Businesslunch

Zwei Frauen, die sich gut ergänzen, erklären zukunftsfähige Führungskulturen

Beim Businesslunch in der Kreisstadt haben sie sich kennengelernt, heute arbeiten Sascha Grötecke und Ines Wulkau im Hofheimer Innovationszentrum an Konzepten für Führungsstrukturen der Zukunft.

Beim Firmenlogo von Sascha Grötecke und Ines Wulkau muss man schon genau hinsehen: „WoMen2win . . . stark führen“ steht dort in gelb und blau. Eigentlich nicht misszuverstehen. Hätten sich die beiden Frauen auf dem Firmen-Flyer nicht rote Clownsnasen übergestülpt. Und würden da nicht auf dem Konferenztisch neben eben solchen Nasen ein paar Überraschungseier, Spielgerät, ja sogar eine Packung Nudeln, Marshmallows und ein Knäuel Wolle hübsch drapiert liegen.

„Aha: ein typisches Frauending“, argwöhnt der doch nicht ganz vorurteilsfreie Gast – um sich im Lauf der nächsten Stunde vom Gegenteil zu überzeugen. Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), die die beiden Frauen schon kurze Zeit nach ihrem ersten zufälligen Kennenlernen beim Hofheimer Businesslunch gründeten, will vor allem eins: zukunftsfähige Führungskulturen in Unternehmen tragen. Männlein oder Weiblein – das spielt dabei keine Rolle. Das Raus aus dem „Ich kann ja eh nix ändern!“ ist geschlechtsneutral. Seit dem vergangenen Jahr sind die beiden ein Team und basteln im Hofheimer Innovationszentrum (hiz) an der Feldstraße 1 an der eigenen Zukunft.

Die Mischung macht’s dabei: „Wir kommen zwar aus zwei völlig unterschiedlichen Welten, haben aber sehr schnell gemerkt, dass wir uns gerade dadurch hervorragend ergänzen, und uns entschieden, zusammenzuarbeiten“, sagt Ines Wulkau, die sich nach dem Studium 14 Jahre lang bei einer großen deutschen Bank ihren Karriereweg bahnte. Liiert, keine Kinder, schnurstracks unterwegs im beigen Business-Outfit. Was ihr dann irgendwann im gewohnt dunklen Einerlei selbst aufgefallen ist. Das Ergebnis: schlussendlich die eigene Firma.

Dagegen Sascha Grötecke: Berufseinstieg bei Hertie, ihr Thema war Personalentwicklung. Apropos Entwicklung: Sie wurde schwanger, Hertie an Karstadt verkauft und so entwickelte sich die zunächst geplante überschaubare Babypause zu einer zehnjährigen Auszeit. Auch, weil die inzwischen zweifache Mutter Spaß an der Aufgabe Familie hatte.

Dann die private Veränderung und mit ihr die Notwendigkeit, die eigene Komfortzone zu verlassen. „In Krisen bewegt man sich“, sagt sie. Die Folge: Sie stieg zunächst bei „BerufsWege für Frauen“ in Wiesbaden ein, sammelte neue Erfahrungen in ihrem Schwerpunktthema Personalentwicklung, rief mit Sabine Kristan den Businesslunch ins Leben und fühlte sich schließlich reif für die eigene Firma. Just der Moment, an dem sich die beiden Frauen trafen und fortan gemeinsame Sache machten.

Wie gut dies funktioniert, wird im Gespräch schnell klar: Ines Wulkau liebt die knappen Formulierungen. „Führung übernehmen ja, nein, vielleicht“ zitiert sie einen oft gehörten Leitsatz wenn es darum geht, Mitarbeiter in mehr Verantwortung zu bringen. Und füllt ihn mit Leben: „Wir brauchen für die Zukunft Fachkräfte und wir müssen die Strukturen dafür schaffen, dass die Bereitschaft da ist, etwas zu tun!“, sagt sie und schiebt mit einem Lächeln nach: „Wir wollen Führungskräfte für die neue Welt fit machen. Dabei müssen die Verantwortlichen in den Unternehmen die Menschen mitnehmen.“

Das Stichwort für Sascha Grötecke: „Vertrauen ist für uns ein großes Thema“, ergänzt sie: „Ich muss meine Mitarbeiter auch besser arbeiten lassen.“ Und wie bringt man Unternehmer dazu, alte verkrustete Denkstrukturen aufzugeben? „Am besten spielerisch“, greift Sascha Grötke zur roten Pappnase. „Wetten, dass sie lachen müssen“, sagt sie keck.

„Aktuellen Studien zufolge verlangt der Umbruch in Unternehmen nach neuen Führungskompetenzen. Schlagworte wie Digitalisierung, flache Hierarchien, agiles Projektmanagement oder Work-Life-Blending sind die Leitplanken der Zukunft. Dahinter verbergen sich uns gut bekannte Kompetenzen, über die wir bei Clowns lachen und die wir als Kinder selbst hatten: Kreativität, geistige Beweglichkeit, Unerschrockenheit, Pioniergeist und Staunen über Neues“, erläutert Ines Wulkau.

„Und für uns steht die Clownsnase als Symbol für unsere Leidenschaft, dieses Wissen für die Businesswelt nutzbar zu machen, indem wir das spielerische Potenzial, das wir alle in uns tragen, wiederbeleben. Glauben sie mir: Mit der Clownsnase hat man plötzlich einen anderen Blick auf das Problem“, nimmt Sascha Grötecke den Faden auf.

Sie weiß: Es gibt heute eine große

Diskrepanz

zwischen Berufs- und Privatleben. „Im Beruf sind wir eher bequem, und nach Feierabend geht es dann ins Fitnessstudio oder auf die Marathonstrecke . . . bisschen quälen. Also fehlt offenkundig der Sinn und den gilt es zu finden“, sorgt die Jungunternehmerin für eine kurze Denkpause. Und haut das Sahnehäubchen hinterher: „Ist es nicht merkwürdig, dass im Sport der Trainer immer präsent ist, während es in der Familie und eben auch in der Wirtschaft leider auch heute noch wie ein Armutszeugnis klingt, sich Hilfe zu leisten?“ Klingt nach Eigenwerbung, trifft es aber irgendwie . . .

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