Wasser auf die Lebensdauer von Rohrleitungen und den technischen Haushaltsgeräten aus, zudem wird der Uran- und Nitratgehalt des Trinkwassers reduziert. Es erfülle nicht nur „die strengen Qualitätskriterien der Deutschen Trinkwasserverordnung“, sondern spare auch Kosten und schone die Umwelt dank weniger Waschmittelverbrauch, weniger Wartung und eines geringeren Energie- und Chemiekalienbedarfs.

Der Magistrat verweist in seiner Antwort an den Ortsbeirat darauf, dass das in Hofheim selbst geförderte Wasser mit dem, das aus dem Hessischen Ried zugeliefert wird, mischbar bleiben müsse. Dieses weise eine Härte von

19,9 Grad

auf und sei damit dem Hofheimer Wasser vergleichbar. Die Stadt kommt zu dem Schluss, „in der Abwägung der Gesamtsituation“ werde der Kauf von zentralen Enthärtungsanlagen „nicht in Betracht gezogen“.

Anders als der hohe Kalkgehalt macht den Stadtwerken aber der steigende Nitratanteil im Trinkwasser Gedanken. Seit Jahren beschäftige man sich damit, vor allem im Bereich der Gewinnungsanlagen am Hochfeld, wo das Problem besonders auftritt. Auf Nachfrage dieser Zeitung konkretisiert Stadtsprecherin Iris Bernardelli, der Nitratgehalt der Förderanlagen auf dem Hochfeld (Nähe Kreishaus) liege derzeit knapp unter dem Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter. Weil das so ist, wird das dort gewonnene Wasser mit geringer belastetem Wasser aus dem Bereich Kurhausstraße gemischt. So liege die Belastung des Trinkwassers, das in den Haushalten ankommt, „immer deutlich unter dem Grenzwert.“

Das Institut Fresenius überwacht die Einhaltung der Grenzwerte. An den Brunnen selbst werde vier Mal im Jahr eine Probe genommen, im Netz zwei Mal, erläutert Bernardelli. Zuletzt habe Fresenius im Juni einen Wert von 39,8 Milligramm pro Liter gemessen. Intern prüfe die Stadt den Nitratgehalt kontinuierlich.

Zur Reduzierung des Nitratgehaltes gebe es technische Anlagen, die „als Nebeneffekt“ auch den Härtegrad des Wassers senken, hatte die Stadt schon den Ortsbeirat Kernstadt wissen lassen. Eine Studie dazu wurde bereits in Auftrag gegeben. Sie soll ermitteln, mit welchen verfügbaren Verfahren „wirtschaftlich eine Reduzierung des Nitratgehaltes auf einen Zielwert von 25 bis 36 Milligramm pro Liter unter gleichzeitiger Reduzierung der Härte möglich wäre.

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