+
Rundgang mit den Ideengebern für den ?neuen? Friedhof, von links: Tatjana Busch und Franziska Fertig, Erster Stadtrat Wolfgang Exner, Norbert Kerl und Professor Andreas Paul.

Siegerinnen sind zufrieden

Umbau Waldfriedhof: Realisierung ist gelungen

  • schließen

Mehr Licht und Luft, mehr Aufenthaltsqualität, weniger „Angsträume“ – auf dem Hofheimer Waldfriedhof hat sich einiges getan, seit Studenten der Hochschule Geisenheim sich Gedanken über eine Umgestaltung gemacht hatten.

„Es hat den Kern getroffen. Das, was uns am Wichtigsten war, eine Grundstruktur zu schaffen, das ist umgesetzt“, waren Tatjana Busch und Franziska Fertig einig: Die Umsetzung ihres Entwurfs für die Umgestaltung des Waldfriedhofs in seinem oberen Teil ist gelungen. Ein Urteil, dass dem Ersten Stadtrat Wolfgang Exner ganz besonders wichtig war. Viel Lob habe es schon von verschiedenen Seiten gegeben. „Aber wenn Sie sagen: ,Sehr schön’, dann ist das noch viel mehr wert.“

Tatjana Busch, mittlerweile in einem renommierten Landschaftsarchitektur-Büro in Berlin beschäftigt, und Franziska Fertig, die heute in Kronberg arbeitet, hatten als Studentinnen der Hochschule Geisenheim gemeinsam mit anderen Kommilitonen bei Professor Andreas Paul im Rahmen eines Projekts Entwürfe für den Hofheimer Waldfriedhof ersonnen. 2011 hatte eine Jury dann drei Preise vergeben, der erste Platz wurde den Ideen der beiden jungen Frauen zuerkannt.

Dass sie nun eingeladen wurden, sich ein Bild davon zu machen, was auf der Grundlage ihres Entwurfs entstanden ist – für die beiden Landschaftsplanerinnen keineswegs eine Selbstverständlichkeit. Mit auf den kleinen Rundgang hatte Exner auch Professor Andreas Paul geladen. Der lobte die Zusammenarbeit mit der Stadt als außergewöhnlich. Beim Thema Waldfriedhof habe es sich um eines der besten Projekte gehandelt, die er je mit einer Verwaltung als Partner durchgeführt habe, so Paul. Zu einer solch intensiven Zusammenarbeit, wie sie hier möglich gewesen sei, sei längst nicht jede Kommune bereit. Dass das Thema Friedhof für Landschaftsarchitekten weit spannender und vielschichtiger ist, als es Studenten auf den ersten Blick oft erscheine, hatte Paul auch in einem Beitrag für das Hochschulmagazin geschildert. Am Anfang sei es tatsächlich schwierig erschienen, räumte Fransiska Fertig ein, „am Ende hatte man aber viel gelernt.“

Dass die platzartigen

Aufweitungen

der Wegkreuzungen mit ihren Ruhebänken genauso die Aufenthaltsqualität auf dem Waldfriedhof verbessern wie die teilweise Auslichtung, unterstrich Norbert Kerl, der für die Umsetzung der Planung verantwortlich gezeichnet hat. Einfach zu viele „Angsträume“ durch zu dichten Bewuchs habe es abseits des Hauptwegs gegeben. Dass der Friedhof im umgestalteten Teil seinen besonderen Charakter behalten hat, aber jetzt deutlich klarer gegliedert und heller und damit freundlicher wirke, war denn auch der Eindruck aller Fachleute beim Rundgang. Ein abseits der Hauptachse mäandernd angelegter Weg, durch sein kleines Pflaster klar abgehoben, führt an verschiedenen Grabfeldern mit unterschiedlichen Bestattungsformen vorbei. Auch das eine Idee aus dem Siegerentwurf. Dass er bisher nur zu einem Teil fertiggestellt ist und sukzessive weiterentwickelt werden soll, stört die beiden Urheberinnen nicht. Im Gegenteil sei es wichtig, sich einen Friedhof auch entwickeln zu lassen. „Da kann man auch mal zuhören, was die Leute wollen.“ Professor Paul wies darauf hin, dass sich die Bestattungskultur weiter wandeln werde und es gut sei, darauf reagieren zu können.

Noch nicht umgesetzt sei etwa die Idee einer Grabstätte für sogenannte Sternenkinder, die vor, während oder kurz nach ihrer Geburt verstorben sind, so Exner. Mit einer Skulptur am oberen Waldrand als optischer Zielpunkt für den Hauptweg werde sich der Arbeitskreis Friedhofskultur ebenfalls noch zu beschäftigen haben. „Künstlerisch soll es in jedem Fall sein“, so Exner. Ebenfalls noch auf die Umsetzung wartet die kleine Allee, die am letzten Querweg, der zum oberen Parkplatz führt, angelegt werden soll.

Rund 33 000 Quadratmeter Fläche hat der Waldfriedhof, der in seiner Anlage im Main-Taunus-Kreis einmalig ist. 2016/17 sowie 2018 wurde die Umgestaltung des Teils oberhalb der Trauerhalle in drei Bauabschnitten durchgeführt. Schwierig war die Entwässerung, für die rund 300 Meter Rohre verlegt und ein Regenrückhaltebecken angelegt wurden, das nun auch auf Starkregen-Ereignisse ausgerichtet ist. 200 Meter Frischwasserleitungen wurden zudem erneuert und 2000 Quadratmeter Pflaster verlegt. Insgesamt wurde mehr als eine halbe Million Euro investiert.

(babs)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare