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Sehen in der Senioren-Union einen Zusammenschluss, in dem sie sich über politische und gesellschaftliche Themen gut austauschen können: Jutta Brünning, Heinz-Jürgen Steinle, Liselotte Jansen, Helga Senne, Dieter Kugelmann und Gerda Heufelder (von links).

Senioren-Union

Zusammenhalt auch im Alter: Mit dem Namen nicht glücklich, aber zur Seite geschoben fühlt sich keiner

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Das Bild der Älteren hat sich in der Gesellschaft gewandelt. Deshalb urteilen die Mitglieder der Senioren-Union nach 30 Jahren ganz anders über den Zusammenschluss über 60 Jahre alter Christdemokraten – und kommende Woche wird gefeiert.

Gerda Heufelder gibt unumwunden zu, dass sie vor 30 Jahren ein wenig skeptisch war gegenüber der Neuerung, die bei der CDU Hofheim aus der Taufe gehoben wurde. Eine eigene Gruppierung für die Älteren, eine „Senioren-Union“ sollte die Partei auch in der Kreisstadt haben. Im Bund war die Senioren-Union bereits einige Monate früher ins Leben gerufen worden und auch auf Kreisebene hatten die Christdemokraten schon die Neuerung eingeführt.

Anfang 1989 war es in Hofheim so weit. Gerda Heufelder, konnte sich eine Mitgliedschaft lange für sich allerdings gar nicht vorstellen. „Ich hatte immer die Sorge, dass man dann vielleicht zur Seite geschoben wird.“ Das vertrug sich nicht mit dem eigenen politischen Anspruch der Stadtverordneten und langjährigen Ortsbeiratsvorsitzenden für Hofheim-Süd. „Ich wollte was bewirken“, unterstreicht sie, warum sie sich mit Helga Senne einig gewesen sei, dass eine Senioren-Vereinigung für sie nicht das Richtige sein könnte.

Aktiv und gestaltend

Heute sagen die engagierten Christdemokratinnen: „Das hat sich alles völlig gewandelt.“ Nicht etwa, weil sie selbst älter geworden sind oder weniger Lust auf Mitgestaltung hätten, sondern weil sich das Bild, das die Gesellschaft von alten Menschen hat, grundlegend verändert habe. „Früher war es überwiegend das Bild vom gebrechlichen Menschen, der nichts mehr leisten kann“, macht Heufelder deutlich. Doch die Über-Sechzigjährigen von Heute seien in großer Zahl sehr aktiv und gestalteten Gesellschaft in vielen Bereichen entscheidend mit. Die Sorge, als Senioren-Unions-Mitglied beiseitegeschoben zu werden, hat sie von daher längst nicht mehr.

Der Seniorenbeauftragte der CDU Hofheim, Georg Mohr, hatte im Januar 1989 zur Gründungsversammlung der Senioren-Union Hofheim/Kriftel eingeladen. Mohr wurde auch Gründungsvorsitzender, ihm folgten (ab 1989) Professor Karl Karwath, Dr. Jörg-Ronald Keßler (1991 bis 2002) und Gerda Heufelder (2002 bis 20015, 2015 bis 18 kommissarisch). Im Mai 2018 konnte Heufelder dann „ins zweite Glied treten“, seitdem ist die mittlerweile 88-Jährige Stellvertreterin des neuen Vorsitzenden Dieter Kugelmann. Mit dem 70-Jährigen aus Lorsbach sei die Verjüngung an der Spitze gelungen,

Kugelmann schätzt die Vorzüge der Senioren-Union. „Für nur zwölf Euro Beitrag bekommen sie bei uns mindestens zehn Mal im Jahr einen interessanten Vortrag“, führt er an. So könne man dafür sorgen, „dass die kleinen grauen Zellen noch arbeiten, wenn man älter wird“, sagt Kugelmann mit einem Lächeln. Früher, gibt auch er zu, hätte er es nie für möglich gehalten, dass Menschen mit 80 Jahren und mehr „noch so fit und rege“ sein könnten. Die Mitglieder der Senioren-Union beeindrucken ihn da immer wieder.

Auch Helga Senne hat die 80 schon überschritten, als Beisitzerin ist sie weiter im Vorstand dabei und wie Heufelder und Kugelmann ein Aktivposten, auch im aktuellen Bürgermeisterwahlkampf. Den nächsten Großeinsatz, die Europawahl, nehmen die agilen Christdemokraten schon in den Blick und sind fröhlich dabei. Sie habe zwar schnell Last mit Rückenschmerzen, sagt Gerda Heufelder, „aber die habe ich auch, wenn ich nicht hier dabei bin“. Auch Dieter Kugelmann meint humorig: „Wir brechen nicht zusammen, wir halten zusammen.“

Auch ohne Parteibuch

Helga Senne hat noch ein wenig länger als Gerda Heufelder gebraucht, sich für eine Mitgliedschaft in der Senioren-Union zu entschließen, die keineswegs automatisch erfolgt, wenn Christdemokraten die 60 überschreiten und die sogar ganz ohne CDU-Parteibuch möglich ist. „Ich fühlte mich nicht so, als Seniorin“, sagt die Hofheimerin.

Sie ist sicher, dass die Betitelung auch manch anderen Älteren abhält, etwa zu Senioren-Gruppen oder -Kaffeetrinken zu gehen. „So alt bin ich noch nicht“, heiße es dann. Mit dem Namen „Senioren-Union“ ist Senne deshalb nicht so glücklich. „Die SPD hat es besser gemacht“, gefällt ihr das „60plus“ als Bezeichnung eher.

Doch das Etikett ist ihr am Ende nicht mehr so wichtig gewesen. Auch Helga Senne hat erfahren, dass die Senioren-Union für sie ein guter Platz ist. „Die Themen sind dieselben, als älterer Mensch hinterfragt man aber einfach noch mehr“, ist sie sich mit Heufelder und Kugelmann einig. Sich auszutauschen, politische und gesellschaftliche Themen gründlich zu bedenken, dazu biete die Senioren-Union einfach einen guten Rahmen.

Jubiläumsfeier

Ihr 30-jähriges Bestehen feiert die Senioren-Union Hofheim am Dienstag, 12. März, ab 17 Uhr im Restaurant „Die Scheuer“.

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