Auf weiter gute Zusammenarbeit: Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Philipp Neuhaus (r.), gratulierte am Samstag vor der Flörsheimer Stadthalle Parteichef Michael Antenbrink zur Wiederwahl.
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Auf weiter gute Zusammenarbeit: Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Philipp Neuhaus (r.), gratulierte am Samstag vor der Flörsheimer Stadthalle Parteichef Michael Antenbrink zur Wiederwahl.

Politik

Wiederwahl eines "streitbaren" Parteichefs

  • VonBarbara Schmidt
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Michael Antenbrink führt die SPD Main-Taunus nun mit stark erneuertem Team.

Main-Taunus -Rote, gelbe und (blass)grüne Blumen auf den Tischen der Delegierten sollten am Samstag beim Unterbezirksparteitag der SPD Main-Taunus in der Flörsheimer Stadthalle Hinweis geben auf das erhoffte Erstrahlen der Ampel in Berlin. Geht es nach den Genossen, soll diese bis in den schwarzen Main-Taunus hinein Leuchtkraft entfalten. Eine Aussicht, die nicht nur der alte und neue Vorsitzende des SPD-Unterbezirks Main-Taunus, Michael Antenbrink, erfreulich findet. Ohne das Ergebnis der Bundestagswahl hätte er bei diesem Parteitag sagen müssen: "Wir gehen schwierigen Zeiten entgegen", bekannte Antenbrink.

Das nahezu durchgängig enttäuschende Abschneiden der SPD bei den Kommunalwahlen im März, das auf Kreisebene ein Minus von 4,5 Prozent und damit ein Absinken zur nur noch drittstärksten Kraft (mit 16,1 Prozent) im Kreisparlament brachte, sei "kein Ergebnis, auf das man gern zurückblickt", so der Parteichef. Den Genossen erscheint es zudem "unverdient. Aber es ist so, dass gute Arbeit nicht automatisch belohnt wird", befand Antenbrink.

Die Bundestagswahl habe immerhin "wieder spürbar Auftrieb gegeben". Und Chancen für eine Ampel gebe es durchaus auch im MTK. "Umso unverständlicher" sei, dass Grüne und FDP im Koalitionsvertrag mit dem Verzicht auf eigene Kandidaten der CDU "einen Blankoscheck für die Landratswahl" ausgestellt hätten. "Da haben sie wohl das Schlagwort vom Mitmach-Kreis falsch verstanden", ätzte der SPD-Chef.

Bundestags-Direktkandidatin Dr. Ilja-Kristin Seewald erhielt ein Extra-Dankeschön für ihren Einsatz. Für sie hatte es aber auch im zweiten Anlauf nicht gereicht, und das gerade wegen des guten Abschneidens der SPD in Hessen, die so viele Direktmandate holte, dass der zunächst gut erscheinende Listenplatz doch nicht reichte, erinnerte Antenbrink. Die Partei werde Seewald aber in drei Jahren gern ein drittes Mal um eine Kandidatur anfragen, ergänzte Kreis-Fraktionschef Philipp Neuhaus, der wieder die Versammlung leitete.

Sorge macht der SPD der anhaltende Mitgliederschwund, der auch in der Kasse spürbar wird. Einige Aufnahmeanträge konnten in den vergangenen Wochen mit dem Schwung aus Berlin verzeichnet werden. Eine aktive Mitgliederwerbung sei aber dringend geboten, so der Parteichef. Sie sei an diesem Morgen sogar mit zwei Neueintritten aufgewacht, konnte die Juso-Vorsitzende Lisa Henties verkünden. "So beginnt aber leider nicht jeder Morgen", schob sie nach und bekannte, dass die hohe Zahl an Jungwählern, die für die FDP votiert hatten, sie "schockiert" habe. Daher müsse eine Frage sein, wie es der SPD gelingen könne, mit ihrer Politik mehr junge Menschen zu erreichen.

Für den Bezirksvorstand in Hessen Süd ermunterte Umut Sönmez, auch auf Unterbezirksebene dem Beispiel der SPD im Bund zu folgen, die vor der Bundestagswahl gezeigt habe, dass der wesentliche Punkt "Geschlossenheit" sei. "Das sollten wir beibehalten", rief er dem Saal zu, der das mit Beifall quittierte.

Dass der Aufwind anhält, hoffen die Genossen besonders mit Blick auf die Landtagswahl 2023. Die Chancen auf einen Erfolg für die von Nancy Faeser geführte SPD in Hessen "stehen derzeit nicht schlecht", so Antenbrink, der aufrief, die Schwalbacherin schon jetzt besonders zu unterstützen. Faeser fehlte am Samstag, weil sie bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin dabei war. "Aus verständlichen Gründen", so der Parteivorsitzende, kandidierte sie auch nicht mehr bei den Vorstandswahlen für den Unterbezirk. Da sie damit nicht allein war, wird die Main-Taunus-SPD nun von einem stark erneuerten Team geführt.

Für Kontinuität sorgt der mittlerweile 66 Jahre alte frühere Flörsheimer Bürgermeister Michael Antenbrink, der erneut konkurrenzlos für den Vorsitz kandidierte und mit 55 Stimmen gewählt wurde. Zehn Gegenstimmen und sieben Enthaltungen zeigen aber, dass längst nicht alle Genossen "Ante"-Fans sind. Der Parteichef sei eben "streitbar", so Philipp Neuhaus in seiner Gratulation.

SPD-Vorstand mit vielen neuen Gesichtern

Parteichef Michael Antenbrink hat drei Stellvertreter. Das beste Ergebnis erhielt Dr. Claudia Ludwig (Eschborn) mit 66 Ja-Stimmen. Für den bisherigen Schriftführer Manuel Schiewe (Hattersheim) stimmten 65 Genossen, Juso-Chefin Lisa Henties (Kelkheim) schnitt bei ihrer Wiederwahl mit 62 Ja-Stimmen immer noch besser ab als Antenbrink selbst. Nancy Faeser und Georg Einhaus hatten nicht mehr kandidiert.

Schatzmeister bleibt Alexander Fuchs (Hofheim), Pressesprecher Moritz Löw (Kelkheim). Neuer Schriftführer ist Michael Diehl (Bad Soden).

Wiedergewählte Beisitzer: Dr. Dieter Falk (AG Selbständiger), Peter Schöbel (AG 60+), Aylin Fischer (Schwalbach), Jan Herfort (Hochheim), Niclas Maether (Hofheim), Marcus Heße-Nuß (Hochheim).

Neue Beisitzer: Aaron Kowacs (Jusos), Eva Sauter (Eschborn), Daniel Backes (Kriftel), Adrian Bellingen (Liederbach), Michaela Zimmermann (Sulzbach)

Friedericke Wiertulla (Bad Soden), Andreas Zies (Hattersheim), Uwe Dicks (Flörsheim), Dr. Elmar Döhler (Eppstein).

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