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Senkrechte Elemente und ein überdachter Eingang - so stellt sich das Architekturbüro Kulla die umgebaute Stadthalle vor.

Stadthallen-Umbau

Stadthalle: Wer wird über neue Fassade entscheiden?

Die Stadthalle bekommt eine neue Fassade. Geht es schwer und gediegen in die Breite oder wird es leicht, luftig und vertikal? Und wer entscheidet am Ende?

Hofheim - In einer Beurteilung sind sich die Stadtverordneten einig: Wenn man erstmals auf den Chinonplatz kommt, sieht man nicht gleich, wo der Eingang der Stadthalle ist, und die Gaststätte und ihr Zugang sind auch nicht gleich zu erkennen. Das ist ein städtebaulicher Mangel, der beseitigt werden soll. Eine sogenannte Adressbildung solle her, sagen die Experten.

Das ist gestalterisch gemeint, nicht postalisch. Vor allem läuft es darauf hinaus, dass der Stadthalleneingang ein großes Vordach bekommt und einen Schriftzug "Stadthalle". Auf welche Weise das Restaurant besser kenntlich gemacht werden soll, steht noch nicht ganz fest. Ein weiterer Schriftzug steht zur Debatte. Aber so weit gibt es keinen Streit.

Keine Erker mehr

Unterschiedliche Auffassungen gibt es aber über die Neugestaltung der Fassade. Die ist extrem schlecht wärmegedämmt und muss daher auf jeden Fall erneuert werden. Die städtische Hallen- und Parkhaus GmbH, die die Halle betreibt, möchte eine glatte Fassade und keiner Erker mehr. Denn eine gerade Wand ist leichter zu dämmen, und dem heutigen Geschmack entsprechen die Erker ohnehin nicht mehr - sagen die Planer.

In den bisherigen Diskussionen war es lediglich die Linke, die an den Erkern festhalten wollte, die anderen Parteien folgen der Hallen- und Parkhaus GmbH, so weit sie sich überhaupt äußern. Dabei trat der SPD-Vorsitzende Bernhard Köppler in der Stadtverordnetenversammlung dafür ein, bei der Gestaltung senkrechte Linien dominieren zu lassen. Dies wirke luftiger und nicht so schwer, so der gelernte Architekt.

Köppler wies darauf hin, dass das benachbarte Rathaus schon genug die waagrechten Linien betone, ein Kontrast müsse her. Dagegen wehrte sich zwar niemand, ein formeller Beschluss wurde aber auch nicht gefasst. Die Rede war lediglich davon, dass der planende Architekt Joachim Kulla einen weiteren Entwurf im Sinne Köpplers vorlegen solle. Insgesamt ist in der Stadtverordnetenversammlung die Neigung zu verspüren, der Betreibergesellschaft in diesen Dingen weitgehend freie Hand zu lassen. Das passt vor allem der Linken nicht. Es sei nicht hinnehmbar, dass die Stadtverordnetenversammlung nichts mitzureden habe, so die Fraktionsvorsitzende Barbara Grassel. "So stellen wir uns eine breite Bürgerbeteiligung nicht vor", schimpfte sie. "Das entspricht nicht der Wahrheit", widersprach dem Erster Stadtrat Wolfgang Exner (CDU). Die Stadtverordneten seien schon vor Monaten umfassend in die Planungen eingebunden gewesen, so Exner.

Tatsächlich hatte Architekt Kulla die Planungen schon im vergangenen Jahr im Bauausschuss vorgestellt. Eine Beschlussfassung zur Fassadengestaltung hatte es auch damals nicht gegeben. Dem Ortsbeirat sollen die Planungen noch vorgelegt werden, hieß es jetzt. Das klingt aber auch nicht danach, als solle die endgültige Entscheidung über die Fassade nicht in der Chefetage der Betreibergesellschaft fallen. Jedenfalls wurde in der Stadtverordnetenversammlung nicht eindeutig geklärt, wer das letzte Wort haben soll.

Die neue Fassade ist Teil eines umfassenden Sanierungspaketes für die Stadthalle. Die Umstellung der Beleuchtung auf LED-Technik sowie der Austausch von Lüftungs- und Klimaanlagen hat bereits stattgefunden. Äußerlich wird nicht nur die Vorderseite umgebaut, sondern auch die anderen Fassaden - dies wird aber erst geplant, wenn die Gestaltung der Vorderseite fest steht. Umgestaltet wird auch der Durchgang zwischen Stadthalle und Rathaus - auch mit dem Ziel, diesen Bereich weniger attraktiv zu machen als Aufenthaltsort für Jugendliche, die man dort nicht haben möchte.

Zwischenraum verschwindet

Bei der energetischen Sanierung wird ein ganz gravierender Mangel behoben, der bei der Aufstockung vor Jahrzehnten entstand. Zwischen Erd- und Obergeschoss nämlich befindet sich ein Zwischenraum, der nach Außen hin praktisch offen ist; es gibt nicht mehr als einen Sichtschutz. Das führt dazu, dass im Winter die Kälte und im Sommer die Hitze bis mitten in das Gebäude vordringen kann. Das erhöht die Heizkosten im Winter beträchtlich und sorgt im Sommer dafür, dass die Klimaanlage Schwerstarbeit verrichten muss, um die Temperatur erträglich zu halten. Dieser Zwischenraum wird beim Neubau der Fassade verschlossen. Insgesamt werden bis Ende 2020 in der Stadthalle voraussichtlich 4,6 Millionen Euro verbaut.

VON MANFRED BECHT

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