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Verabschiedet sich als Stadtverordnetenvorsteher: der Christdemokrat und leidenschaftliche Kommunalpolitiker Wolfgang Vater.

Jahrzehnte in der Politik

Wolfgang Vaters langsamer Abschied

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Heute Abend wird aller Voraussicht nach Andreas Hegeler (CDU) zum neuen Hofheimer Stadtverordnetenvorsteher gewählt. Er würde damit Nachfolger von Wolfgang Vater, der 17 Jahre erster Bürger der Stadt war, und noch viel länger in der Kommunalpolitik mitmischte.

Einen langsamen Abschied von der politischen Bühne hat sich Wolfgang Vater verordnet. 37 Jahre hat der Christdemokrat in tragenden Rollen mitgemischt und mitgestaltet. 20 Jahre war er Fraktionsvorsitzender seiner Partei in der Stadtverordnetenversammlung. Eine Aufgabe, die Führungs- und Integrationsfähigkeit gleichermaßen verlangt, in der wesentlich die politische Linie der eigenen Partei mitbestimmt und vertreten wird. Das Heldenfach sozusagen, wenn man im Bild bleiben möchte. 2001 wechselte der Fachanwalt für Immobilien- und Wirtschaftsrecht und Notar mit eigener Kanzlei in Hofheim auf der politischen Bühne dann das Genre. Vom Fach der Interessenvertreter trat er über zu dem der Mittler. Als Stadtverordnetenvorsteher müsse man „immer neutral sein“, weiß Vater. In der CDU habe er sich seither „mehr oder weniger passiv“ verhalten.

Dass er anfangs unterschätzt habe, welchen Zeitaufwand sein neues Amt erfordern würde, gibt der 76-Jährige zu. „Ich bin ja froh, dass meine Frau immer mitgespielt hat“, weiß er ihre Unterstützung in all den Jahren politischen Engagements in erster Reihe ebenso zu schätzen wie die seiner beiden Kinder. Drei Tage in der Woche sei er abends als Stadtverordneter im Schnitt sicher unterwegs gewesen, schätzt Vater. Die vielen repräsentativen Verpflichtungen sind der eine, die Vor- und Nachbereitung der Parlamentssitzungen der andere Teil dieser ehrenamtlichen Arbeit. Als „ganz hervorragend“ lobt Vater das Zusammenspiel mit dem Büro Städtische Gremien im Rathaus und seinen Leiter Frank Böhme. „Er ist der Verwaltungsfachmann, da war es nicht so schwer.“

Dass der Christdemokrat an der Parlamentsspitze gut mit der Sozialdemokratin an der Rathausspitze harmoniert hat, ist kein Geheimnis. Als „Vaters Mädchen“, wurde Gisela Stang, die als jüngste Bürgermeisterin Hessens ihr Amt angetreten hatte, eine Zeitlang tituliert. Noch gut erinnert sich der gebürtige Berliner, der seit 1971 mit seiner Familie in Hofheim zu Hause ist, wie er zu Stang nach ihrer Amtseinführung gesagt habe: „Jetzt müssen wir also beide an die Sache ran.“

Als eine der heißesten Phasen auf diesem gemeinsamen Weg an der Kreisstadt-Spitze hat Wolfgang Vater die Auseinandersetzungen um die Bebauung am Chinon-Platz in Erinnerung. Das habe schon viel Kraft und Zeit gekostet. Vieles sei heute zudem komplizierter geworden in der Politik, die Zersplitterung auch im Hofheimer Stadtparlament erschwere stabile Mehrheiten. Gelernt habe er in den vergangenen Jahren, dass es nicht immer gelinge, in allen Dingen zu einer Übereinstimmung, einem Konsens, zu kommen. „Es gibt immer auch mal Meinungen, die nicht zurückgenommen werden“, weiß Vater heute. Dabei ist offenkundig, dass er vor allem an die Dauer-Auseinandersetzung mit Linken-Fraktionschef Bernd Hausmann denkt, auch wenn er ihn nicht namentlich nennt. „Einmal habe ich dann den Stecker gezogen“, erinnert der fünffache Großvater selbst an die Szene, in der er regelrecht aus der Rolle gefallen ist.

Die Absicht von Gisela Stang, in den Landtag zu wechseln, sei nicht ausschlaggebend für ihn gewesen, sich selbst ebenfalls von seinem Amt zurückzuziehen, sagt Vater. Vielmehr hat er gespürt, dass die eigenen Kräfte doch nicht mehr ausreichen für sein noch vor einem Jahr formuliertes Ziel, sein Amt die gesamte Wahlperiode lang auszuüben. Stadtverordneter will Wolfgang Vater aber bis zur nächsten Wahl 2021 bleiben, genauso wie Kreistagsmitglied. Dann dürfe mal Schluss sein, findet der Jurist, der in Hofheim den Lions-Club mitbegründet hat. Sich einbringen in die Gesellschaft, das habe er immer gewollt. Und im Rückblick bedauert der Christdemokrat eigentlich nur eines: „Dass ich kein Französisch spreche“ – denn die Begegnungen mit den Partnern aus Chinon hat er als besonders schön im Gedächtnis.

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