Erste-Hilfe-Kenntnisse regelmäßig auffrischen

Viele Menschen trauen sich im Notfall nicht zu helfen

Patrick Ammon ist seit über vier Jahren Rettungssanitäter und leitet auch Kurse für Erzieherinnen und Erzieher, bei denen es um Erste Hilfe für Kinder geht. Er zeigt, wie eine Wiederbelebung abläuft. Nach der Theorie sind die Kursteilnehmer gefragt.

Hilfe zu leisten, wenn sie dringend gebraucht wird, das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Offensichtlich ist es aber nicht immer der Fall. Laut Reanimations-Register leisten in Notfällen nur 15 Prozent der Deutschen Wiederbelebungsversuche. Die meisten trauen sich nicht. Patrick Ammon vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) möchte die Angst vorm Helfen nehmen. In Kursen des Hofheimer DRK vermittelt er praktisches Wissen zur Versorgung von Notfällen.

Seine wichtigste Botschaft: „Das Einzige, was man falsch machen kann, ist nicht zu helfen.“ Seine Erfahrung mit Anrufern bei der Notfallnummer 112: „Die Menschen machen sich so viele Gedanken, was sie der Leitstelle am Telefon sagen, dass schon mal zehn Minuten verstreichen.“

Ammons besonderes Anliegen ist zu vermitteln, dass Erste Hilfe viel einfacher ist, als einige denken. Er berichtet von einem regelrechten Druck der Menschen, perfekt helfen zu müssen. „Aber ob der Schwerverletzte einen wie vom Arzt gewickelten Kopfverband hat, ist ihm egal, Hauptsache er hat einen.“

Das gilt im Notfall auch für Kinder. „Sie probieren viel aus und verschlucken sich schnell an kleinen Gegenständen“, weiß Ammon. Halbe Erdnüsse seien ganz besonders gefährlich, weil sie schnell verschluckt werden können, dann an die Luftröhre haften und im schlimmsten Fall eine tödliche Atemstörung hervorrufen.

„Um solche Szenarien zu verhindern und im Zweifel eingreifen zu können, wenn sie doch eintreten, veranstalten wir zum Beispiel Kurse, in denen speziell die Erste Hilfe am Kind angesprochen wird. Die Teilnehmer sind Erzieher, die alle zwei Jahre diesen verpflichtenden Kurs belegen müssen.“

In den speziellen Unterrichtseinheiten werden zum Beispiel die Räume des Montessori-Kinderhauses auf mögliche Gefahrenquellen abgesucht. Auf nicht gesicherte Steckdosen, verschluckbare Gegenstände und leicht umkippende Möbel wird ein besonderes Augenmerk gelegt. Vieles sei in diesem Kindergarten aber schon sehr sicher, versichert Ammon.

Der Kurs thematisierte aber nicht nur die Erstversorgung von Kindern im Kinderhaus. Es ging außerdem darum, Erste Hilfe im Straßenverkehr leisten zu können. Dazu soll eine Teilnehmerin ein Warndreieck aufstellen. Eigentlich ganz einfach, aber wenn es noch nie gebraucht wurde, kann das wertvolle Zeit kosten. Zeit, die im Zweifel Leben kosten kann. Die Erkenntnis von Erzieherin Maria Bogollo: „Ich hoffe, dass ich es nicht benutzen muss.“ Immerhin könnte sie ein Warndreieck nach dem Kurs schnell aufbauen, wenn es darauf ankommt.

Gegen Ende führte Patrick Ammon mit seiner Kollegin, der Hospitantin Jasmin Huhn, die obligatorische Wiederbelebung mit Herzdruckmassage an einer Puppe vor. Anschließend waren die Teilnehmer gefragt, denn Praxis sei immer wichtiger als Theorie, so der Kursleiter. Mit neuem Wissen eingedeckt waren schließlich alle froh, Wichtiges in Erinnerung gerufen zu haben. Denn auch wenn Erste Hilfe einfach ist, solche Kurse nehmen die Angst vorm Helfen.

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