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Ein HWB-Projekt im Schlesierweg: Dort entstehen die neue Kindertagesstätte St. Bonifatius und Wohnungen.

Landesrechnungshof

Wohnungspolitik: Barrierefrei und klein soll';s sein

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Hofheim braucht mehr bezahlbare und mehr barrierefreie Wohnungen. Der Landesrechnungshof bestätigt damit eine verbreitete Erkenntnis, hat aber auch Zahlen.

Hofheim soll kurzfristig zusätzliche Wohnbauflächen ausweisen und sich darum kümmern, dass es mehr Wohnungen im öffentlichen Bestand gibt. Außerdem sollen mit Blick auf neue Zuwanderungsschübe Grundstücke bereit gehalten werden, die bei Bedarf kurzfristig bebaut werden können. Das sind drei wichtige Empfehlungen aus einem Bericht, in dem im Auftrag des Landesrechnungshofes die Wohnungsbaugesellschaften verschiedener hessischer Kommunen untersucht wurden. Dabei haben die Experten nicht nur diese Gesellschaften verglichen, aus Hofheim ist die Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft (HWB) beteiligt. Es finden sich auch Aussagen zur Wohnungspolitik der jeweiligen Kommunen, die für die Debatte vor Ort wichtig sein können.

Für den Zeitpunkt Ende 2016 sprechen die Gutachter von 480 fehlenden Wohnungen in Hofheim. Die Zahl ist nicht ganz aktuell, ist aber mit Sicherheit nicht gesunken. Es handelt sich um einen rechnerischen Wert, den Unterschied zwischen der tatsächlichen Zahl der Wohnungen und derjenigen, die sich aus der Einwohnerzahl errechnet. 170 Wohnungen für Flüchtlinge wurden hinzugerechnet. Dass auf der HWB-Warteliste mehr Namen stehen, ist kein Widerspruch; man kann davon ausgehen, dass sich viele Wohnungssuchende bei mehreren Gesellschaften bewerben.

Die spannende Frage ist, wie sich der Bedarf in der Zukunft verändert. Die Prognosen zu Geburten- und Sterbeziffern gelten als einigermaßen verlässlich. Unklar ist, wie viele Menschen in die Region zuwandern wollen, und unklar ist, wie stark der Trend zum Ein-Personen-Haushalt – man spricht von Singularisierung – noch wird. Die Gutachter spielen mehrere Szenarien durch. Möglich ist, dass es bei den aktuell wohl knapp 18 500 Haushalten in Hofheim bleibt – das ist aber unwahrscheinlich, da dies voraussetzt, dass es keine Zuwanderung gibt. Bei starker Zuwanderung und starker Singularisierung aber werden 4400 Wohnungen zusätzlich gebraucht, bis zum Jahr 2035. Dann würde auch das Baugebiet Marxheim II nicht ausreichen.

Der Landesrechnungshof legt sich aber nicht nur darauf fest, dass man mit einer Zuwanderung schon rechnen muss. Sondern es steht für die Gutachter auch außer Frage, dass preiswerte und kleine Mietwohnungen für jüngere Arbeitnehmer, aber auch für Senioren gebraucht werden. Denn die Zahl jüngerer Menschen mit geringerem Einkommen werde nicht wesentlich sinken, die Zahl der Senioren mit höchstens durchschnittlicher Rente aber zunehmen. Solche Wohnungen werden kaum gebaut von Investoren, die den Blick auf die Rendite gerichtet haben, es handelt sich daher um eine Aufgabe für die HWB. Die hat zwar über 1600 Wohnungen, aber das sind nur neun Prozent aller Wohnungen in der Stadt. Bei manchen Vergleichskommunen liegt dieser Wert zwischen 15 und 21 Prozent. „Für die Aufgaben im Rahmen der Daseinsvorsorge nicht ausreichend“, heißt es. Jetzt rächt es sich, dass die HWB gerade in den 1990er Jahren nur wenig gebaut hat.

Ein besonders Defizit sieht der Landesrechnungshof in der Versorgung mit barrierearmen Wohnungen für Senioren. In 5500 der Hofheimer Haushalte leben Senioren, und wenn man allgemeine Durchschnittswerte zugrunde legt, müssten 1300 davon barrierearm sein. Wie viele es gibt, ist nicht ermittelt, aber die Gutachter schätzen den zusätzlichen Bedarf auf mindestens 600. Und da die geburtenstarken Jahrgänge sich dem Rentenalter nähern, nimmt die Zahl künftig mit Sicherheit noch zu.

Welche

Schlussfolgerungen

ergeben sich aus der Untersuchung für die Hofheimer Wohnungspolitik? Im Baugebiet Marxheim II ist besonders auf kleinere, preiswerte und barrierefreie Wohnungen zu achten. Je weniger sich private Investoren darauf festlegen lassen, um so mehr ist die HWB gefordert. Der Rat, weitere Wohnbauflächen schnell auszuweisen, ist leicht gegeben, aber schwer umzusetzen, wenn es im Flächennutzungsplan so viele potenzielle Flächen gar nicht mehr gibt, aber gegen jede ins Auge gefasste Fläche massiver Widerstand laut wird. Und damit ist es unrealistisch, darüber hinaus noch Flächen in Reserve zu halten, die bei Bedarf schnell zu Bauland gemacht werden könnten.

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