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Von der Rudolf-Mohr-Straße biegen immer wieder Autos nach rechts in die Sophie-Reinheimer-Straße ab, obwohl das verboten ist.

Hofheimer Ostend

Verkehr lässt sich nur verlagern

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Das Beispiel der Probleme im Hofheimer Ostend macht es deutlich: Wird das Quartier noch weiter vom Verkehr entlastet, werden andere Stadtviertel belastet.

Das Ostend wehrt sich schon länger gegen die von den Bewohnern als zu stark empfundene Verkehrsbelastung. Darauf hat die Stadt im vergangenen Jahr reagiert und im Rahmen des Projekts „Soziale Stadt“ eine Verkehrsuntersuchung in Auftrag gegeben. Das Unternehmen Mociety Consult GmbH hat Berechnungen angestellt, wie sich Veränderungen in der Verkehrsführung auf das Gebiet auswirken würden. Geprüft wurden vier „Planfälle“. Das Ergebnis wurde am Mittwochabend dem Ortsbeirat Kernstadt vorgestellt.

Ausgangspunkt der Überlegungen sei die Beobachtung gewesen, dass recht häufig gegen das Verbot verstoßen wird, von der Rudolf-Mohr-Straße hinterm Chinon-Center nach rechts ins Ostend einzubiegen, so Rathausmitarbeiterin Christine Filipp. Überlegt worden sei eine bauliche Veränderung des Kreuzungsbereichs. Doch habe man dieses Problem nicht isoliert betrachten wollen, sondern zunächst die Verkehrsführung im gesamten Bereich genauer in den Blick nehmen und auf mögliche Veränderungen prüfen wollen.

Das Ergebnis fand der Ortsbeirat seinen Reaktionen zufolge allerdings nicht überzeugend. Denn unter dem Strich blieb die Erkenntnis, dass sich im Grunde Verkehr nur verlagern lässt. Haben ihn die einen nicht mehr vor der Haustür, müssen ihn andere zusätzlich ertragen. Messerscharf deutlich machte das Cornelia Theisen-Niederastroth, die darauf hinwies, dass der von Mociety-Vertreter Thomas Ernst als vielversprechendste Lösung vorgestellte Planfall 1, die Gartenstraße im oberen Bereich zur Einbahnstraße in Nord-Süd-Richtung zu erklären, erheblich mehr Verkehr in der Oberen Hauptstraße nach sich ziehen würde. „Halleluja! Danke!“, machte die Liberale ironisch klar, dass dies keine wirkliche Option sein könne. Auch für das Ostend würde es vor allem für die Brühlstraße und die Obere Gartenstraße eine Entlastung geben, wenn das Viertel nicht mehr durch die Gartenstraße zur Zeilsheimer Straße hin verlassen werden könnte. In der Neugasse würde der Verkehr aber sogar zunehmen.

Peinlich: Die Begründung des Planers, es sei gut, wenn die Obere Gartenstraße entlastet werde, weil hier der Hauptschulweg verlaufe, musste Christine Filipp korrigieren. Der Schulweg verlaufe insbesondere durch die Ostendstraße, was nicht zuletzt an der Fußgängerampel über die Zeilsheimer Straße liege, stellte sie klar, bevor noch verschiedene Ortsbeiratsmitglieder sich laut über diese Einschätzung wundern konnten. Was Ernst und Filipp als „Missverständnis“ bezeichneten, wirft auch deshalb kein gutes Licht, weil Mociety schon häufiger in Hofheim Verkehrsgutachten erstellt hat, mit der Stadt also nicht unvertraut ist und zudem das gesamte Gebiet der Sozialen Stadt inklusive Zeilsheimer Straße und dem Wohngebiet nördlich davon in den Blick nehmen sollte. Für letzteres wurden allerdings keine Untersuchungen zum Autoverkehr beauftragt. Die Bürger hier beklagen sich aber auch nicht derart über Belastungen, wie es im Ostend seit Jahren der Fall ist.

Der Planfall 2, der eine Umdrehung der Einbahnrichtungen in der Sophie-Reinheimer- und der Brühlstraße vorsieht, würde Entlastungen im niedrigen dreistelligen Bereich für die Neugasse, die Brühlstraße und die Gartenstraße bringen, In der Ostendstraße, die tatsächlich Schulweg ist, würde der Verkehr aber zunehmen.

Die Planfälle 3 und 4, zum einen eine Aufhebung der Einbahnstraßenregelungen, zum anderen ein Drehen der Einbahnrichtung in der Ostendstraße, so dass diese zur Zeilsheimer Straße hin befahren werden könnte, würden noch mehr Verkehr anziehen.

Da am Ende keine Variante wirklich eine Verbesserung verspricht, bleibt die Frage, ob zumindest das vielfach ignorierte Verbot, von der Rudolf-Mohr-Straße nach rechts ins Ostend einzubiegen, mit einem Kreuzungsumbau angegangen werden soll. Stadtverordnete Elvira Neupert-Eyrich regte zudem an, doch zu überlegen, ob das Gebiet nicht so gestaltet werden könne, dass es nur noch für Anwohner interessant wäre, indem es nicht mehr in Richtung Norden oder zum Schmelzweg hin durchlässig wäre. Bodo Tadewald (FWG) hielt dagegen: „Und welches Gebiet ist dann das nächste, das es genauso haben möchte?“, und machte so deutlich: Nach dem St. Florians-Prinzip zu verfahren, wird nur zu neuen Problemen führen.

(babs)

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