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Hochspannungsleitung.

Ultranet

Hofheims Klage gegen Hochspannungsleitung: Keine Hilfe vom Land

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Schließt sich die Stadt Hofheim einer Klage gegen die Hochspannungsleitung Ultranet an? Mit Unterstützung aus Wiesbaden rechnet sie bei dem Thema nicht.

Erster Stadtrat Wolfgang Exner (CDU) ist mit gewissen Erwartungen zu einem Termin im Wirtschaftsministerium gefahren, zu dem alle hessischen Kommunen und Landkreise entlang der geplanten Hochspannungsleitung Ultranet geladen waren. „Wir hatten schon gehofft, ein Stück Unterstützung für die kommunale Position zu bekommen“, so der Umweltdezernent im Bauausschuss. Um so ernüchternder fällt seine Bilanz aus. „Von der Landesregierung können wir keine Unterstützung erwarten“, fasst er seine Erkenntnisse zusammen.

Ultranet, das soll eine Gleichstromleitung vom Niederrhein nach Baden-Württemberg werden, die nach Darstellung des Betreibers Amprion Windstrom von der Nordsee nach Süddeutschland transportieren soll. Kritiker gehen allerdings davon aus, dass der Plan vor allem ist, mit rheinischem Braunkohlestrom Ersatz zu schaffen für den Strom, der bisher vom Kernkraftwerk Philippsburg geliefert wird. Dieses soll nämlich abgeschaltet werden.

Die Drähte sollen, weil das schneller geht und billiger ist, auf die Masten einer bestehenden Leitung gespannt werden. Diese durchquert das Wohngebiet Junghainzehecken in Wildsachsen und führt in Langenhain über Wohnhäuser. Ohne Unterstützung aus Wiesbaden könne man nur kleinräumige Verschwenkungen der Leitung durchsetzen, wenn überhaupt, so Exner. Für die Bürgerinitiativen entlang der Trasse wäre das nur die drittbeste Lösung – sie fordern, die ganze Leitung durch den Hunsrück zu führen oder unter der Erde zu verlegen.

Exner kündigte daher an, dass die Stadt mit dem Leitungsnetzbetreiber Amprion in Gespräche über kleinere Verschwenkungen der Trasse eintreten möchte. Viel Optimismus wollte er da nicht verbreiten: Es gibt zwar einen konkreten Vorschlag, den die Bürgerinitiative „Ultranet – wollnmernet“ entwickelt hat. Der aber würde eine Verlegung der Leitung auf einer Strecke von bis zu fünf Kilometern bedeuten. Das wäre teuer – und je mehr die Amprion für Verschwenkungen ausgeben muss, um so weniger wird sie sich darauf einlassen.

„Wenn wir kämpfen, kämpfen wir relativ allein“, beschreibt Exner die Gefechtslage. Die Schlussfolgerung, dass die Stadt gegen das Vorhaben vor Gericht ziehen muss, ist für den Umweltdezernenten damit aber nicht zwingend. Zwar geht er davon aus, dass sich eine Klagegemeinschaft betroffener Kommunen gegen Ultranet bildet. Natürlich reduziert dies für jede einzelne Stadt die Kosten. „Es ist aber fraglich, ob es erfolgreich sein wird“, ist Exner eher skeptisch. Die Stadt möchte sich darüber zunächst mit ihrem Anwalt beraten – offensichtlich soll es den Gang vor Gericht nicht geben, wenn die Aussichten zu gering sind.

Überraschend sind die Hofheimer Erfahrungen in Wiesbaden übrigens nicht: In einem Entschließungsantrag der schwarz-grünen Koalition vom vergangenen August wird ausdrücklich kleinen Verschwenkungen der Vorzug gegeben – auch weil dabei die Chance bestünde, die bestehende Hochspannungsleitung von der Wohnbebauung wegzurücken.

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