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Das Klinik-Team begrüßt "Clara" mitsamt ihrer Familie.

Tierklinik Hofheim begrüßt 200000sten Patienten

Wenn die Retrieverhündinzum Augenarzt muss

MEDIZIN Ob Bandscheibenvorfall beim Dackel oder Krebserkrankungen bei der Katze: In der Hofheimer Tierklinik kümmern sich 80 Veterinäre um das Wohl von Kleintieren.

Hofheim -Clara ist eine traumhafte Patientin. Sie ist geduldig, freundlich und hört zu. Clara ist eine junge Retrieverhündin und die 200 000ste Patientin, die das Team der Hofheimer Tierklinik seit Gründung des Hauses vor 23 Jahren begrüßt. Wohlgemerkt, in Zeiten von Corona natürlich mit gebührendem Sicherheitsabstand und ohne Händedruck. Clara hat Glück, sie ist im Gegensatz zu den meisten anderen tierischen Patienten quietschfidel und gesund. Weil sie Zuchthündin werden soll, muss sie sich nur dem vorgeschriebenen augenärztlichen Check unterziehen. Und der fällt bestens aus. Klar, dass sie von den Veterinären anschließend belohnt wird - mit einem großen Sack Hundefutter.

"200 000 Patienten und eine gut fünf Mal so hohe Anzahl an Besuchen dieser Tiere in der Tierklinik sind eine Zahl, die das Team nach 23 Jahren stolz macht", sagt Tierärztin Dr. Katharina Kessler, die sich um die Öffentlichkeitarbeit kümmert. "Niemand hätte 1997 gedacht, dass die Tierklinik Hofheim einmal so groß würde", ergänzt sie. Am damaligen Standort Ecke Bienerstraße/Im Langgewann arbeiteten anfangs gerade mal drei Tierärzte und drei tiermedizinische Fachangestellte. Heute, knapp vier Jahre nach dem Umzug ins neue Domizil an der Katharina-Kemmler-Straße, ziehen heute gut 240 Mitarbeiter an einem Strang - davon knapp 80 Tierärzte.

"Damit ist die Tierklinik Hofheim eine der größten tiermedizinischen Einrichtungen in Europa", fügt Dr. Kessler an. Die Patienten kommen aus ganz Deutschland und oft auch aus dem Ausland und werden in der Mehrzahl der Fälle an die Tierklinik überwiesen. Kaum ein Tierhalter kommt hierher, weil Mieze Schnupfen hat oder der Hund Magenbeschwerden. Die 80 Veterinäre sind allesamt Spezialisten, die ihre Patienten in den verschiedenen Fachabteilungen behandeln.

Und da unterschiedet sich das Angebot der Hofheimer Tierklinik kaum von dem eines Krankenhauses der Humanmedizin. Orthopäden behandeln Gelenkprobleme, Internisten kümmern sich um die inneren Organe, Tiere mit Herzbeschwerden werden in der Kardiologie therapiert. Wenn der Dackel einen Bandscheibenvorfall erleidet, kümmert sich die Neurologie um die neurologischen Ausfallerscheinungen. Dermatologie, Onkologie, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Augenheilkunde, Zahnmedizin sowie die Notfall- und Intensivmedizin runden das Spektrum ab.

Nicht nur die Humanmedizin hat sich in den vergangenen Jahrzehnten immens verändert, sondern auch die Tierheilkunde. Moderne Technik ermöglicht punktgenaue Diagnosen und schonende Behandlungs- und Operationsmethoden. MTR für Perserkatze oder Dogge? Kein Problem. War ein Schäferhund mit Hüftproblemen früher beispielsweise zum Leiden verurteilt, sind Hüftgelenksoperationen bei Tieren inzwischen fast normal. "Ein Großteil unserer Patienten wird deshalb vom behandelnden Tierarzt zu uns überwiesen. Die Termine werden also meist längerfristig vergeben", schildert Katharina Kessler.

Das ist ein Grund, weshalb die Pandemie den Betrieb der Hofheimer Klinik nicht ganz so schlimm durcheinander gewirbelt hat. "Natürlich herrschte anfangs Verunsicherung - sowohl bei den Tierhaltern als auch bei uns, da ja nicht gleich geklärt war, ob Veterinäre während der Pandemie ihren Dienst fürs Tier aufrechterhalten dürfen."

Dann kam politische Hilfe von Bundesministerin Julia Klöckner, die den Berufsstand der Tierärzte offiziell für systemrelevant erklärte. Nun kann die Tierklinik einen nahezu normalen Betrieb aufrechterhalten. Nichtsdestotrotz schränkt die Pandemie und die damit verbundenen Maßnahmen den Arbeitsalltag ein.

Die Vorgabe an das Hofheimer Team, mit Abstand zu arbeiten und den Kontakt untereinander sowie zu den Haltern zu reduzieren, sind nicht immer nicht einfach. Wo sonst fröhliches Miteinander verschiedener Teams herrscht, sind rote Linien auf dem Boden gezogen worden. Die wichtige Kommunikation zwischen den Kollegen wird nun zum großen Teil übers Telefon geführt. Ein Schichtsystem trennt die gesamte Mannschaft in zwei Hälften, Mitarbeiter und Tierhalter tragen Mundschutz oder sogar Spritzschutz vor dem Gesicht und achten auf Abstand und Händedesinfektion .

"Allen ist aber bewusst, dass dies der einzige Weg ist, die Tierklinik am Laufen zu halten und somit für die Tiere da sein zu können. Daher halten sich streng an die Vorgaben der "Corona-Beauftragten". Die Tierbesitzer sind größtenteils sehr verständnisvoll und dankbar, dass ihren Lieblingen trotz der widrigen Umstände geholfen werden kann." Christine Sieberhagen

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