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Noch fehlt ein Stockwerk, aber das Bauprojekt der HWB Am Klingenborn macht schnelle Fortschritte.

Wohngemeinschaft für Demente

Wohnungsbaugesellschaft bringt ungewöhnliches Wohnprojekt an den Start

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Die Case Management Pflege GmbH und der Caritasverband wollen neun Menschen mit dementieller Erkrankung ein selbstbestimmtes, ambulant betreutes Gemeinschaftsleben ermöglichen. Das Haus Am Klingenborn ist bereits im Bau.

Die Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft (HWB) ist bekannt dafür, dass sie sich gern auf Neuland wagt und offen ist für innovative Projekte. Das „Dr. Max Schulze-Kahleyss-Haus“, das gerade am Kapellenberg entsteht, verspricht dafür ein weiteres Beispiel zu werden. Denn neben einem Mehrgenerationen-Wohnen, für das sich der Verein „NAHbarschaft“ gebildet hat, und seniorengerechtem Wohnen soll es in dem Gebäudekomplex von Anfang 2020 an auch eine „selbstbestimmte, ambulant betreute Demenz-Wohngemeinschaft“ geben. Als Partner wurden die Case Management Pflege GmbH und der Caritasverband Main-Taunus gewonnen. Beide arbeiten schon erfolgreich in einem ähnlichen Projekt in Marxheim zusammen, das im Maria-Droste-Haus der Schwestern vom Guten Hirten verwirklicht wurde.

Das Prinzip wird dasselbe sein: Die Mieter bilden eine Wohngemeinschaft, die sich je nach individuellem Bedarf Leistungen zukauft. Die Koordination liegt beim dem Case Management-Unternehmen, den „Kümmerern“, wie HWB-Geschäftsführer Norman Diehl den englischen Begriff übersetzt; die Caritas garantiert für das erste Jahr eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung an sieben Tagen pro Woche und die Hauswirtschaft. Das Neue: Im Max Schulze-Kahleyss-Haus sind alle neun Wohnplätze für Demenzkranke vorgesehen, was im Maria-Droste-Haus so nicht der Fall ist.

„Das ist noch mal eine Stufe drauf“, räumte Kerstin Jährling-Roth, zuständige Fachbereichsleiterin beim Caritasverband, gestern bei der Vorstellung des Projekts ein. Denn es brauche natürlich gut qualifizierte Betreuungskräfte und eine enge Absprache mit den Angehörigen oder zuständigen rechtlichen Betreuern. Kommunikation, bestätigt Matthias Mört, der Geschäftsführer des Case Management-Unternehmens, werde eine immens wichtige Rolle spielen. Beide sehen aber gerade aufgrund der bisherigen Erfahrungen auch eine große Chance für die Menschen, die in die Demenz-WG einziehen. „Diese Wohnform bietet eine andere Möglichkeit, genau wahrzunehmen, was jemand noch kann“, sagt Jährling-Roth. Zudem sei eine Einbindung der Angehörigen, besser möglich, die sich vielfach wünschten, mehr über den Alltag ihres Familienmitglieds mitbestimmen zu können und sich stärker einzubringen. Ihr einfaches Beispiel: Wenn eine Tochter für ihren Vater, der in der WG lebt, einen Kuchen gebacken habe, könne sie ihm diesen mitbringen und alle anderen Mitbewohner problemlos auch dazu einladen. Das sei aufgrund von Hygienevorschriften so in stationären Pflegeeinrichtungen nicht möglich.

Problemlos sei auch, einen Menschen nach dessen Einzug in die Wohngemeinschaft genauso pflegerisch zu versorgen, wie es vorher von den Angehörigen daheim gemacht worden sei. Genauso gut kann damit aber auch ein professioneller Pflegedienst beauftragt werden. „Es zählt, was der Kunde sagt“, machte Jährling-Roth deutlich. Das Projekt ist nach dem Marxheimer erst das zweite in Hessen, das nicht dem Betreuungs- und Pflegegesetz des Landes unterliegt. Die Qualitätskontrolle stelle der Medizinische Dienst sicher. „Wir bieten gleichzeitig einen hohen Grad an Individualität und eine Versorgungssicherheit“, unterstrich Matthias Mört.

Die Miete pro Quadratmeter sei genauso hoch wie im übrigen Haus, so Norman Diehl. Die Grunddienste von „Kümmerer“ und Caritas werden pauschal entgolten. Mört sprach von einem Eigenanteil von 2000 bis 2500 Euro. Die neun Zimmer für die Bewohner, die sogenannten „Individualbereiche“ sind zwischen 12 und 16 Quadratmeter groß. Vorgesehen sind auf den insgesamt 250 Quadratmetern zudem vier 5 bis 8 Quadratmeter große Bäder. Der Gemeinschaftsbereich, in dem auch gekocht wird, misst (samt Fluren) 93 Quadratmeter. Die Wohngemeinschaft erhält ihre Räume im Erdgeschoss.

Caritasgeschäftsführer Torsten Gunnemann sieht in dem neuen Projekt einen Beitrag für den demographischen Wandel. Gefördert wird er mit Bundesmitteln. Ein Informationsabend für Interessierte soll am Dienstag, 15. Januar, um 18 Uhr, in der Stadthalle stattfinden.

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