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Möchte erstmal Bürgermeister-Kandidat Nummer 6 werden: Wilhelm Otto Klaus Schultze. Und die Direktwahl im März will der 23 Jahre alte Lorsbacher dann natürlich gewinnen.

Chefsessel im Rathaus

Wilhelm Schultze, selbsternannter König von Lorsbach, will Hofheimer Bürgermeister werden

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Das Rennen um den Chefsessel im Hofheimer Rathaus wird noch interessanter. Mit Wilhelm Otto Klaus Schultze (23) will jetzt der sechste Kandidat einsteigen.

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Das Neue Jahr hat Willi Schultze mit einem Knalleffekt begonnen. Am 1. Januar stellte er ein Video ins Netz, mit dem er seine Kandidatur für die Bürgermeisterwahl in Hofheim bekanntgab.

Für ungewöhnliche Gags in den sozialen Medien ist der 23-Jährige schon recht bekannt. Denn als selbsternannter „König von Lorsbach“ hat er eine phantasievolle und witzige Form von Imagewerbung für den Ortsteil betrieben, in dem er aufgewachsen ist. Das fanden viele cool. Kein Wunder also, dass es für den Studenten keine große Sache war, die nötigen Unterschriften für seinen neuesten Coup zu sammeln: Wilhelm Otto Klaus Schultze will seinen Königsthron aufgeben und Bürgermeister werden.

Die nötigen 90 Unterschriften habe er bereits zusammen, – sogar ein paar mehr, damit möglichst nichts bei der Prüfung durch Wahlleiterin Ilona Hakert schiefgehe, berichtete Schultze gestern. Die Unterschriften will er in Kürze abgeben – genauso wie seine Bachelorarbeit, nach deren Fertigstellung er nun Zeit für den Wahlkampf habe.

„Politisches Engagement ist wichtig“, findet der angehende Medienkommunikationsmanager. Doch viele seiner Altersgenossen, weiß er aus Gesprächen, hätten „zum Beispiel nicht mitbekommen, dass Frau Stang für den Landtag kandidiert hat. Sie wussten auch nicht, dass sie nicht noch einmal zur Bürgermeisterwahl antritt. Einige wussten nicht mal, wer überhaupt Bürgermeister in Hofheim ist.“

Dabei sei Politik doch etwas, „was jeden angeht“, sagt Willi Schultze und Demokratie „eine gute Sache“, die aber Beteiligung brauche. Und genau die will der wohl bald sechste Bürgermeisterkandidat fördern, indem er antritt. Wenn nur ein einziger Bürger mehr am 24. März zur Wahl gehe, weil er dabei sei, sei das schon ein Erfolg, meint Willi Schultze.

Sein eigentliches Wahlziel ist allerdings deutlich ambitionierter: „Die absolute Mehrheit“, gibt er an, denn wer antrete, solle schon auch gewinnen wollen. Dass er einmal bei einer Bürgermeisterwahl als Kandidat dabei sein wolle, das habe er schon im Abi-Buch angekündigt, es allerdings eher „für den Lebensabend im Kopf“ gehabt. „Warum nicht die Dinge direkt angehen“, habe er sich aber nun gesagt.

Die bereits fünf Kandidaten von CDU, SPD, Grünen, FWG und Linken deckten zwar bereits „ein schönes, breites Feld“ ab, räumt Schultze ein, doch er sei als einziger parteipolitisch völlig ungebunden. Er sorge zudem für noch mehr „Diversität“ und bringe „eine junge, moderne Sichtweise“ mit. Dass er nur ein sehr kleines Budget für das Projekt Wahlkampf hat, stört Schultze nicht. „Da muss man kreativ werden“, sagt der 23-Jährige, der bereits ein kleines Wahlkampfteam gebildet hat. Seit Neujahr hätten sich auf sein erstes Wahl-Video hin weitere Hofheimer gemeldet, die ihn unterstützen wollten.

199 Likes hatte sein erstes Wahl-Video gestern Mittag bereits bei Facebook. Bei YouTube wurde der gerappte Werbe-Song mit dem Refrain: „Wilhelm Otto Klaus, frischer Wind, den Hofheim braucht“ mehr als 2250 mal aufgerufen. Die Themen, die der junge Lorsbacher für seinen Wahlkampf in einer ersten Pressemitteilung und auch im Gespräch mit dem Kreisblatt benennt, klingen vertrauter. Deutliche Verbesserungen bei Mobilität und Barrierefreiheit, bei denen Schultze vor allem in den Stadtteilen noch Nachholbedarf sieht, gehören dazu.

Ungenutzt sei das Potenzial der Grünanlage zwischen Schwarzbach und Rathaus. „Eine Super-Fläche, die sich ansprechender gestalten ließe“, habe er schon gedacht, als er noch Schüler an der nahen MTS war. Bei Hofheims letzter großer Baulandreserve Marxheim 2 zeigt sich Schultze vorsichtig. Er sei eher für eine behutsame, „gesunde“ Entwicklung, bei der auf jeden Fall zuerst für die nötige Infrastruktur gesorgt werden müsse.

Flächendeckenden Breitbandausbau und einen Haltepunkt für Wallau an der geplanten Bahnstrecke zwischen Wiesbaden und dem Flughafen hat sich der „König von Lorsbach“ ebenfalls ins Wahlprogramm geschrieben.

Die Entscheidung, mit seinem vollen Namen Wilhelm Otto Klaus Schultze anzutreten, scheint ebenfalls Programm. Schließlich will sein Träger zwar „für ein modernes, aber auch für ein traditionsbewusstes Hofheim“ stehen – und eben Schultze, Bürgermeister also, werden. Eines weiß der mögliche sechste Kandidat jetzt schon: „Der Wahlkampf wird auf jeden Fall eine interessante Erfahrung. Und ich kann dabei ganz viel lernen – egal, wie es am Ende ausgeht.“

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